Brief an Georg Piek in Berlin-Halsensee, Kurfürstendamm 70. Der Brief wurde am 05.11.1923 verschickt, also zur Endzeit der Hyperinflation, jedoch (vermutlich von Berlin) nach Wien VII, 36 Neubaugasse, Wohnung 6/II, weitergeleitet. Hierbei handelt es sich um das Gebäude des damaligen Renaissancetheater.
Georg Piek war ein Berliner Textil Fabrikant. Er war mit der ehemals berühmten Tänzerin und Schauspielerin Olga Desmond (* 2. November 1890 in Allenstein, Ostpreußen; † 2. August 1964 in Berlin) verheiratet, welche an ihrem Lebensende jedoch vergessen verstarb. Auf der Webseite „Das verborgene Museum“ (Zweck/Ende) finden sich in der Biografie von Olga Desmond zu ihm, Piek betreffend, folgende Lebensstationen:
- 1914: Vom 9. bis 25. Mai tritt Olga Desmond auf der ersten Fachausstellung für das Varieté-, Theater-, Zirkus- und Cabaretwesen auf. Hier begegnet sie ihrem späteren [zweiten] Ehemann Georg Piek, dem Inhaber einer Berliner Textil-Manufaktur.
- 1923: Am 5. Dezember reisen die Eheleute Piek von Cherbourg in der Normandie auf dem Luxusliner Majestic nach New York, wo Olga Desmond aufgetreten sein soll.
- 1926-27: Das Unternehmen Piek gerät in zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten, muss die Geschäftsstelle Unter den Linden schließen, zieht in die Schöneberger Hohenstaufenstraße, danach in die Dorotheenstraße.“
- 1933: Am 30. Januar Machtübergabe an die Nationalsozialisten; am 1. April setzt der massive Boykott gegen jüdische Geschäfte ein, so auch gegen das Unternehmen der Eheleute Piek, Georg Piek war jüdischer Abstammung.
- 1935: Die Nürnberger Gesetze sprechen den Juden alle bürgerlichen Rechte ab. Olga Desmond führt das Bühnenausstattungsgeschäft ihres Mannes weiter; Georg Pieks Versuch, sich das Leben zu nehmen scheitert.
- 1939-1958: Georg Piek arbeitet bis 1939 in Paris, wird 1942 in das KZ Belsen verbracht; er flieht und kommt 1944 in das Zuchthaus Coswig; es gelingt ihm 1945, nach Frankfurt am Main zu fliehen; die Ehe existiert nur noch auf dem Papier. Piek wandert 1952 in die USA aus, kehrt zurück und stirbt in einem Altersheim in Köppern/Taunus 1958.
Piek betätigte sich auch als Erfinder, jedenfalls vertrieb er 1918 mit seinem Unternehmen TMC Textil Manufactur (s)ein Luftdruckboot:
Der Brief ist frankiert mit Deutsche Reichspost, 12x 50 Millionen, Michelnummer 321A, und 4x 500 Millionen, Michelnummer 324A, erworben über ebay am 13.11.2025 für insgesamt 12,30 € sowie den Zeitungsartikel am 24.11.2025 für insgesamt 17,10 € (zu teuer, aber die kleine Geschichte oben war es mir dann doch wert). Auch ist es ein recht hübscher Umschlag.
