Freybrücke

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2012-05-25 - 022 kleinDie Freybrücke wurde 1908/09 nach Plänen von Karl Bernhard gebaut, ebenso wie die etwas weiter östlich gelegene Stößenseebrücke (vormals Heerstraßenbrücke).

1913 wurde sie von „Havelbrücke“ in „Freybrücke“ (Adolf Frey, Geheimer Oberbaurat von Charlottenburg und Leiter des Heerstraßenbaus) umbenannt

Die Brücke an sich ist ein hübsches Bauwerk, im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung leider optisch durch die der Heerstraße typischen langen Lichtmasten etwas verunstaltet.  Steht man auf der Brücke, so bietet sich eine schöne Aussicht auf die Havel und die Umgebung. Aber lange möchte man dort nicht verweilen, denn wegen dem extrem starken Verkehrsaufkommen herrscht dort ein ohrenbeteubender Lärm und es ist staubig und schmutzig.

Allerdings ist es mit der schönen Aussicht dort für die nächsten Jahre auch vorbei, da die Brücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird. Im März/April 2013 wurde durch Baumfällungen mit den Baumaßnahmen begonnen.

Ich finde die Quelle nicht mehr, meine aber gelesen zu haben, dass die ursprüngliche Brücke auch durch eine Sanierng hätte gerettet werden können, allerdings hätte dann das Land Berlin die Kosten alleine tragen müssen, während bei einem Neubau Bundeseinrichungen die Hauptkosten tragen.

  • 1945 April – Anwohnerbericht
Lesen:

In den letzten Apriltagen 1945 stellte sich die militärische Lage so da: Weite Teile Berlins waren erobert. Es gab nun einen schlauchartigen Kessel Der vom Alexander Platz durch den Tiergarten, über Charlottenbug und Spandau bis nach Staaken reicht. Er war über 20 km lang und an einigen Stellen nur 1 km breit. Das sollte die Rückzugsstraße sein. Aber; wohin?
Die Havel wurde damals von 5 Straßenbrücken, der Eisenbahnbrücke und einem Fußgängersteg an der Schleuse, überquert. Von Süden anfangend, gab es die Freybrücke. Diese liegt an der heutigen Bundesstraße 5, welche Heerstraße heißt. Die Straße war Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt worden, um den zunehmenden Verkehr von der Spandauer Innenstadt fern zu halten. Es gab erhebliche Veränderungen, wozu auch Strombegradigungen gehörten sowie der Neubau der Eisenbahnbrücke, die vorher Straßengleiche Übergänge hatte. Das war aus festungstechnischen Gründen so angeordnet worden. Spandau war bis 1918 Festung. Diese Arbeiten waren 1907 abgeschlossen. Im Süden wurde also die Heerstraße angelegt und die Stößensee- und die Freybrücke gebaut. Über die Heerstaße fuhr die Straßenbahn mit 2 Linien, die auch an unserem Haus vorbei gingen. Die Rückzugsverbände, gemeinsam mit einer Vielzahl von Zivilpersonen, wie „Goldfasane“ und andere NS-Größen, die von den Sowjets nicht Gutes zu erwarten hatten. Sie sammelten sich am Olympiastadion um mit ihrer verbliebenen Kampfkraft den Ausbruch zu versuchen. Unser Häuserblock lag etwa 500 – 600 m von der Heerstraße entfernt in der Pichelsdorfer Straße. Unmittelbar südlich von uns befand sich der Straßenbahnhof. Dahinter machte die Pichelsdorfer Str. einen Knick. Von dort konnte man die Heerstraße einsehen. Das mußte von den deutschen Verteidigungskräften unbedingt verhindert werden und es war da nun die Frontlinie. Der Straßenbahnhof war das Niemandsland. Die Brücken waren zur Sprengung vorbereitet. Die Schulenburg-, Charlotten-, Stößensee– und die Juliusturmbrücke blieben stehen. Die Eiswerder- und die Eisenbahnbrücke sowie der Fußgängersteg wurden gesprengt.
An der Freybrücke gab es eine Besonderheit. Die Sprengstoffpakete waren an den Brückenbögen befestigt. Es soll am südlichen Brückenbogen eine Granate in dieses Paket eingeschlagen sein und die Explosion vorzeitig hervor gerufen haben. Die Brücke lag nun schief im Wasser und konnte nur noch durch Fußgänger mit einigem turnen passiert werden. Als der Ausbruch nun etwa am 27. oder 28. 4. begann, kamen Sowjetsoldaten in unseren Keller und befahlen: in 5 Minuten, alles raus. Es wurde uns bedeutet, daß wir Spandau nach Westen verlassen sollten…… ….Als nun am 2. 5. der letzte Kommandant, der General Weidling, die Kapitulation unterschrieb, hörte der Widerstand auf und der Krieg war in Berlin zu Ende. Wir machten uns auf den Heimweg und erreichten unsere unzerstörte Wohnung….. Die Freybrücke war nun nicht zu benutzen. Gleich nach Kriegsende hatten die Sowjets oberhalb eine hölzerne Notbrücke gebaut. Diese mußte aber wieder entfernt werden, damit die Schiffahrt möglich war. In die zerstörte Brücke wurde ein großes Loch geschnitten, damit die Schiffe auch da passieren konnten. Eine englische Pioniereinheit baute aus ihrem Material eine Notbrücke auf, die mehrere Jahre dastand. Es konnte nur Einbahnverkehr stattfinden. An beiden Seiten befand sich ein nur ca. 50 – 60 cm breiter Fußweg. Ein überholen langsamer Fußgänger war nicht möglich. Die Straßenbahn fuhr nun in der schon vorhandenen Kehranlage durch Alt-Pichelsdorf und hatte vor der Brücke Endstation. Man mußte dann mehrere hundert Meter laufen und konnte dann auf der anderen Havelseite weiter fahren. Eine Weiche wurde zu diesem Zweck eingebaut. Es wurde damals alles in sehr kurzer Zeit gemacht. Wenn man heute sieht, wie lange das alles dauert, kann man nur den Kopf schütteln.
Quelle: Lebensbericht eines anonymen Berliners von seiner Kindheit im II. Weltkrieg, der Nachkriegszeit in Berlin und sein Werdegang bis zum Ende des 20. Jahrhundert http://forum-rheinland.de/erinnerungen/02.html – http://forum-rheinland.de/erinnerungen/index.html

 

  • 1946 September – Hier befinden sich drei interessante Fotos der beschädigten Brücke: Bild 1Bild 2Bild 3
  • 1951 Wiederaufbau der Freybrücke abgeschlossen
  • 2008, Januar – „Verkehrseinschränkende Maßnahmen über Freybrücke notwendig“ – lesen
  • 2012 19. Januar – „Nordkoreanischer Diplomat beim Schwarzangeln erwischt“ – lesen
  • 2013 Januar – Ersatzneubau der Freybrücke – Offizielle Information zur Baumaßnahme – lesen und Baubeschreibung und Kosten – lesen
  • 2014 Januar – „Notmaßnahme: Unverzügliche Sperrung der Freybrücke für den LKW-Verkehr notwendig“ – lesen

 

 

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