Hier nun ein Brief, welcher auf den ersten Blick unscheinbar erscheint. Auf den zweiten Blick offenbart sich aber doch (s)eine Interessantheit.
Denn Absender ist der Kameramann Hans Evert Vennegeerts, wohnhaft seinerzeit in Berlin-Westend, Arysallee 3 (s.a. → Telefonbuch 1991, Seite 1152, dort aber mit „Hans E.“) Laut einer Traueranzeige in der Neue Osnabrücker Zeitung lebe er von 1948 bis 2017. Frau Inge Tylski war laut dieser Traueranzeige seine Lebenspartnerin.
Er hat an folgenden Filmwerken mitgearbeitet:
- 1980: Fernsefilm – Schöne lahme Ferien
- 1990: Miniserie – Träume sind Schäume
- 1991: Dokumentation – Ich bin was ich bin
- 1993: Fernsehbericht – Die Hölle von Ueckermünde
- 1994: Fernsefilm – Heimatklänge
- 1997: Fernsehfilm – Beruf Stimmungsmacher
- 1999: Dokumentarfilm – Wer angibt, hat mehr vom Leben
- 2000: ARD Report Mainz – Nachgefragt: Waldorfschulen – Ministerium nimmt Geschichtsbuch ins Visier
- 2001: Dokumentation – Träume auf Rädern
- 2001: Dokumentation – 37° – Im Visier
- 2001: Dokumentarfilm – Start up in den Popmusikhimmel
- 2003: ARD Panorama – Kriegsverbrechen in Afghanistan
- 2007: Dokumentation – Das Schweigen der Quandts
An Frau Tylski war der Brief auch adressiert, wobei ich nicht weiß, ob sie zu diesem Zeitpunkt schon seine Lebensgefährtin war? Er wurde als „Eilsendung Express“ und „mit Luftpost“ von Berlin-Staaken – postlagernd – nach Nykøbing [Falster] in Dänemark aufgegeben und wurde zunächst am 11.02.1991 in Kopenahv abgestempelt und dann am 12.02.1991 in Lolland-Falster bzw. im Postamt Nykobing, wo er am 12.02.1991 einen Postkontor-Eingangsstempel erhielt.
Zum Abgangsstempel „Staaken 1 – 1546 – h“ vom 08.02.1991 gibt die Google-KI (→ ihre Quelle, „Staakener Wetterfahne“, Ausgabe 36, 2016, Seite 16: „Postämter in West-Staaken“) folgende Auskunft:
Hintergrund zum Postamt:
• Standort bis Oktober 1990: Das Postamt befand sich in der Ernst-Thälmann-Straße13/15 (die Straße wurde am 1. Oktober 1990 in Isenburger Weg umbenannt).
• Schließung und Neubau: Am Samstag, den 20. April 1991, schloss diese Filiale. Bereits am darauffolgenden Montag (22. April 1991) wurde der Postbetrieb in einem Neubau im Isenburger Weg 69 (später 69 A) fortgeführt.
Und zu genau diesem Stempel „h“:
Der Unterscheidungsbuchstabe „h“ liefert exakte historische Details zur Nutzung dieses Poststempels:
Der Tagesstempel mit der Inschrift „STAAKEN 1 / 1546 / h“ war in dieser Form für einen relativ kurzen Zeitraum im Einsatz:
- Nutzungszeitraum: Vom 2. Oktober 1990 bis zum 29. Juni 1991.
- Besonderheit des Startdatums: Der Stempel ging exakt am Tag vor der offiziellen Deutschen Wiedervereinigung (3. Oktober 1990) in den regulären Betrieb. ….
- Umzug während der Dienstzeit: Wenn Sie einen Beleg mit diesem Stempel besitzen, wurde dieser entweder in der alten Baracke in der Ernst-Thälmann-Straße 13/15 (bis April 1991) oder bereits im Post-Neubau im Isenburger Weg 69 (ab dem 22. April 1991) abgestempelt.
Am 29. Juni 1991 endete die Ära dieses Stempels. Am darauffolgenden Montag wurde die Postorganisation umgestellt und der Stempel durch eine neue Version (ohne die DDR-Postleitzahl „1546“) ersetzt.
Als der Brief am 08.02.1991 verschickt wurde, befand sich das Postamt also in West-Staaken (seit der Wiedervereinigung am 03.10.1990 wieder zu Berlin-Spandau gehörend), dort im Isenburger Weg 13/15 (→ Foto auf Seite 16).
