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Dorthea (1883 – Schonerbrigg)

Strandcafe am Kleinen Wannsee

Schoner Brigg Dorthea

– Besitzer Arthur Schulz, später Bruno Dombrowsky

Über die Geschichte dieses Schiffes war mir zunächst nichts näheres bekannt, außer, dass sein (vorheriger) Heimathafen Flensburg war. Inzwischen liegen aber umfassende Informationen zur Geschichte des Schiffs vor:

Die Dorthea war eine 1883 von der J. Ring-Andersen Skibsværft (Google DK und Google DE) für den Reeder Hans Christiansen (Marstal in Dänemark) erbaute Schonerbrigg. Bei einer Schonerbrigg (Brigantine) führt der Fockmast Rahsegel, während der Großmast neben dem Briggsegel (Gaffelsegel) Schratsegel (in Längsachte) führt. 

Der Journalist Adolf Stein schrieb in den Jahren von 1920 bis 1935 unter dem Künstlernamen „Rumpelstilzchen“ in der „Täglichen Rundschau“ einen „Plauderbrief“. In seiner Glosse Nummer 36 erwähnte er im Jahr 1926 auch die Dorthea:

Jetzt aber ist am Wannsee ein leibhaftiges Märchenwunder erstanden. Ich meine nicht die Schonerbrigg „Dorthea“-Flensburg, 196 Tonnen, die von ihrem Heimatshafen hierhergeschleppt worden und an der Brücke zwischen Großem und Kleinem Wannsee als Wasserrestaurant vertäut ist. Es sitzt sich nett in dem Schiffsbauch, dessen Luken jetzt zu Oberlicht umgewandelt sind, das ganze Schiff mit Masten und Takelage bringt auch eine hübsche Sondernote in das Landschaftsbild, aber das ist doch im wesentlichen auch eine Sache für den Berliner eiligen Ausflügler, der hier eine Dampferpause verfrißt und vertrinkt…

Dorthea – Flensburg – Was ist das für ein Wappen?

Auf einer Fliegeraufnahme von ca. 1920 liegt kein Schiff am Kai unterhalb der Wannseebrücke am Kleinen Wannsee. Um 1923/24 lag dann ein Schiff der Teltow-Klasse, entweder die Tempelhof oder die Neukölln, als Strandcafe an dieser Stelle, dessen Wirt war ebenso wie bei der Dorthea Arthur Schulz. Hier auf meiner Webseite ist die Dorthea dann erstmals auf einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1927 und letztmals aus dem Jahr 1938 zu sehen. Im Fahrplanheft der Stern- und Kreisschiffahrt von 1939 wird die Dorthea auch noch erwähnt, demnach soll sie

weite Reisen, z. B. nach Südamerika, zurückgelegt

haben.

Offen war zunächst auch die Frage, was aus dem Schiff wurde? Unten bei Karting / Tietjen ist vermerkt:

„Im Zweiten Weltkrieg abgebrochen.“

Und Herbert Karting präzisiert in seiner Buchreihe „Deutsche Schoner Band VII“, wo auch auf die DORTHEA eingegangen wird (Seite 174-176), am Schluß, dass der Schiffsrumpf von der Bevölkerung verheizt wurde.

Beziehungsweise weiter unten ist vermerkt, dass ihre Abbruch aus Sicherheitsgründen erfolgte, also abgebrochen und ihre Reste dann wohl als Brennholz genutzt. Dies muss anhand der hier vorliegenden Materialen in der Zeit von 1939 – 1943 erfolgt sein.

 

Ergänzende Fortführungen:

Durch einen glücklichen Umstand, erhielt ich dankenswerter Weise von Frau Silvia Kruse aus San José in Costa Rica (!) weitere Informationen. Frau Kruse war auf der Suche nach einem Auswandererschiff mit dem Namen „Dorothea“ und fand dabei in einem Verzeichnis des M/S Museet for Søfart – Maritimes Museum Dänemark dieses Dokument:

Und wenn man ersteinmal – dank Frau Kruse – eine Spur hat, auf der Webseite von Jørgen Marcussen in Dänemark fand ich dann unter der Schiffs-ID-Nummer 5001 weitere Informationen über die „Dorthea“:

Möglicherweise gibt es von der Dorthea aus dem Jahr 1885 sogar ein Gemälde.

