Jaczoturm und Jaczoschlucht

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Am westlichen Ufer der Havel, gegenüber dem am Havel-Ostufer gelegenen Schildhorndenkmal, befindet sich die „Jaczo-Schlucht“ mit dem „Jaczo-Turm“ (Baudenkmal), sowie weitere Reste einer gartentechnisch aufwendigen Anlage.

  • 1999 Harry Nehls, Was wird aus dem Jaczoturm? (Auszug):
Lesen:

Ein vergessenes Baudenkmal aus dem Jahre 1914 in Gatow…

1999 Nehls Jaczoturm

1999 Nehls Jaczoturm

Historisch verbürgt ist, daß der Wendenfürst Jaczo bzw. Jaxa von Köpenick, dessen Bildnis uns durch Münzen (Brakteaten) überliefert ist, für einige Jahre, bis 1157, Brandenburg in seinen Besitz gebracht hatte. Im Verlauf des Jahres 1157 gelang es Albrecht dem Bären (um 1100–1170), Brandenburg, das ihm zuvor von dem christianisierten Hevellerfürsten Pribislaw-Heinrich (um 1127–1150) vererbt worden war, zurückzuerobern und das Gebiet bis Spandau zu besetzen. Hier aber, wo die Geschichtsquellen versiegen, knüpft die Sage über das kriegerische Aufeinandertreffen von Slawen und Deutschen an.

Dicht an der stark befahrenen Gatower Straße 199/219, und dennoch leicht übersehbar, steht in einer Senke der Haveldünen (vormals der Sack genannt [Anmerkung Gerber: Das ist m.W. falsch, siehe „Der Sack„.] – am Zugang der zur Havel führenden »Jaczo-Schlucht« – ein zweites Schildhorndenkmal, ein pseudomittelalterlicher, vier Meter hoher Rundturm mit Zinnenkranz, der Jaczoturm.
Ein bislang anonym gebliebener Spandauer Bürger ließ ihn laut Angabe des bekannten Heimatforschers Kurt Pomplun (1910–1977) 1914 auf eigene Kosten errichten.

Das rustikale Turmmauerwerk besteht aus überwiegend unbehauenen (Rüdersdorfer?) Kalksteinblöcken, einigen Granitsteinen und rötlichen, normalformatigen Industrieziegeln (28,5 x 13,5 x 8,5 Zentimeter), die durch Kalkmörtel verbunden sind. Zwei der Ziegel tragen einen Stempel (51/A 1), der vom Schriftduktus gut in die Zeit um 1914 paßt. Auf der zur Gatower Straße hin ausgerichteten westlichen Turmseite befindet sich auf halber Höhe eine in das Mauerwerk eingelassene, zweigeteilte Sandsteinplatte in Form eines liegenden Rechteckes mit den Maßen 1,30 x 0,74 Meter. Die obere Hälfte besitzt eine schmale Randleiste und ist mit einem flachen Figurenrelief auf horizontal geriefeltem Grund, das die sagenhafte Flucht Jaczos wiedergibt, geschmückt. In gestrecktem Galopp verfolgen drei mit Helm, Schild und Lanze bewaffnete deutsche Ritter den fliehenden Wendenfürsten, der sich nach seinen Verfolgern umblickt. Im Gegensatz zu jenen trägt Jaczo nicht den geschlossenen Helm mit Federbusch, sondern eine kappenartige Helmhaube mit zwei antithetischen Wülsten. Mit seiner linken Hand hält er einen kleinen Rundschild, die rechte umklammert eine aufgerichtete Lanze. Der leider unbekannte Bildhauer des Reliefs hat sich redlich bemüht, hinsichtlich der Tracht und Bewaffnung die Unterschiede zwischen Deutschen und Slawen bzw. Wenden herauszuarbeiten. Unterhalb der Verfolgungsszene steht eine dreizeilige, bisher nicht ganz richtig wiedergegebene lateinische Inschrift. Sie lautet korrekt:

Has per fauces, Jaczo, princeps Slavorum, / ab Alberto Urso pulsus, ad habelam evasit. / Anno Domini MCLVII.
(Durch diese Schlucht wurde Jaczo der Slawenfürst im Jahre des Herrn 1157 von Albrecht dem Bären verfolgt und in die Havel getrieben.)

Ein zweites, kleineres Sandsteinrelief in Form eines stehendes Rechteckes (Maße: 0,43 x 0,28 Meter) befindet sich unmittelbar über der mit einem Segmentbogen überkrönten, 1,10 Meter breiten Türöffnung an der Südseite des Turmes. Es zeigt ein rechteckiges Wappen mit einer aus Quadermauerwerk bestehenden Architektur mit ausgesparter Tür, auf der ein Bär nach rechts läuft. Auf der oberen Wappenkante ist ein mittig plaziertes, helmartiges Gebilde zu erkennen: eine stark erodierte, aufrecht stehende Figur, möglicherweise ein weiterer Bär.

