Riemeistersee

Riemeister-: Fenn oder See?

Die Wasserflächen im Riemeistersee sind heute durch den umliegenden Strauch- und Baumbewuchs schwer zu erkennen und durch einen kleinen Kanal auch nicht zugänglich. Wer genau hinsieht, kann durchgängig aber mehrere kleine Seen in Kette erkennen (so gesehen bei unserem Neujahrslauf am 01.01.2006). Ebenso ist dies auch über Google-Earth deutlich ersichtlich. Ich habe mich daher entschlossen, hier den Namen Riemeistersee zu verwenden.

Betritt man heute von der Onkel-Tom-Straße und hinter dem heutigen Reiterverein „Onkel-Toms-Hütte e. V.“ aus den Uferweg, so fallen einem gleich am Anfang eine alte Treppenanlage und eine ehemalige Terrasse ins Auge. Es handelt sich hier um die Reste des früher sehr bekannten Restauration „Onkel Toms Hütte“, das laut Eigenwerbung 1898 “Elegantestes Wirtshaus des Grunewalds”, von welchem auch der heutige Straßenname abgeleitet ist. Früher hieß die Onkel-Tom-Straße einmal Spandauer Straße und war vermutlich die Postverbindung zwischen Spandau und Zehlendorf.

An der Onkel-Tom-Straße, hin zum Langen Luch gelegen, befindet sich heute eine Rodelbahn. In den dreißiger Jahren stand dort eine Skisprungschanze. Bevor diese angelegt wurde, befand sich dort eine Bodensenke, welche in einigen alten Landkarten als „Saugrund“ eingetragen ist. Direkt an der Rodelbahn befindet sich heute noch das seit 1933 in Familienbesetz befindliche „Cafe Rodelhütte“ (m.W. leider keine Webseite), wo man im Sommer unter schattigen Bäumen sehr nett im Freien sitzen kann.

Am Übergang zwischen dem Riemeisterfenn und der Krummen Lanke befindet sich das 1957 erbaute Wasserwerk Riemeisterfenn, welches mit seinem Reetdach eher an ein großes Landhaus erinnert.  Das Werk wurde nach der Wende stillgelegt, wird aber weiterhin betriebsbereit gehalten. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude auch gastronomisch genutzt. 2012 stand es jedoch wieder leer und wenn man ganz genau hinschaut, kann man erkennen, wie ganz langsam der Verfall einsetzt.