So konnte ich für die Dorthea bisher folgenden Lebenslauf rekonstruieren:

1883 Bauwerft J. Ring-Andersen Skibsværft, Svendborg in Dänemark
März 1883 – Dorthea (NTPL) noch nicht im dänischen Schiffsregister verzeichnet
1884 – dänischen Schiffsregister liegt nicht vor
1883 Eigner Kaufmann Hans Christensen, Svendborg in Dänemark
Heimathafen Marstal
(möglicherweise: Hans Christensen 1852-1917, Sohn des Reeders Hans Christian Christensen 1816-1879); Weiterführend: Karsten Hermansen: Marstals Matadorer

Ich gehe davon aus, dass die Dorthea 1883 neu von der Werft übernommen wurde.
1885 Dorthea im dänischen Schiffsregister
1889 Dorthea im dänischen Schiffsregister
1891 Dorthea im dänischen Schiffsregister
19xx Dorthea Foto
19xx Dorthea Foto
1917 Dorthea im dänischen Schiffsregister
1917 Dorthea Foto in Cadiz, Spanien
1885 Carl Rasmussen: Skonnertbrig Dorthea i rum sø
(Die Schonerbrigg Dorthea auf hoher See)
Jahreszahl und die Bezeichnung „Skonnertbrig“ sprechen dafür, dass es sich um „unsere“ Dorthea handeln könnte.
Das Gemälde habe ich LEIDER NOCH NICHT GEFUNDEN!
1917 Eigner Reederei Lillebaelt Aktieselska, Fredericia in Dänemark
1918 Dorthea im dänisches Schiffsregister
1922 – 23 Eine oder mehrere Havarien
?(23.07. oder 23.09.1922 /
02.12.1923 Leck? in Østersøen / in der Ostsee)?
1924 Dorthea im Dänisches Schiffsregister
1925 nicht mehr im dänischen Schiffsregister
1924 Eigner Kapitän J. F. Paulsen / Kapitän Jens Peter in Flensburg
Bemærkninger:
Indeholder beretning om nogle dramatiske hændelser. Efter salget 1924 blev skibet afmastet og slæbt til Berlin, hvor det indrettedes til restaurant.“ =
Enthält Bericht über einige dramatische Ereignisse. Nach dem Verkauf im Jahr 1924 war das Schiff afmastet (?“abgetakelt“ oder „Außer Dienst“?) und nach Berlin gezogen, wo es als Restaurant eingerichtet wurde.“
1924 Restaurantschiff in Berlin
19.06.1926
25.06.1927
Die Novembergruppe feierte auf der Dorthea ihre Sommerfeste. Der Berlinischen Galerie konnte ich 2018 für das Buch zur Ausstellung „Freiheit – Die Kunst der Novembergruppe 1918-1935“ ein Bild der Dorthea zur Verfügung stellen.
1940iger

Ein Mitarbeiter der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin hat mich am 14.03.2019 freundlicherweise angerufen und darauf aufmerksam gemacht, dass sich im Musumsarchiv zwei Fotos aus einem Fotoalbum „70 Jahre Teltow-Werft 1920-1990“ befinden, welche den Verbleib der Dorthea klären, demnach wurde sie aus Sicherheitsgründen abgewrackt. Da sie im Fahrplanheft der Stern- und Kreisschiffahrt von 1939 noch erwähnt wird, dürfte dies dann danach geschehen sein:

Findbuch I.2.031 0371-34

Findbuch I.2.031 0371-35

 

 

Am 12.06.2026 übermittelte mit Herr Thorsten Tietjen, Mitautor des 2011 erschienenden Werkes „J. Ring-Andersen Skibsvaerft / Holzschiffbau in Svendborg seit 1867“ folgende freundlichen Zeilen mit der kompletten Schiffshistorie: 

Sehr geehrter Herr Gerber,

beim Stöbern im Internet (in unregelmäßigen Abständen schaue ich immer wieder einmal nach Daten und Bildern historischer Schiffe), bin ich auf Ihre Website forst-grunewald.de mit der Schonerbrigg DORTHEA gestoßen.