Auffällig ist der unter Verwendung von überwiegend roten Industrieziegeln sowie vereinzelten, behauenen Kalk- und schwarzen Granitsteinen recht sorgfältig gestaltete Portalbereich mit seinen beiden Anten und dem besagten Segmentbogen. Rechter Hand befinden sich die erwähnten, mit Stempel versehenen Ziegel. Gänzlich verschwunden ist die Tür, über deren Aussehen nichts Näheres bekannt ist. Übriggeblieben sind lediglich zwei eiserne, in das rechte Mauerwerk eingelassene Türangeln, von denen die obere mit gelber Farbe besprüht ist. Die heute verschüttete Türschwelle, die vom Verfasser partiell freigelegt wurde, besteht ebenfalls aus roten Industrieziegeln, ebenso das unverputzte Gewände des Turminneren mit seiner eingezogenen Betondecke. Von den ursprünglich dreizehn den Jaczoturm bekrönenden Zinnen stehen noch zwei in situ, sieben liegen verstreut in der unmittelbaren Umgebung. Drei weitere befinden sich im Inneren des Rundturmes, der Rest scheint verschollen. Das Äußere des Turmes ist mit Graffiti übersät, auch das Hauptrelief. Am schlimmsten betroffen ist das Turminnere, das von einigen Zeitgenossen als WC und Mülldeponie »genutzt« wird. Fußballfans haben mit schwarzer Farbe auf das leicht gewölbte Flachdach des Turmes »HERTHA« aufgesprüht.

Innerhalb der einschlägigen Berlin-Literatur hat als erster Kurt Pomplun den Jaczoturm behandelt [Berlins alte Sagen. Verlag Hessling, Berlin 1964. 5. Auflage 1985]. Gunther Jahn, der 1971 das Standardwerk über Spandaus Bauwerke und Kunstdenkmäler vorlegte, überging Pomplun mit Stillschweigen, nannte als Literatur zum Jaczoturm lediglich Pressenotizen und datierte die Errichtung des Denkmals fälschlich in die Zeit um die Jahrhundertwende.

Die letzte Erwähnung des Jaczoturmes findet sich in dem Buch von Klaus-Dieter Wille »42 Spaziergänge. Historisches in Charlottenburg und Spandau« (Berlin 1976, S. 127 ff.). Sie fußt zweifellos auf Pomplun, ohne diesen im Literaturverzeichnis zu erwähnen. Willes Betrachtung schließt mit den Worten: »Auf dem der Allgemeinheit nicht zugänglichen Gelände bleibt der >Jaczo-Turm< hoffentlich recht lange noch vor unliebsamen Einflüssen verschont.« Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Auch ist das Gelände, vormals Eigentum der Berliner Wasserwerke und gegen 1972 an das Spandauer Bezirksamt veräußert, längst der Allgemeinheit zugänglich. Zwar existiert noch immer ein das Areal umgebender maroder Maschendrahtzaun, aber sowohl ein darin befindliches mannshohes Loch als auch ein unverschlossenes Eisentor an der Gatower Straße ermöglichen jedermann und jederzeit den Zutritt.

Ende März/Anfang April 1984 bahnte sich so etwas wie eine Initiative zur Rettung des verwahrlosten Jaczoturmes an, ausgelöst durch zwei anonym verfaßte Zeitungsartikel. Nur wenige Tage später, am 3. April, wurde sogar ein Antrag der Spandauer SPD-Fraktion bei der zuständigen Bezirksverordneten-Versammlung zur Instandsetzung des Jaczoturmes eingebracht. Der damalige Leiter des Berliner Landesamtes für Denkmalpflege, Helmut Engel, erklärte gegenüber dem »Volksblatt Berlin«, daß auch nichtöffentliche Denkmäler im Zuständigkeitsbereich seiner Behörde liegen. De facto aber geschah bis zum heutigen Tage nichts. Der Turm ist nach wie vor dem grassierenden Vandalismus ausgesetzt, obwohl er inzwischen unter Denkmalschutz steht. Die bloße, auf dem behördlichen Papier stehende Klassifizierung als Baudenkmal dürfte ihn kaum vor weiterer Demontage bewahren.

Wie rasch seine größtenteils mutwillige Zerstörung vorangeschritten ist, dokumentiert eine Serie von in der Landesbildstelle Berlin aufbewahrten Fotos, die am 7. August 1954 von W. Nitschke gefertigt wurde. Die Fotos zeigen einen nahezu intakten, vollkommen graffitifreien Turm. Selbst der bildhauerische Schmuck, die beiden Reliefs und die lateinische Inschrift, waren seinerzeit noch vorzüglich erhalten, insbesondere das Jaczo-Porträt. Die nunmehr gewaltsam aus ihrem Mörtelbett herausgebrochenen und heruntergeworfenen Turmzinnen, der zerschlagene Segmentbogen und das arg malträtierte Relief mit der Verfolgungsszene, ganz zu schweigen vom chaotischen Zustand des Turminneren, bieten heute ein Bild des Schreckens. Eine Mitschuld an diesem traurigen Zustand trägt nicht nur das mangelhafte öffentliche Bewußtsein für derartige Denkmäler und der oftmals unsensible Umgang mit denselben, sondern auch ihre Geringschätzung. So wurde der Jaczoturm in der Vergangenheit gelegentlich als »nicht historisches«, »kulturgeschichtlich unbedeutendes« und »antiquarisch wertloses Bauwerk« disqualifiziert…

Während das Schildhorndenkmal zur Zeit gerade »aufpoliert« wird, indem man den ihn umgebenden Wald auslichtet, ist der Jaczoturm wieder in Vergessenheit geraten. Eine vom Verfasser vorgenommene, wenn auch nicht unbedingt repräsentative Umfrage ergab, daß das Jaczodenkmal selbst Einheimischen nahezu unbekannt ist.  Nicht einmal die 1998 erschienene Broschüre des seit zwanzig Jahren bestehenden Arbeitskreises Gatow, »Wanderungen durch Dorf und Feldflur in Gatow«, erwähnt es. Wenn die Denkmalschützer nicht wollen, daß es bald nur noch ein Schildhorndenkmal gibt und spätere Chronisten einmal darüber spötteln, daß Gatower Kugeln offenbar populärer waren als der (bisher noch nicht einmal vermessene) Gatower Jaczoturm, dann sollten sie sich schnell für eine wirksame konservatorische Rettungsmaßnahme stark machen.