  • 1894 Fontane, Seiten 42-44:
    Lesen:
    Der Wanderführer beschreibt das Gewässer als „gleich einem Flußarm schmalen Rienmeister-See„. Und weiter: „Links vom Rienmeister-See , auf einer kleinen Anhöhe, liegt das „Wirtshaus zum Rienmeister-See“ auch „Onkel-Toms-Hütte“ genannt. Der Hüttencharakter der Restauration ist nun, nachdem das alte rohrgedeckte Häuschen durch einen soliden Backsteinbau ersetzt worden, leider verschwunden. Den an den bekannten Roman „Onkel-Tom“ erinnernden poetischen Namen hat, wenn auch nicht das Wirtshausschild, so doch der Volksmund unbeirrt beibehalten. Seine Entstehung wird auf einen früheren Wirth Namens Thomas zurückgeführt, welcher trotz seiner urwüchsigen Grobheit, vielleicht auch gerade deswegen, von seinen „“zu Gegendiensten“ schnell bereiten Berliner Gästen mit dem Kosenamen „Der grobe Onkel-Tom“ oder kurzweg „Onkel-Tom“ belegt wurde. – Die früher vielbeliebten Kahnfahrten von hier nach der Krummen Lanke haben seit kurzem eingestellt werden müssen, da der Verbindungsdamm zwischen Rienmeister-See und Krumme Lanke bis nahe unter den Wasserspiegel mit Morast angefüllt ist. Ueberhaupt fällt der Rienmeister-See mehr und mehr der Versumpfung anheim, von Jahr zu Jahr gewinnt ihm der wachsende Moorboden Terrain ab. Noch vor 15 Jahren war der See so groß und so frei von Moor, daß bis dahin alljährlich ein sog. Hechtstechen auf dem See veranstaltet werden konnte.
    Seite 72: Die „Neue Fischerhütte“ gehört ebenso wie die „Alte Fischerhütte“ und das „Wirtshaus am Rienmeister-See (Onkel Toms Hütte)“ den Pasewalt’schen Erben (hier mit „t“ !?), den Nachkommen der Zehlendorfer Lehnschulzen (jetzt Amtsvorsteher), welchen, wie Seite 44 bereits des Näheren ausgeführt ist, für die dem Kurfürsten und später dem Lehniner Kloster zu leistenden Dienste die Fischereigerechtigkeit auf dem Schlachten-See, der Krummen Lanke und dem Rienmeister-See zugesprochen worden ist.
  • 1902 Berdrow, Seite 38:
    Lesen:
    „Am südlichen Ende des Langen Luchs betreten wir die vom Stern nach Zehlendorf führende Straße, verlassen durch das Gatterthor das Wildgehege und gelangen in wenigen Minuten zu der südlich vom Rienmeister-See gelegenen Restauration „Onkel-Toms-Hütte“. Hier hauste früher ein geistiger Ahn des „groben Gottlieb“ (gemeint ist vmtl. Generalfeldmarschall Gottlieb Graf von Haeseler / später interessant auch Geschichte des Dorfkrug in Rudow), der urderbe Wirt Thomas, dem der allzeit fertige Berliner Witz schnell den Kosenamen des „groben Onkel Tom“, kurzweg auch „Onkel Tom“, angehängt hatte. Daß seine Kneipe in Anlehnung an den bekannten Roman der Harriet Beecher-Stowe alsbald „Onkel Toms Hütte“ hieß, ist selbstverständlich; leider ist das alte rohrgedeckte Häuschen längst durch einen soliden Backsteinbau ersetzt worden, in dem es sich jedoch auch gemütlich weilen läßt. Nachdem wir uns hier leiblich erfrischt, steigen wir zum „See“ hinab. Hier, wo vor fünfundzwanzig Jahren noch Kahnfahrten zur Krummen Lanke stattfanden und alljährlich ein sog. Hechtstechen veranstaltet wurde, umgiebt jetzt frisches Wiesengrün einen Tümpel, dessen Wasserfläche dem dort hausenden Schwanenpaar kaum noch ein paar kräftige Ruderstöße verstattet. dafür finden wir aber am Ufer und in dem kleinen See auf engstem Raum die ganze Rand- und Schwimmfolra beisammen (dann folgt eine längere Aufzählung)Überhaupt treten manche Pflanzen im Grunewald nur an ein oder zwei Standorten und in so wenigen Exemplaren auf, daß ein unvorsichtiger Griff genügt, sie in unserem Bezirk auf immer auszurotten… Von der verödeten kleinen Terrasse am Rienmeister-See wenden wir uns dem zur Krummen Lanke führenden…Pfade zu…
  • 1927 Wolter, Sommer, Klotz, Seite 52:
    Lesen:
