Menü Schließen

Karl Schwartzkopf: „Am Großen Fenster“

Hier eine hübsche, aufwändig gestaltete Geburtstagskarte mit einer Handzeichnung vom Großen Fenster an der Berliner Unterhavel.

Verfasser ist Herr „Karl Schwartzkopf“, sie trägt das Datum „18. August 1937“. Seinen Namen habe ich im Berliner Adressbuch 1938 aber nicht gefunden. Lediglich zwei Namesvettern, aber ohne „t“ (1. Karl Schwarzkopf (Behördenangestellter) und 2. Karl Schwarzkopf (Oberverwaltungsgefreiter).

Es gab jedoch in Deutschland einen Kapitän „Klaus Schwartzkopf“ (also mit „t“). Über ihn ist im Internet folgendes zu finden:

28.09.1916 Geisenheimer Zeitung, Titelseite:

Die Bremen in Amerika

Aus dem nordamerikanischen Hafen New London wird die Ankunft des Handels-U-Bootes „Bremen“ gemeldet. Führer des Schiffes ist Kapitän Schwartzkopf.

Das zweite Unterseehandelsboot „Bremen“ hat glücklich sein Ziel erreicht. Es hatte ungefähr um den 28. August Deutschland verlassen, genau zu dem vorher festgesetzten Zeitpunkt.

Es ist nur eine einfache Vorsichtsmaßregel gegenüber der brutalen Willkühr unserer Feinde, daß die Abfahrtszeiten der friedlichen Handelsschiffe nicht bekannt gegeben werden. Jede Fahrt dauert ungefähr drei Wochen. Die Schiffe treffen so pünktlich, wie sie ausgefahren, auch wieder zu Hause ein. Deutschland unterhält jetzt eine regelmäßige Verbindung durch die Tauchboote mit Amerika.

Als die kühne Tat der „Deutschland“ gelang, da konnten unsere Feinde vielleicht mit einem Schein von Recht behaupten: Einmal ist keinmal“, und der Erfolg dieser Fahrt dieser Fahrt beweise noch nicht, daß sie immer glücken werde. Schon die gelungene Rückreise der „Deutschland“ mußte diese behauptung erschüttern, und die dritte Reise eines deutschen Unterseehandlsbootes durch und über den Ozean wirft die gegnerische Behauptung wollends über den Haufen.

Das Schwesterschiff der „Deutschland“.

Die „Bremen“ gleicht ihrem Schwesterschiff, der „Deutschland“, in allen Teilen. Sie ist 65 Meter lang, 8,9 Meter breit, der Tiefgang beträgt 4,5 Meter, die Wasserverdrängung eingetaucht 1900 Tons. Der Bau des Schiffes wurde gleichzeitig mit dem der „Deutschland“ der Germaniwerft in Kiel übertragen, die dem der Verstellung  des Schiffsrumpes ihrerseits die Flensburger Schiffbaugesellschaft in Flensburg betraute, während sie selbst die maschinellen Einrichtungen schuf und in den Schiffskörper einbaute. Nach Beendigung der Probefahrten und der Tauchversuche mit dem unbeladenen Schiff wurde die Ladung, die wiederum hauptsächlich aus Farbstoffen und Arzneimitteln besteht, übernommen. Nach weiteren Tauchversuchen trat die „Bremen“ dann ihre erste Reise an, zur Zeit, als die „Deutschland“ sich dem heimischen Gestaden wieder näherte.

Der Führer der „Bremen“.

Karl Schwartzkopf ist am 30. Juli 1875 in Lübeck als Sohn eines Goldschmides geboren. Er widmete sich ganz der seemännischen Laufbahn in den Diensten des Norddeutschen Lloyd und war zuletzt Erster Offizier auf dem Norddeutschen Lloyddampfer „Prinz Friedrich Wilhelm„.

New London,

das Ziel der „Bremen“, liegt nördlich von -kann ich nicht entziffern- . Es hat einen beidseitigen Hafen mit Kohlenstation und Werftanlagen. Heute zählt es annähernd 20 000 Einwohner. Von Brooklin ist es etwa 125 Kilometer entfernt.
Als am 24. August der Norddeutsche Lloyddampfer „Willehard“ von Bosten, wo er seit Kriegsbeginn gelegen hatte, nach New=London übersiedelte und dort gewisse Vorbereitungen für die Ankunft und die Unterbringung des zu erwartenden Handls-Unterseebootes traf, rechneten die Bewohner von New=London schon damals mit dem Eintreffen der „Bremen“ in einigen Tagen. Ihre Geduld ist auf eine mehrwöchige Probe gestellt worden. Die Vertreter der Deutschen Ozean-Reederei hatten frühzeitig darauf Bedacht genommen dem zweiten Deutschen Handels=Unterseeboot einen sicheren Lösch- und Ladeplatz vorzubereiten. Der Dampfer „Willehard“ war dazu bestimmt, der „Bremen“ als Mutterschiff zu dienen., in gleicher Weise, wie der Lloyddampfer „Neckar“ in Baltimore die Mannschaft der „Deutschland“ während ihres Aufenthaltes im dortigen Hafen aufnahm. Die Geschäftsleitung der Ozean=Reederei trug weiter Sorge, daß die amerikanischen Zollbehörden sich auf rasche und fachgemäße Zoll=Abfertigung der „Bremen“ einrichteten. Der Dampfer „Willehard“ legte als erstes Schiff an einen neuen Pier an, um die „Bremen“ während ihrer Liegezeit dem Anblick unberufener von der Wasserseite her zu entziehen. In New=London ist nichts versäumt, um der Bremen vollständige Sicherheit zu geben.