 

2014-04-02 - 073 a Grabstein Familie Hissink

Grabstein der Familie Hissink auf dem Grundstück.

Meine Meinung dazu und Chronologie weiterer Erkenntnisse:

Mal abgesehen davon, dass es sich bei der ganzen Geschichte eh nur um eine Sage handelt, bin ich nicht der Meinung, dass die Schlucht ursprünglich irgendetwas mit der Geschichte zu tun hat. Als ich mit den Turm im Jahre 2006 in Vorbereitung auf einen langen Trainingslauf mit meinem Lauftreff Grunewald angeschaut hatte, hatte ich dort einen älteren Herren getroffen und ihn gefragt, ob er wisse, was es mit dem Türmchen auf sich hat. Er erzählte mir, dass der Turm vom damaligen Grundstücksbesitzer erbaut wurde, – und zwar zum spielen für die Kinder!

Das ist natürlich auch so eine Geschichte, die nicht belegt ist. Aber sie blieb mir im Kopf hängen, und – sie schien mir auch nicht unplausibel:

Denn in der Schlucht befindet sich nicht nur das kleine Türmchen – mit eindeutigem Bezug zur Jaczo-Geschichte  – sondern auch noch ein kleiner Wasserfall über drei Etagen mit einen kleinen Teich als Auffangbecken. Von dem Becken führt eine unterirdische Ablaufrinne die Schlucht hinunter. Das besondere an dem Wasserfall ist, dass er zum funktionieren einen Wasserzulauf, vermutlich in Form einer Wasserleitung oder einer Pumpe, benötigt. So etwas zu bauen oder bauen zu lassen, erfordert nicht nur Interesse und Geschick, sondern auch Planung und Geld.

Ich habe mich daher gefragt, ob man das Türmchen und den Wasserfall nicht als Garten-Ensemble betrachten muss. Daraufhin habe ich mir das Grundstück angeschaut und nach weiteren Hinweisen gesucht, welche darauf schließen lassen, dass die beiden Anlagen möglicherweise vom damaligen Grundstückseigentümer im Rahmen einer Gartengestaltung angelegt wurden. Möglicherweise „einfach nur so, aus einer Laune heraus“, oder aber vielleicht sogar romantisch inspiriert von den 1911 auf dem Pichelswerder stattgefundenen „Albrecht der Bär-Festspielen„?

Auf dem Grundstücksteil oberhalb der Schlucht habe ich am 02. April 2014 dann folgendes gefunden:

Bildstandorte vom 02. April 2014

  1. Einen Natursteinbrunnen mit einem kleinen Sammelbecker davor (daneben eine Grube, welche von der Größe her an ein (Garten)häuschen erinnert?).
  2. Eine mit Efeu bewachsene Kuhle, welche auf mich von ihrer Form und Größe her sofort an ein Grab erinnerte.
  3. Davon abseits dann einen „herumliegenden“ Grabstein der Familie Hissink mit folgenden Angaben:
    • Jacobus Hissink / 08.03.1874 – 01.05.1940
    • Hertha Hissink, geborene Beringer / 14.10.1882 – 31.01.1944
    • Zum Gedenken an: Joan Erik Hissink, 26.02.1912 – gefallen 03.09.1939 (mehr siehe bitte Eintrag vom 24.07.2014)
  4. Einen kleinen, befestigten Teich mit einem kleinen Wasserfallzulauf.

Über die Familie Hissink habe ich daraufhin folgendes gefunden:

Lesen:

Wolfgang König, Technikwissenschaften 1880 – 1914, Seite 238:
So gelangte … Michael v. Dolivo Dobrowolsky zur AEG, stieg dort auf und holte mit Jacobus W. Hissink, Karl Schmidt und Anton Weber drei Elektrotechniker in die Firma, die Karriere machten und es bis zum Generalbevollmächtigten und Vorstandsmitglied der AEG bzw. im Falle von Hissink zum Generaldirektor von Bergmann brachten.

2007, Bettina Beer, Frauen in der deutschsprachigen Ethnologie, Seite 73 uff., Auszug:
Karin Hahn-Hissink, geb. Hissink – geboren 4. November 1907 (Berlin), verstorben 23. Mai 1981 (Kronberg im Taunus)

Die Quellenlage ist im Fall von Karin Hahn-Hissink außergewöhnlich gut. Im Frobenius-Institut in Frankfurt am Main ist sowohl ihr privater als auch ihr wissenschaftlicher Nachlass archiviert. Das würde eine weitergehende Auswertung von Dokumenten, Feldforschungstagebüchern und vor allem Fotos und Zeichnungen erlauben, als es im Rahmen des vorliegenden Handbuchs möglich ist.