    Das ehemalige Flachmoor zwischen der Chaussee und dem Riemeister-See ist in eine Wiese umgewandelt worden und eingezäunt. Wir gehen darum auf dem westlichen Höhenrande entlang, wo wir einen besseren Überblick haben. Gegenüber von Onkel Toms Hütte verweilen wir ein wenig. Das grau schimmernde Röhricht zeigt uns die Stelle an, wo einst der Riemeister-See war. Wir finden auf Karten beide Bezeichnungen: Rienmeister und Riemiester. 1543 heißt der See voch Riitmeister, 1610 Riedemesser. Er bildete sicher einmal mit der Krummen Lanke ein Becken von etwa 2 km Länge. Nach Berdrow sollen auf dem Verbindungsgraben noch um 1850 herum Kahnfahrten zur Krummen Lanke und alljährliche Hechtstechen stattgefunden haben. Jetzt ist der Wasserspiegel jedenfalls gänzlich verschwunden. Der See ist völlig verlandet und würde ohne menschliche Eingriffe dieselbe Entwicklung durchmachen, die wir heute an anderen Stellen verfolgen konnten: über das Wiesen-, Flach- oder Sumpfmoor zum Hoch- oder Heidemoor. Über den 13 m dicken Faulschlammschichten würde sich nun also Torf bilden. Den Verlauf des Verbindungsgrabens kennzeichnet eine Reihe von Erlen. Vor der Umwandlung in eine Wiese war wohl das ganze ein mit Erlen bestandenes Flachmor.”
  • 1957 Behm, Seite 22:
    Lesen:
    Das heute verlandete Riemeisterfenn mußte über sehr viel mächtigere Faulschlammbildungen verfügen. Daß diese aber bis zu 27 m Tiefe gehen, wie es Bohrungen ergaben, die gegenüber Onkel Toms Hütte angestellt wurden, ist erstaunlich.
  • 1974 Wille, Seiten 30, 31:
    Lesen:
    Der nördlichste Teil des nächsten Beckens ist dagegen stark verlandet. Hier lag einst der nur 1,5 m tiefe Riemeistersee, der nach dem heißen Sommer des Jahres 1911 infolge der Senkung des Grundwasserspiegels durch die Wasserentnahme des Wasserwerkes Beelitzhof ausgetrocknet ist. Heute finden sich an seiner Stelle das wildromantische 700 m lange und 1,46 ha große Riemeisterfenn, das jetzt als Rest des einstigen Sees ein Dorado für Botaniker und Geologen ist. Nach vorsichtigen Schätzungen reichen die Faulschlammablagerungen im Fenn bis zu einer Tiefe von 27 Metern. – Zum Riemeisterfenn selbst ist noch zu bemerken, daß im Jahre 1251 Markgraf Albrecht III. das Dorf Crummensee mit dem angrenzenden See an das Kloster Lehnin verkaufte. Zeitweilig unterstand die Siedlung auch dem Bischof Rüdiger von Brandenburg. Die deutsche (?) Siedlung der Askanierzeit konnte sich ebenso wenig behaupten wie das nahegelegene Slatdorp am Schlachtensee. Der Ort wurde zwischen 1300 und 1375 zur Wüstung. Der Name des Gewässers, der wechselweise Reitmeister (1543), Riedemesser (1610) und Reidemeister angegeben wird, führt eindeutig auf den Begriff „Riemeister“ = Rechnungsführer zurück. Er war demnach im Besitz eines Hofbeamten, der den See im Grunewald für seinen Landesherrn verwaltete. Einer dieser Pächter war der Schulze Frieder… Obwohl der Riemeistersee nur eine geringe Tiefe hatte, zeichnete er sich durch einen großen Fischreichtum aus. Um 1610 besaßen hier die Zehlendorfer Lehnschulzen die „große Fischerei“ (Zoge).
  • 1995 SC Pallas – Skisprungschanze
    Lesen:
    Skispingen in Berlin – …aus dem Jubiläumsheft 75 Jahre SC Pallas:
    Beginn der Skisprungaktivitäten war im Januar 1924 der Märkische Wintersporttag in Freienwalde. Der Norddeutsche Skiverband hatte dazu eingeladen. Helmut Tornow, unser langjähriger 1. Vorsitzender und Gründungsmitglied, hatte einen Sprung von der Schanze gewagt und war bei 9m gelandet. Damit war der Grundstein für das Skispringen im SC Pallas gelegt. Bis 1931 wurden regelmäßig Skisprungveranstaltungen auf der 1. Berliner Sprungschanze an der Onkel Toms Hütte durchgeführt, an denen immer mehr Vereinsmitglieder erfolgreich teilgenommen haben.
  • 1999 Berliner Zeitung (09.04.)
    Lesen:
    Von Katharina Körting:
    Grüne und Behörde streiten um ein Moor / Im Riemeisterfenn sterben Fische, weil der Naturschutz das Gewässer von Seen abtrennte