Auch andere Zeitungen berichteten über die Ankuft der „Bremen“ in New London. Der Erzgebirgischer General=Anzeiger schreibt am 28. September 1916 auf seiner Titelseite:

„Aus Bremen wird geschrieben: Bei dem in Newlondon angekommenen deutschen Handelsunterseeschiff handelt es sich unzweifelhaft um das Handelsunterseeschiff der deutschen Ozean=Reederei G.m.b.H. „Bremen“. Die Bremer Presse bespricht die Ankunft des Schiffes jenseits des Ozeans. Die „Weserzeitung“ nennt als Führer der „Bremen“ den Kapitän Schwartzkopf…..“

Der Erzgebirgischer General=Anzeiger zitiert mehrere andere Zeitungen und gibt auch an, dass Reuter die Meldung verbreitet hat die „Bremen“ sei in Wahrheit verschollen, führt dazu aber aus:

Schon Ende August habe Reuter in Gibraltar einen Bericht verbreitet, daß das Schwesterschiff der „Deutschland“ gesunken sei. Natürlich war diese Meldung den kontinentalen Zeitungslesern, die den Bericht auf ihre Richtigkeit hin prüfen konnten, vorenthalten. Nun ist trotz Reuter und den englischen Schiffen, welche dem Boot auflauerten, wieder solche kühne Fahrt gelungen. „Het Nieuws van de Dag“ schreibt: Wie man weiß, hieß es, daß die „Bremen“ nach Amerika gefahren seit, als die „Deutschland“ dort für die Rückreise bereit lag. Man hörte seitdem nichts mehr über das zweite Handelsunterseeboot und allgemein wurde angenommen, daß es mit Mann und Maus untergegangen sei. Diese Voraussetzung ist, wie sich jetzt herausstellt, unwahr. Wahrscheinlich ist die „Bremen“ seinerzeit nicht ausgefahren oder ist aus diesem oder jenem Grunde in den Hafen wieder zurückgekehrt.

Der Führer des zweiten Handelsunterseeschiffes „Bremen“, K. Schwartzkopf, wurde am 30. Juli 1875 in Lübeck als Sohn eines Goldschmiedes geboren. In Lübeck besuchte er das Realgymnasium und trat im Jahre 1897 als Einjährig-Freiwilliger bei der 1. Matrosendivision in Kiel ein. Er widmete sich ganz der seemännischen Laufbahn im Dienste des Norddeutschen Lloyds und war zuletzt erster Offizier auf dem Norddeutschen Lloyddampfer „Prinz Friedrich Wilhelm“. Er stand kurz vor der Beförderung zum Kapitän.

Allerdings entsprachen die Meldungen, die “ „Bremen“ hat glücklich sein Ziel erreicht „ und die Reuters-Meldung „unwahr“ war wohl nicht der Realität entsprach. Tatsächlich giing das U-Boot auf seiner ersten Reise aus bis heute unbekannten Gründen verloren und Boot und Mannschaft gelten seither als verschollen.

Kaptitän Schwartzkopf wurde 1875 geboren und wäre 1937 also 62 Jahre alt gewesen.

Schade, vielleicht hätte ihn seit weiterer Werdegang in die Reichsmarine geführt und 1937 dann in das Oberkommamdo der Marine mit Dienstsitz in Berlin (Shell Haus am Landwehrkanal im Berliner Ortsteil Tiergarten am Reichpietschufer 60–62). Dann hätte die Karte passen können, so aber nicht.

So bleibt also zunächst offen, welcher „Karl Schwartzkopf“ diese Karte Geburtstagskarte aufgesetzt hat, Kapitän Schwartzkopf war es zweifelsfrei leider nicht.

Die Karte habe ich über ebay am 06.09.2026 für insgesamt 4,00 € erworben.

 

PS. Beziehungsweise, falls das unten nicht nur ein „z“, sondern ein „tz“ ist, so könnte doch einer der beiden der Verfasser der Karte sein:

Der eine wohnhaft in Spandau, der andere in Moabit. Die Spandauer hatten schon immer einen Bezug zur Unterhavel, müsste ich raten, so würde ich deswegen auf den Spandauer tippen, die Weverstraße liegt auch in Pichelsdorf, das ist schon die Unterhavelnähe.

Den Text oben mit dem Namensvetter Kapitän Schwartzkopf lasse ich stehen. Karl Schwartzkopf, welcher in Moabit gewohnt hat, könnte als Oberverwaltungsgefreiter (richtig wohl Verwaltungsobergefreiter) vielleicht sogar bei der Reichs- bzw. seit 01.06.1935 Kriegsmarine tätig gewesen sein; das Oberkommando der Marine hatte damals seinen Dienstsitz in Berlin (Shell Haus am Landwehrkanal im Berliner Ortsteil Tiergarten am Reichpietschufer 60–62). 

 

 

—————-

Auch interessant:

Schaumburger Postgeschichte, 23.12.2005: Tauchbootbrief aus Rinteln