Karin Hissink wurde als Tochter eines holländischen Vaters und einer deutschen Mutter in Berlin geboren. Ihr Vater war in einer leitenden Position bei der AEG tätig. Ihre Mutter kam aus einer wohlhabenden Charlottenburger Familie. Offensichtlich Iag der Mutter die Gleichberechtigung von Frauen am Herzen. So schrieb sie 1933 einen Brief an den Reichskanzler Adolf Hitler, in dem sie ihm vorwarf, er verstehe die Frauen nicht. Unter „Ehre“ der Frau müsse Gleichberechtigung verstanden werden. Auch Teile des Nachlasses von Hertha Hissink sind im Archiv des Frobenius-lnstituts einsehbar. Ihr Mann, Jack Hissink, kam aus einer reichen holländischen Familie.

Gemeinsam bewirtschaftete das Ehepaar u.a. einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb in Gatow (Berlin-Spandau).

Karin Hissink hat in ihrer Jugend viel Sport getrieben, auch Ski fahren und Segelfliegen. Sportarten, die Kindern aus wohlhabenden Familien vorbehalten waren. So war sie Mitglied der „Spandauer Damengruppe der Segelflieger“. Die Ferien verbrachte sie gemeinsam mit ihrem Bruder und Freunden im Skiurlaub. Ihre Erziehung war jedoch auch geschlechtsspezifisch ausgerichtet. Im Archiv findet sich beispielsweise ein Zeugnis über den Abschluss eines Kurses in Säuglings-, Kinder- und Krankenplege beim Leite-Verein in Berlin. Hermann Trimborn schrieb über ihre frühen Jahre:

„Wir erfahren nur, daß sie die ersten fünf Jahre ihrer Schulzeit in der Privatschule Tanneck, am Reichskanzlerplatz in Westend, absolvierte und nach deren Auflösung zum Westend-Gymnasium überging. Dort bestand sie offenbar 1928 die Reifeprüfung; jedenfalls wissen wir, daß sie sich von 1928 bis 1933 einem breitgefächertem Studium in Lausane, München und Berlin widmete, wobei die Palette ihrer Fachgebiete damals schon von der Philosophie über die Prähistorie und Archäologie bis zur Völkerkunde, und hier vor allem der Amerikanistik, reichte.“

Ihr Bruder Jan fiel als Oberstleutnant 1939. Die Familien-Legende besagt, der Vater sei 1940 letztlich als Folge des nicht verwundenen Todes seines einzigen Sohnes gestorben. Karin Hissink schrieb am 20. Oktober 1944 an einen alten Freund: „Nach Ursels Tod haben wir uns ja noch einmal kurz in München gesehen, so dass Du vielleicht weißt, dass Jan schon im September 1939 gefallen ist. Ihm folgte im Mai 1940 mein Vater nach kurzer schwerer Krankheit, zu deren Überwindung er nach Jans Tod keine Widerstandskraft mehr besaß.“

Anfang der siebziger Jahre trat Karin Hahn-Hissink als Oberkustodin am Städtischen Museum für Völkerkunde in Frankfurt in den Ruhestand. In den siebziger Jahren erkrankte sie und wurde bis zu ihrem Tod 1981 auch nicht wieder völlig gesund…

Erst 1966 hatten Karin Hissink und Albert Hahn geheiratet…

Albert Hahn und Karin Hissink hatten keine Kinder, die Anspruch auf ein Erbe gehabt hätten. lhr gesamtes Vermögen vermachte das Ehepaar der Frobenius-Gesellschaft. Aus diesen Mitteln wird heute etwa die Jensen-Gedächtnis-Vorlesung sowie ein Forschungspreis bezahlt der es einem Stipendiaten ermöglicht, ein Jahr lang am Frobenius-Institut wissenschaftlich zu arbeiten.

Das hintere Grundstücksgelände („Private Naturnahe Parkanlage„) ist von Wald, Efeu und Schutt (auch alten Ziegelsteinen) bedeckt. Möglicherweise finden sich unter dem Bewuchs auch noch andere Anlagen. Ich kenne auch nicht die (damaligen) Eigentumsverhältnisse. Aber wenn man sich mit dem Türmchen beschäftigt, sollte man dies meiner Ansicht nach auch in Kontext mit dem gesamten Areal und den anderen Anlagen tun. Hauptsächlicher Hinweisgeber wäre hier die Familie Hissink, und hier insbesondere dann Frau Karin Hahn-Hissink (Foto), welche zum vermuteten Bauzeitpunkt 1914 bereits rund 7 Jahre alt war und so das Türmchen mit Sicherheit gekannt haben muss und es wäre sehr unwahrscheinlich, wenn sie dort nicht auch gespielt hätte. Sind Herr Kurt Pomplun 1964, Herr Gunther Jahn 1971, Herr Klaus-Dieter Wille 1976 und Herr Harry Nehls 1999 bei ihren Untersuchungen zu der gleichen Überlegung gelangt? Hat jemand von Ihnen mit Frau Hahn-Hissink über das Türmchen und die anderen Anlagen sprechen können?

Ansonsten glaube ich nicht, dass es damals (1157) einen Haveluferweg gab. Die Spree und die Havel waren damals nicht „gezähmt“. Auch das Areal um die „Jazco-Schlucht“ dürfte kaum zugänglich gewesen sein. Nicht nur wegen dem Dickicht, sondern auch wegen dem Uferschlick, vermutlich gerade auch in diesem Bereich, der weitflächig ist und sehr tief liegt und daher bestimmt oft überflutet war. Wer sich einige noch mehr oder weniger naturbelassene Gebiete an der Havel anschaut, der wird verstehen was ich meine. „Wenn“ Jaczo auf seinem Pferd geflohen ist, dann wird er auch an Geschwindigkeit interessiert gewesen sein, also „wenn“: Dann wird er auf einem bereits angelegten Weg geflohen sein, dass kann dann eigentlich nur der damalige Verbindungsweg zwischen Gatow und Spandau gewesen sein. Das es damals bereits einen Verbindungsweg von Spandau über das spätere Gatow gab, schließe ich daraus, dass Gatow kurz nach 1200 als Straßendorf entstand.