    Die Grünen im Bezirk und die Senatsumweltverwaltung sind sich uneins, wie die Moorsenke Riemeisterfenn am besten zu schützen sei. Das Gewässer war von den Grunewaldseen abgetrennt worden, doch die Fische, die dort lebten, trieben im Winter plötzlich bauchoben auf dem Wasser. Sie waren eben wegen der Maßnahme erstickt. Seither mehren sich die Stimmen, das Fenn wieder zu öffnen. Ein Senatsbeschluß vom 4. Mai 1987 hatte das Riemeisterfenn zum Naturschutzgebiet erklärt und vorgesehen, die Verbindung zwischen Fenn und Grunewaldseen zu schließen. Diese Verordnung wurde im Herbst 1998 umgesetzt. Doch da lebten längst Aale, Hechte und Karpfen im Fenn und erstickten im Winter in dem sauerstoffarmen Wasser. „Dem Naturschutz wäre besser gedient, wenn wir die Fischwanderwege erhalten“, findet Michael Folgert, Gewässerwart beim Anglerverein Wels. Die Gemeinschaft hat den Schlachtensee und die Krumme Lanke gepachtet. Durch den Badetourismus gebe es immer weniger Ruhe- und Laichgebiete für die Fische, sagt er. Auch die Zehlendorfer Grünen setzen sich für eine Öffnung der Verbindungswege ein. „Der Zufluß von Wasser ist nötig, damit die Lebewesen genug Sauerstoff haben“, sagt Cornelius Plappert, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Ein Antrag, sich beim Senat dafür einzusetzen, wurde in der BVV angenommen. Ursprünglich war das Riemeisterfenn ein kleiner See, der nach und nach verlandete. Die Inbetriebnahme des Wasserwerks Riemeisterfenn im Jahr 1955 beschleunigte diesen Vorgang, weil sich dadurch der Grundwasserspiegel senkte. Aus dem See wurde eine abflußlose Moorsenke, in der sich seltene und bedrohte Arten ansiedelten, die auf nährstoffarmes, saures Wasser angewiesen sind. Seit den 60er Jahren floß jedoch aufgrund eines Dammbruchs nährstoffreiches Wasser aus den Grunewaldseen in das Moor. „Dadurch sind einige bundesweit vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten wie das Sumpfknabenkraut, eine der wenigen Orchideenarten in Deutschland, und die Schwanenblume ebenso verschwunden wie einige Spinnenarten“, sagt Holger Brandt von der Naturschutzbehörde in der Senatsumweltverwaltung. Er verteidigt die Zuschüttung der Zuflüsse: „Wir haben nicht so viele Moore in Berlin und mußten die Dämme dichtmachen, um das Moor zu schützen.“ Dies habe Vorrang und entspreche den Naturschutzgesetzen. „Das Fischesterben ist ein natürlicher Prozeß bei Kleingewässern im Winter“, sagt Brandt. Die Forderungen von Grünen und Anglern führt Brand auf „mangelnde Information“ zurück.
  • 2002, taz – Ein Hauch von Olympia im Grunewald – lesen
  • 2006 Berliner Zeitung, 22.06.
    Lesen:
    Ein Spaziergang durch die Onkel-Tom-Straße, von Thorkit Treichel:
    “Bis in die 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts war Zehlendorf ein Bauerndorf. Dann erschlossen Terraingesellschaften die Grundstücke und verkauften sie an wohlhabende Bürger. Diese fuhren sonntags im Vierspänner zum Ausflugslokal Onkel Toms Hütte am Riemeisterfenn im Grunewald, an der heutigen Onkel-Tom-Straße, die bis 1933 noch Spandauer Straße hieß. Das Lokal, das der Wirt mit Vornamen Tom nach dem Roman „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher-Stowe benannt hatte, fungierte wiederum als Namensgeber sowohl für die Onkel-Tom-Straße als auch für den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte. „Die Reichen“, erzählt der Archivar im Heimatmuseum Zehlendorf, Benno Carus, „wurden im Garten von Onkel Toms Hütte auf der oberen Terrasse platziert. Die Tische waren mit schwerem Silber und Porzellan eingedeckt.“ Einfacher ging es auf den unteren Ebenen zu. Hier durfte das Volk Platz nehmen. Man kann die Überreste der Terrassen noch sehen. Ein Waldweg, auf dem man die Krumme Lanke erreicht, führt daran vorbei.“

 

.

Bilderalbum:

 

 

2 Kommentare

  • Andreas Utz-Lentzsch

    Heutzutage gibt es oberhalb des Riemeisterfenns keinen richtigen Wald mehr, da Revierförster Andreas Constin mit seiner Rodungsaktion dort die Wege unbefahrbar und unbelaufbar gemacht hat…. schade aber wenn man sich beschwert, wird man auf die „Nachhaltigkeit“ vertröstet. Andreas Utz-Lentzsch

  • Uwe

    Hallo Andreas,
    Du meinst vermutlich das „Lange Luch“ zwischen dem Naturschutzgebiet und der Onkel-Tom-Straße. Man kann dort noch laufen. Aber auch dort zeigen sich Bodenschäden durch die schweren Fahrzeuge. Hier.
    Viele Grüße
    Uwe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.