Eichkamp: Waldkirche im Jagen 57

Was es mit der „Waldkirche“ im „Jagen 57“ auf sich hat, ist mir nicht bekannt. Aber nach dem Kartenmaterial und dem Luftbild aus dem Jahr 1953 muss es sich wohl tatsächlich um ein kleines Gebäude gehandelt haben.

Der ehemalige Standort der Kirche ist heute mit Wald bewachsen. Ich habe den Waldabschnitt durchlaufen, aber nichts gefunden, was auf diese ehemalige Kirche hinweist. Zwar liegen dort im Wald auch einige Mauer(stein)reste herum, aber das ist im Grunewald überall der Fall. Interessant war als Fundstück lediglich der Teil eines 250-iger Rohres der Firma Heinrich Polko aus Bitterfeld (siehe die Artikel „Polko-Rohre in der Moskauer Erde“ und „Alles aus Ton„). Ob es sich hier um ein Kanalrohr der ehemaligen Kirche handelt, oder aber um ein Drainagerohr der Eisenbahn, oder aber einfach um entsorgten Bauschutt von einem anderen Ort, kann ich nicht beurteilen.

Das Gelände der ehemaligen „Waldkirche“ befindet sich im Gemeindebezirk der Evangelischen Friedensgemeinde in Berlin Charlottenburg. Dort habe ich aber keine Hinweise auf diese „Waldkirche“ gefunden, auch nicht in der Chronik zur Geschichte der Friedensgemeinde vom 01.07.2011. Zwar taucht in der Chronik auch der Name „Waldkirche“ auf, jedoch bezieht sich dies nicht auf die hier benannte „Waldkirche“ im Jagen 57.

Aus den mir vorliegenden Karten ist als grobe Orientierung zu entnehmen, dass sich die „Waldkirche“ von ca. 1920 – 1953 an dieser Stelle zugeordnet befunden hat.

Wer etwas über die ehemalige Waldkirche weiß, bitte melden……

PS. Es gab hier mal als Kommentar eine Erklärung. Aber leider hatte ich diesen Kommentar bei Einführung der Datenschutzgrundverordnung 2018 im Rahmen einer Stapellöschung vernichtet und den Inhalt leider vergessen 🙁

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17.01.2020:

Der Berliner Hobbyheimatkundler Herr Joachim Hasert hat mir freundlicherweise folgendes geschrieben:

Die Waldkirche war von 4 königlichen Förstereien umgeben, Eichkamp (vormals Charlottenburger Feld), Altes Forsthaus Saubucht, Hundekehle (Grunewald) und Paulsborn. Ich gehe davon aus, dass die Waldkirche etwa zur gleichen Zeit entstanden sein muss wie das Jagdschloss Grunewald. Auf dem Areal (hinter der Kirche) befand sich ein Friedhof.

Hier fanden die königlichen Förster ihre letzten Ruhestätten. Die Waldkirche war aus hellem Kalksandstein und rotem Sandstein erbaut.

Die Baumaterialien wurden wiederverwendet und verkauft. Mit dem roten Sandstein wurde etwa 1953/54 das Restaurant Bergterrasse am Marienhöher Weg an der Marienhöhe (auch ein Trümmerberg) im Bezirk Tempelhof-Schöneberg erweitert. Teilweise war der rote Sandstein sichtbar. Die hellen Sandstein-Quader fanden als Trockenmauer im Gartenrestaurant Verwendung. Der Vater der Wirtin hatte sie vom Land Berlin erworben. Ich wunderte mich über Quader und fragte sie entsprechend. Auf dem Areal der Waldkirche fand ich kleine Bruchstücke dieser Gesteinsarten. Ich habe mir aber verkniffen nach Knochen zu graben. Ein Luftbild von Berlin aus dem Jahre 1928 [Gerber: siehe auch Fundstelle Tagesspiegel] zeigt mir, dass das Areal mit einer Mauer eingefasst war.

Die naheliegenden Wasserlöcher dienten wahrscheinlich auch zur Bewässerung der Gräber und der Pferde der Kutschen der Besucher.

Bis 1907 war der Grunewald (alte Name Spandauer Forst) Jagdrevier des  Adels.

Da die Förstereien durch den sog. „Dauerwaldvertrag“ von 1915 den Besitzer wechselten, ging auch die Waldkirche in den Besitz des heutigen Landes Berlin über, tauchte somit auf dem Stadtplan auf. Das von Ihnen entdeckte Polkorohr aus Bitterfeld ist ein Teil der Kanalisationsleitung an den die Waldkirche zusammen mit dem Pflanzgarten der Tiergartenverwaltung angeschlossen wurde. Ich schätze, dass dies nach 1922 erfolgte.

Im Jahre 1922 schlossen sich 65 Steinzeugrohrfabriken (auch die Firma B.Polko) zu der Verkaufsgesellschaft Deutscher Steinzeugrohrfabriken mbH mit Sitz in Berlin-Charlottenburg wegen der schlechten Auftragslagen infolge des ersten Weltkrieges zusammen. Somit wäre die Herkunft des Rohres aus Bitterfeld geklärt sein.

Da die Kirche eine Ausstattung hatte, muss diese ja irgendwo verblieben sein. Ich nehme an, dass diese Bestände nach der Wiedervereinigung Berlins in das Märkische Museum gelangt sind.

Und auf meine Nachfrage hin nach seinen Quellen am 24.01.2020 wie folgt ergänzt:

In meiner Jugendzeit kannte ich ein Ehepaar namens Jacobi, deren Vorfahr ein Förster gleichen Namens im ehemaligen Königlichen Forsthaus Charlottenburger Feld nahe dem Halensee gelegen war. Von ihnen weiß ich, dass er hinter der Baumschule begraben wurde und dort eine Kapelle war.

Herr Jacobi war 1898 geboren, seine Gattin 1905. Beide sind um 1995 verstorben.

In einem Buch, das sich „Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat“ nennt habe ich für das Jahr 1796 den Revier-Forstbedienten, wie es damals hieß, gefunden.

1796 war er noch in der Ausbildung und noch nicht zum Förster ernannt.

Er stand unter „Specialaufsicht“ des Oberforstmeisters Herrn von Burgsdorff in Berlin.

Die Existenz der Waldkirche wurde mir seiner Zeit von Kurt Pomplun bestätigt.