Die Version, dass er dann auf seiner Flucht irgendwie auf dem „Sack“ gelangte und von dort nicht mehr anders fliehen konnte, als sich mit seinem Pferd in die „Breite“ zu stürzen, erscheint naheliegender, als das er sich gerade im dem Bereich der Schlucht in den Schlick begeben hat, wo er vermutlich vor Erreichen des freien Wassers mit seinem Pferd steckengeblieben wäre.  Und davon gingen wohl auch die Erbauer des Schildhorndenkmals aus, denn warum sonst ist das Denkmal mit Kreuz und Schild auf die Landzunge „Der Sack“ ausgerichtet? Vielmehr ist anzunehmen, dass die „Jaczo-Schlucht“ den Erbauern des Denkmals unbekannt war, weil die Schlucht den Namen erst trägt, seitdem das Türmchen ins Bewusstsein einiger Interessierten gelangt ist und sich so einen kleinen Platz in der bzw. in dieser Geschichte erobert hat.

Mich erinnert dieses Areal an eine kleine, private Miniausgabe der größeren Parkanlagen wie zum Beispiel Klein-Glienicke oder die Pfaueninsel, welche für sich genommen ja auch nur kleine romantische Traumwelten darstellen.

Ich meine daher, dass das Türmchen und die Schlucht mit der Jazco-Geschichte nur dahingehend etwas zu tun haben, als das es die Geschichte neu auffrischt und als Sage weiterhin lebendig hält. Mir erscheint es auch absolut plausibel, dass das Türmchen und die Anlage ganz schlicht vom damaligen Grundstückseigentümer, den Eheleuten Hissink, angelegt wurde – und warum nicht eben auch einfach nur für die Kinder „Karin“ und „Jan“ zum spielen. – So wie die Schlucht und das Türmchen heute dazu dienen, die Kinder mit einem Schildhornschwimmen spielerisch zu erfreuen…

Und wenn es so war, so hat es bei der Tochter Karin „gefruchtet“, denn schließlich wurde sie Kulturwissenschaftlerin und als solche wusste sie sicher, dass es kein größeres Mysterium gibt, als „Das Unbekannte“. Und das größte „Unbekannte“ an dem Türmchen ist: „Ein bislang anonym gebliebener Spandauer Bürger“.

 

Chronik meiner weiteren Forschungen zum Jaczo-Turm:

09.04.2014: Eigentumsverhältnisse
14.04.2014:

Nachlass von Frau Karin Hissink

Lesen:
Eine Anfrage von mir an das Frobenius-Institut hat zu folgendem Ergebnis geführt:

Sehr geehrter Herr Gerber,
die Informationen in der Publikation von Bettina Beer kann ich bestätigen. Der umfangreiche Nachlass von Karin Hissink liegt in unserem Archiv. Neben den Unterlagen zu ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit enthält der Nachlass eine Fülle von Dokumenten privater Natur darunter auch Unterlagen aus dem Familienkreis und diverse Fotoalben. Der Nachlass konnte bisher nur zu geringen Teilen erschlossen werden (siehe http://archiv.frobenius-katalog.de/) und kann ggf. vor Ort in Frankfurt eingesehen werden. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine näheren Auskünfte zum Inhalt der noch unerschlossenen Nachlassteile geben können.

Leider habe ich nicht die Möglichkeit nach Frankfurt zu reisen. Die Frage ist, ob sich in dem privatem Nachlassteil Unterlagen befinden, welche Auskunft über das Türmchen und die anderen Gartenanlagen geben könnten. Zum Beispiel: Grundstückskaufverträge über den Erwerb und die Veräußerung des Grundstücks, Flurkarten, Bauunterlagen, Fotos vom Turm und der Gartenanlage, (vielleicht sogar Fotos, auf den die Kinder Katrin und Jan am Türmchen oder in der Schlucht spielen) etc.

04.05.2014: Historische Bebauungsplanentwürfe
05.05.2014: Ziegelsteinstempel am Jaczoturm
10.05.2014:

„Spielparadies … Hissink-Wald … war Privatgelände und eingezäunt. Dort befindet sich ja auch der Jaczo-Turm, der uns immer wieder magisch anzog.“

Lesen:
Herr Ralf Salecker hat auf seiner sehr informativen Heimatkundeseite „Unterwegs in Spandau“ unter dem Titel „Erinnerungen an die Scharfe Lanke und Umgebung“ einen Bericht des Spandauers Herrn Jörg Sonnabend aus seinen Kindheitstagen veröffentlicht. Herr Sonnabend berichtet auch kurz von dem „Jaczotürmchen“ und das Grundstück der Familie Hissink:

Wir hatten, seit 1939, auf der Lanke-Werft eine Werkwohnung. zu diesem Zeitpunkt war ich 5 Jahre alt und meine Mutter arbeitete auf der Werft als Buchhalterin. Was die wenigsten Spandauer wissen, die Lanke-Werft hieß zu diesem Zeitpunkt noch „Naglo-Werft“. Der Besitzer der Lanke-Werft war Herr Hugo Reinicke, es war der Großvater des heutigen Besitzers der „Marina-Lanke-Werft“ (Scharfe-Lanke 109-131). Für uns Kinder war die Umgebung ein Spielparadies.