Hinsichtlich der Tarifgebühren kenne ich mich nicht aus. Daher ungesichert (auch → KI): West-Staaken lag damals noch im „Verkehrsgebiet Ost (VGO)“. Der Preis für einen Auslandsbrief unter 20 Gramm lang dort bis 31.03.1991 bei 0,70 Pfennig (statt 1,10 DM im Westen). Die Zusatzgebühr Eilzustellung (Express ins Ausland) betrug 3,50 DM. Einen Luftpostzuschlag nach Dänemark gab es nicht, die standardmäßige Luftpostbeförderung innerhalb Europas erfolgte ohne Aufpreis. Demnach hätte das Briefporto 4,20 DM betragen müssen, bei einem Brief bis 50 Gramm 1,00 DM statt 0,70 Pfennig, zusammen dann 4,50 DM. Frankiert ist er aber nur mit 2,80 DM. Als einfacher Brief war er also weit überfrankiert, als Express-Brief hingegen weit unterfrankiert. Warum? Zweifel an seiner Echtheit habe ich nicht, denn es scheint keine Marke zu fehlen, Absender, Empfänger und Poststempel sind plausibel.
Von daher spiegelt dieser Brief auch ein Stück Deutsche Postgeschichte wieder.
(Exkurs: Hier wird von einem gefälschten Stempel „Staaken 2 – 1546 – g“ berichtet. – Stempelfälschungen gab es wohl um Briefmarken wertvoller zu machen, die falschen Stempel stellten also einen Schaden für Briefmarkensammler dar. Allerdings gab es auch Stempelfläschungen durch die „Staatssicherheit“ der DDR um deren flächendeckenden Postkontrolle zu verschleiern → KI. Der Stempel auf unserem Brief hier ist davon aber nicht betroffen.)
Da der postlagernde Brief scheinbar nicht abgeholt wurde, wurde er 08.03.1991 vom Postcenter „Lolland-Falster“ nach Berlin zurückgeschickt („RETOUR“ mit dem handschriftlichen Zusatz „1000 Berlin 19“, wobei die ursprüngliche Empfängeranschrift durchgestrichen wurde), leider enthält er aber keinen Retour-Eingangsstempel bei einem Postamt in Deutschland bzw. Berlin. Meine Vermutung ist, dass er auch zurückgesandt wurde, dann aber unbeachtet liegenblieb, überlegt wurde und sich schließlich selber irgendwo einkramte, – bis zur Nachlaßauflösung, denn ich glkaube nicht, dass jemand seine private Post verkauft, eher landet sie im Müll. Eine Nachlaßauflösung – wo eben alles was zu Geld zu machen ist auch zu Geld gemacht wird, Briefmarken und Briefe haben einen Wert.
Der Brief hat außerdem also eine interessante Postlaufgeschichte.
Eine weitere Besonderheit:
Der Brief ist noch verschlossen!!! Ich bin neugierig auf seinen Inhalt, natürlich. Aber ich werde ihn nicht öffnen, sein Inhalt geht mich nichts an! Von daher soll es ein Geheimnis bleiben, was sich in ihm befindet. Die Express-Aufgabe könnte für eine Wichtigkeit sprechen, jedenfalls zum Zeitpunkt des Absendens. Vielleicht Romantik? Vielleicht ein Geldschein? Vielleicht aber auch nur Profanität?
Es ist möglich, dass sich der Brief vor mir schon – vielleicht über eine Nachlassauflösung – in Sammlerhand befand, denn der Umschlag enthält spätere Bleistiftvermerke, auch Zahlen, mit denen ich nichts anfangen kann „10650 620,-“ und „800760206428“. Eine Wertangabe für 620 DM, eine Telefonnummer oder eine Auktionshaus-Losnummer/Inventarnummer oder Private Sammlungs-Inventarnummer? Keine Ahnung.
Frankiert ist er mit Deutsche Bundespost Berlin, 4x 70 Pfennig Dauermarkenserie Burgen und Schlösser, hier Wasserschloss Mespelbrunn, Michelnummer Berlin 1977/538. Die Marken sind eigentlich langweilig, aber hier in der Viererkombination haben sie doch eine, wie ich finde, gewisse Hübschheit. Darum habe ich den Brief auch ersteigert. Und, weil mich der Absender neugierig gemacht hat.
Erworben über ebay am 10.10.2026 von einer Verkäuferin aus Berlin-Reinickendorf (Heiligensee) für insgesamt 5,49 €.