Kurz zu meiner Person. Ich hatte vor ca. 15 Jahren gemeinsam Herbert Karting ein Buch über die hölzernen Schiffe der Ring-Andersen Werft geschrieben. Mit einem anderen hölzernen Schiff war ich über mehr als 20 Jahre regelmäßig den Winter über in Svendborg auf der Werft und konnte u.a. das Werft-Archiv sowie das Archiv des Svendborg-Museums für das Buchmanuskript nutzen.

Im Anhang habe ich Ihnen einmal den Auszug über die Schonerbrigg DORTHEA zusammengestellt. Eine insgesamt sehr bewegte Vergangenheit, die Sie mit Ihrem Detailwissen über die Zeit in Berlin sicherlich fortführen können.

Viele Grüße

Thorsten Tietjen

PS: Die Aufzeichnungen von Frau Kruse stammen mit großer Sicherheit von der Werft. Hier wurde immer mit Karteikarten gearbeitet und die wesentlichen Ausführungen,was Bau und Reparaturarbeiten betraf, so dokumentiert.

Herzlichen Dank! 🙂 

Hier bitte ist sein beigefügter Buchauszug als pdf:

Die Neubauten der J. Ring-Andersen Skibsvaerft

38/1883 DORTHEA

 

.

Galerie:

 

1883 ca.: „DORTHEA of Marstal“ / „C.H. Christensen“.
Aus dem Bilderarchiv des Museums in Helsingör, dort allerdings nur in s/w, untenstehend mittels KI-Generierung in Farbe:
(Rechte: M/S Maritime Museum Helsingör, CC-BY-NC-SA)

 

 

Marstal Søfartsmuseum am 15.06.2026:

Wir verfügen über Fotomaterial zur DORTHEA aus Marstal sowie über einige Schiffsporträts. Soweit uns bekannt ist, existiert kein Gemälde der Schonerbrigg DORTHEA auf See von Carl Rasmussen, aber das Schiff ist an vielen anderen Stellen sehr schön abgebildet.
Ich sende Ihnen ein Foto der DORTHEA aus ihrer Zeit in Marstal. Sie können es gerne mit Quellenangabe „Schifffahrtsmuseum Marstal“ auf Ihrer Website verwenden. In unserer Ausstellung finden Sie außerdem weitere Bilder von DORTHEA, darunter ein Schiffsporträt von Reuben Chapell.
Das Foto, das wir Ihnen senden, zeigt, wie die DORTHEA nach Söderhamn in Schweden geschleppt wird.

Mit herzlichen Dank 🙂 , hier bitte:

 

1900 ca. Skonnertbrig DORTHEA
(Link ursprünglich)Rechte: M/S Museet for Søfart, CC-BY-NC-SA

 

 

1917 Skonnertbrig DORTHEA in Spanien
(Link ursprünglich)  Rechte: M/S Museet for Søfart, CC-BY-NC-SA

 

 

 

 

Berlin:

 

 

1920 ca, Holzverlag. „Kleiner Wannsee“ ihr späterer Liegplatz. Noch kein Eintrag zur Dorthea.

1920. „Wannsee“ und „Kleiner Wannsee“. Die „Dorthea“ ist noch nicht dort:

 

 

AK 1927, postalisch gelaufen 13.05.1928

„Stand Cafe am kleinen Wannsee
Mit Schoner – Brigg Dorthea
Inhaber: Arthur Schulz“

 

 

AK, postalisch gelaufen 20.07.1929:

 

 

AK, postalisch gelaufen 05.08.1929:

 

 

AK, postalisch gelaufen 08.08.1929:

 

 

1930 ca.

 

 

AK, postalisch gelaufen 16.05.1931:

 

 

1933

 

 

 

AK, postalisch gelaufen 07.10.1934, frankiert mit Michelnummer 544 (gültig 26.08.1934 – 31.12.1935):

 

 

 

AK, postalisch gelaufen 14.08.1938:

 

 

1939 Aus dem Fahrplanhaft der Stern und Kreisschiffahrt:

 

 

AK (aus einer Mehrbildkarte), postalisch gelaufen 03.04.1943

 

 

1955 Amtliche Karte:

 

 

 

Zuletzt bearbeitet 17.06.2026