Wir hatten überall Zugang zum Wasser, vor uns die Haveldüne und links (im Anschluss an den Segelverein SVUH den Hissing-Wald, wie wir ihn nannten. Die Haveldüne war noch ein reiner Sandberg und nicht so begrünt wie heute. Der Wald, durch den heute die Uferpromenade nach Gatow führt, war Privatgelände und eingezäunt. Ich brauch wohl nicht zu betonen, dass Zäune für uns damals keine Hindernisse waren. Dort befindet sich ja auch der Jaczo-Turm, der uns immer wieder magisch anzog.

Überhaupt befand sich die Haveldüne damals noch in einem ursprünglichen Zustand. Die parkähnliche Anlage, die wir heute sehen, wurde erst in den sechziger Jahren angelegt. Es führten zwar schon steinerne Treppen hinauf zur Weinmeisterhöhe, aber diese Treppen waren schmaler und steiler sodass wir noch genügend Platz für unsere Rodelbahnen hatten.

13.05.2014: Ziegelein bei Gatow
01.06.2014: Ergebnisse der Schülerprojektgruppe der Paul-Moor-Schule
08.06.2014: Vergleichbare Stempel an der Katholischen Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ in Spandau gefunden
14.06.2014: Was bedeutet die Fundstelle an der Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ für die Erforschung des Jaczotürmchen?
18.06.2014: Das Turminnere
16.07.2014:

Zeitungsartikel über den Jaczoturm aus den Jahren 1954 und 1958

Lesen:
Am 16. Juli war ich im Spandauer Stadtgeschichtlichen Archiv, welches sich im Dachgeschoß des Kommandantenhauses der Zitadelle befindet. Der dortige Leiter Herr Metz machte mich freundlicherweise auf zwei Artikel aufmerksam, welche sich in der Sammlung des verstorbenen Spandauers Herrn Albert Ludewig befindet. Herr Ludewig war Klempnermeister und hat 1909/10 zufälligerweise auch die Klempnerarbeiten an der neuen St. Marien-Kirche ausgeführt.

24.07.2014: Neuigkeiten über Jan (Joan Erik) Hissink

Lesen:

H2014-07-27 IMG598 Grabstein Jan Hissink kleinerr Jan Hissink hatte sich für die Offizierslaufbahn bei der Marine entschieden. Er fiel als Oberleutnant zur See am 04. September 1939. Am 01. September 1939 fand der Überfall auf Polen statt. Am 03. September 1939 erklärten Frankreich und Großbritannien im Rahmen ihrer Beistandsverträge mit Polen Deutschland den Krieg. Am 04. September 1939 erfolgte ein britischer Luftangriff auf Wilhelmshaven. Dabei kam Herr Jan Hissink zusammen mit weiteren Besatzungsmitgliedern des leichten Kreuzers „Emden“ ums Leben. Es waren die ersten Gefallenen der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg.

„DER LANDSER“ Nummer 157, Seite 20/21:

„Das Bomber-Comand verlor keine Zeit, den Versuch eines solchen Luftangriffes auf Kriegsschiffe gleich nach Kriegsausbruch vorzubereiten und auszuführen. Schon am 3. September, dem Tag der Kriegsklärung, flog ein Blentheim-Bomber, navigiert von einem Seeoffizier als Beobachter, zur Aufklärung über der Helgoländer Bucht. Er beobachtete Schiffe, die offensichtlich aus Wilhelmshaven ausliefen. Auf seine Meldung hin wurden 55 Bomber zum Angriff gestartet, die jedoch die gemeldeten Schiffe nicht fanden. Der gleiche Aufklärungsbomber flog am nächsten Tag, dem 4. September, seine zweite Aufklärung. Diesmal meldete er die Anwesenheit von Schweren Einheiten sowohl auf Schilling– und Wilhelmshaven-Reede als auch bei Brunsbüttel, dem Westende des Kaiser-Wilhelm-Kanals. 14 Vickers-Wellington-Bomber wurden als erste Angriffswelle gestartet. Ihnen folgten unmittelbar danach 15 Bristol-Blentheim-Bomber als zweite Welle.
Die Wellington hatten, obwohl eine von ihnen „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ bei Brunsbüttel angriff, keinen Erfolg. Einer der Bristol-Blentheim-Bomber, der die „Emden“ anflog, die auf Wilhelmshaven-Reede lag, warf zwei Bomben, die dicht neben dem Kreuzer detonierten und Splitterwirkung im Vorschiff versursachten. Der von der Fliegerabwehr getroffene Bomber, der beim Niedergehen aufs Wasser die Backbordseite des Vorschiffs streifte, riß die Bordwand auf, eine Beschädigung, die bereits nach 12 Tagen repariert war. Die ebenfalls angegriffene „Admiral Scheer„, die auf Schilling-Reede zu Anker lag, erlitt Beschädigungen. Die geworfenen Bomben detonierten nicht, wahrscheinlich – wie das englische Seekriegswerk „The War at Sea“ vermutet – weil sie aus zu niedriger Höhe geworfen wurden. Das hätte zur Folge gehabt, daß die Zündersicherung sich noch auswirkte und die Bomben unscharf blieben. Nach dem englischen Bericht wurden 5 Bomber angeschossen.
Der deutsche OKW-Bericht vom 05. September sagte – soweit er die Kriegsmarine betraf – folgendes:
Die Kriegsmarine hat die Sicherungsmaßnahmen für die deutsche Küste planmäßig durchgeführt. An der Nordseeküste griffen gegen 18 Uhr englische Kampfflugzeuge modernster Bauart Wilhelmshaven und Cuxhaven sowie die in den Flußmündungen liegenden Seestreitkräfte an. Die Jagd- und Flakabwehr von Kriegsmarine und Luftwaffe setzte so frühzeitig und wirksam ein, daß der Angriff auf Cuxhaven überhaupt vereitelt wurde, während die Bombenabwürfe in Wilhelmshaven keinen Schaden anrichteten. Von den angreifenden Flugzeugen wurden mehr als die Hälfte abgeschossen.
Die deutschen Zeitungsnachrichten vom 05. und 06. September wichen ebenfalls von den Angaben des englischen Seekriegswerkes und den Beobachtungen, die damals von den deutscherseits beteiligten Stellen gemacht wurden, ab. So wurde von der „Vernichtung von mindestens 8 englischen Bombern mit Sicherheit“ geschrieben  und mitgeteilt, daß die Besatzung eines am Angriff beteiligten Bombers gefangengenommen wurde. Eine andere Zeitung gab die Zahl der angreifenden Flugzeuge mit „insgesamt 20-25“ für den Bereich des Küstenbefehlshabers Ostfriesland an und behauptete, daß „mit Sicherheit 10 feindliche Flugzeuge abgeschossen“ wurden.
Es ist interessant, zu sehen, wie weit die in der Erregung der ersten Kriegstage gemachten Feststellungen voneinander abweichen.
Das seitliche Aufschlagen des abgeschossenen Bombers auf das Vorschiff der „Emden“ hatte leider Menschenverluste zur Folge, deren Zahl nirgendwo angegeben ist. Es waren die ersten Gefallenen der Kriegsmarine.

Im August 1939, nur eine Woche vor Kriegsausbruch, nahm Jan Hissink noch an der Starboot-Weltmeisterschaft in Kiel teil. Allerdings wurde er mit seinem Boot „Perseus“ nach einer Kollision disqualifiziert. (Quelle: „The first race started off with a collision on the starting line, and when the smoke cleared away, we found Perseus, sailed by Oberleutnant Hissink, withdrawn, having been on the port tack.“ und „Perseus gambled on a port tack, and although Oberleutnant Hissink did some beautiful sailing to come in first, he was disqualified.„)

Von Januar bis Juli 1938 nahm er, ebenfalls im Rang eines Oberleutnants zur See, als WO und AO an der Zweiten Teilfahrt der Nordatlantik Expedition des Forschungs- und Vermessungsschiff Meteor (I) teil.

1933 war er Seekadett auf dem Kreuzer Köln (Bericht Linientaufe am 02.03.1933, Besatzungsliste, Seite 52).

Er gehörte zu den Geretteten des am 26.07.1932 vor Fehmarn gekenterten Segelschulschiffs Niobe.

Bordgemeinschaft der Emdenfahrer:

  • Emden III – lesen
  • Was damals geschah – lesen
  • Die ersten Opfer der Marine IM WWII – lesen
  • Bilder von der Beerdigung: Bild 1 und Bild 2
    Frage zu Bild 1: Herr Jan Hissink war das ranghöchste gefallene Besatzungsmitglied, sind dies links seine Eltern, Herr und Frau Hissink?)

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25.07.2014: Neues zum Jaczoturm:

Herr Emil Beringer ist als Erbauer des Turmes anzusehen

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25.08.2014: Neuigkeiten über die Herkunft von Herrn Jack Hissink

Lesen:
Der Chronik des Familienverband Luyken habe ich entnommen, dass Herr Jack Hissink eine Schwester hatte. Frau Lientje Hissink. Aus dem Chronikblatt für das Jahr 1925, Seite 237/238, ergibt sich außerdem, wer die Eltern von Herrn Jack Hissink sind:

„Am 28. Dezember entschlief Lientje Luyken, geb. Hissink, zu Velp in Holland nach langem schweren Leiden. Caroline „Lienje“ Johanna Elise Friederike Hissink wurde am 31. Dez. 1866 zu Zutphen geboren als Tochter von Diderik Hissink, Kaufmann daselbst, und Catharina („Cate“) Susanne Philippine, geb. Schlimmer. Ihre erste Jugendzeit verlebte sie in Zutphen und beendete dann ihre Schulbildung auf einer höheren Lehranstalt in Arnheim. Am 31. Dez. 1886 verlobte sich Lientje mit Carl August Wilhelm Luyken, geboren am 10. Juni 1862 zu Landfort bei Anholt, (VIII, 37, vgl. Heft 2, S: 23). Nach der am 9. April 1888 vollzogenen Vermählung wohnte das junge Paar zunächst bis zu dem im Jahre 1910 erfolgten Verkaufe auf dem väterlichen Rittergut Sonsfeld bei Haldern, wo auch die drei Töchter Katy, verehel. Krönig, Emma, verehel. Hilger, und „Marlise“, verehel. Meyer-Luyken geboren wurden (IX 88 – 90, vgl. Heft 2, 1, S: 59). Im Jahre 1910 siedelte dann die Familie nach Boppard a. Rhein über, wo sie auf dem von dem bekannten Komponisten Humperdink erbauten und bald von ihrem Gatten Carl verschönerten und vergrößerten „Schlößchen“ sich ein eigenes prächtiges Heim gründete, bis die Nachkriegsjahre mit der schrecklichen französischen Besatzung ihnen den dortigen Aufenthalt zur Qual machten. Im Sommer 1924 erfolgte dann der Umzug nach Velp bei Arnheim, wo Carl das an der Rosendaalschelaan belegene neue Heim kaufte. Hier in der Nähe der alten Heimat Landfort hoffte er, mit seiner Gattin einen ungestörten Lebensabend verbringen zu dürfen. Doch leider schon zu bald stellten sich bei Lientje die Vorboten des qualvollen Leidens ein, das sich immer mehr steigerte und – nur in allerletzter Zeit etwas gemildert – schließlich das Ende herbeiführen sollte. Unvergeßlich für Alle, die daran mit innerster Sorge teilnahmen, wird die letzte Weihnachtsfeier an ihrem Sterbebett bleiben. Schon Tage vorher hatte Lientje dringend gebeten, daß man sie am Weinachtsabend zur Bescherungszeit wecken möge, damit sie im Geiste die Weihachtsbescherung ihrer Enkel in Düsseldorf-Oberkassel, deren jedem sie ein Fahrrad geschenkt hatte, mit erleben könne. Da sie zu dieser Zeit wieder zum Bewußtsein kam, wurde ein kleiner brennender Weihnachtsbaum an Sterbebett getragen; von unten ertönten die Klänge der Weihnachtsliederins Sterbezimmer hinauf, und sie selbst sang, selig lächelnd, mit leiser zitternder Stimme die Lieder mit. – Als am zweiten Weihnachtstage ihr Bewußtsein nochmals wiederkehrte, sagte sie ihrem Gatten die letzten liebevollen Worte, und ist dann am 28. Dez. ¾5 Uhr, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verschieden. – Am 31. Dezember, ihrem 59. Geburtstage und vierzigsten Verlobungstage, wurde Lientje auf dem schön gelegenen Rosendaalschen Waldfriedhofe zur letzten Ruhe bestattet. Von der großen Beliebheit der Verewigten nicht nur bei ihren Familienangehörigen, sondern auch – trotz ihres kurzen Aufenthaltes in Velp – bei der dortigen Bürgerschaft, zeugte die große Zahl der Leittragenden bei der Begräbnisfeier und die Menge der Kränze und Blumenspenden, die den Grabhügel schmückten. Der langjährige Freund der Familie, Pfarrer Kuhlmann aus Haldern, widmte der dahingeschiedenen Freundin im Sterbehause und an der Gruft tiefgefühlte Worte der Liebe und Verehrung, auch im Namen der Gemeinde zu widmte der dahingeschiedenen Freundin im Sterbehause und an der Gruft tiefgefühlte Worte der Liebe und Verehrung, auch im Namen der Gemeinde zu Haldern, die ihrer früheren Patronin ebenfalls einen prachtvollen Kranz auf Grab hatte legen lassen. Dem Schmerz der Familie gab der Bruder der Verschiedenen, Generaldirektor Dr. Hissink, ergreifenden Ausdruck.
Mit Lientje Luyken ist eine hochbegabte und liebevolle Frau und Mutter dahingegangen. Sie war eine gute Kameradin, nicht nur für ihren Mann, mit dem sie Freude und Leid, insbesondere auch das Besatzungselend, treu und tapfer getragen hat, sondern auch für ihre Kinder, denen sie liebevoll Mutter und ebenfalls gute Kameradin war, und dies letztere gilt auch für alle ihre Angehörigen und Freunde. – Auch was sie als Gutsfrau auf Sonsfeld für die Gutsleute und Untergebenen getan hat, wird ihr unvergessen bleiben. – Geradezu vorbildlich hat sie endlich in ihrer langen und qualvollen Krankheit gewirkt durch die Art und Weise, wie sie ihr schweres Leiden mit rührender Geduld ertrug und wie sonst bis zu ihren letzten Augenblicken ihres Bewusstseins ihre Gedanken und ihre Sorgen nicht ihr selber, sondern nur ihrem Gatten, ihren Kindern, Enkeln und weiteren Angehörigen und Freunden galten. Ihr Andenken wird Allen, die sie kannten, unvergeßlich bleiben.“

27.08.2014: Neuigkeiten zu den an der St. Marien-Kirche zu Spandau verbauten Ziegelsteinen
14.03.2016: Das „Beringer – Albrecht der Bär-Wappen“ am Jaczoturm
19.02.2017 Mir ist noch eine weitere Veröffentlichung in die Hände gefallen, und zwar vom Stadthistoriker Herrn Jürgen Grothe in „Spandau im Wandel der Geschichte„, erschienen im Jahr 2000. Die Beschreibung enthält jedoch keine eigenen Forschungsergebnisse, sondern gibt nur in eigenen Worten die bereits veröffentlichten Beschreibungen wieder, und zwar offensichtlich jene von Harry Neels aus dem Jahr 1999, ohne aber, dass dieser als Quelle benannt wird. Auch von ihm wird daher als Erbauer fälschlich ein angeblich „bis heute unbekannt“ gebliebener Spandauer Bürger angegeben. Dafür enthält sein kleines Kapitel noch ein Foto des Türmchens aus dem Jahre 1968.

 

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