Teufelssee

Share Button

2014-04-14 DSC02064 Teufelssee kleinDen Teufelssee kennen die meisten Läufer als ersten richtigen Waldkontakt. Man läuft vom Mommsenstadion aus die Harbigstraße entlang, kommt auf einen Waldweg, läuft an der Kolonie Grunewald und der Kiesgrube vorbei und macht nach ca. 2 Kilometer die erste  (Dehn-)Pause am Teufelssee.

Viele laufen dann weiter in den Wald hinein. Tatsächlich eignet sich das Gelände aber sehr gut für ein kleines Intensivlaufprogramm. Etwa einige Male um das gesamte Gellände Teufelssee, Ökowerk und Teufelsfenn herum.

Eine Runde (auch „Zaunrunde“ genannt) hat etwa 2 Kilometer und dort zu laufen macht einfach nur Freude. Die „Zaunrunde“ lässt sich aber auch bis zum Postfenn erweitern und wer ganz hart ist, kann auch den ehemaligen Skihang am Teufelsberg hochlaufen. Es ist einer der stärksten Anstiege im Grunewald.

Am Teufelssee befindet sich eine beliebte Nacktbadeliegewiese, welche jedoch in den verganenen Jahren von dem Wildschweinen gerne mal durchplügt wurde, so dass der Untergrund nicht immer ganz plan ist. Für die Wasserplanscher kommt ab und zu auch mal ein Eiswagen vorbei. Einen Imbiss gibt es dort leider nicht mehr. Früher einmal stand ein Currywurst-Imbisswagen oben am großen Wanderweg. Heute leider nicht mehr!

Das Ökowerk liegt am Nordufer, früher einmal befand sich dort das Wasserwerk. Die alten Gebäudeanlagen lohnt es sich unbedingt anzuschauen. Daneben liegt das ehemalige 1874 erbaute Beamtenwohnhaus (laut Berdrow befand sich 1902 dort „die gastliche Behausung des Forstwarts„, siehe unten), welches heute als Wohnhaus genutzt wird. Dieses Haus steht zusammen mit der Gesamtanlage unter Denkmalschutz (Objekt Nr. 09046570,T).

Direkt neben dem ehemaligen Wasserwerk und am Weg, welcher vom Parkplatz zum See führt, befindet sich ein kleiner Bärenbrunnen. Er steht am Eingang zu einem Waldspielplatz (zuletzt kleine Holzhütte mit Rutsche, Buddelkasten, Schaukelpferdchen), welcher vermutlich erst nach dem II. Weltkrieg angelegt, seit etwa 10 Jahren jedoch verkommen und schließlich abgetragen wurde, so dass heute von ihm nichts mehr zu erkennen ist. Ich vermute, dass der Brunnen ebenfalls erst in der Nachkriegszeit angelegt wurde. Der Bildhauer ist mir bisher unbekannt. Ähnlichkeit hat er aus meiner Erinnerung mit Skulpturen im Berliner Zoo. Der Brunnen war schon fast komplett zugewachsen, wird seit etwa 2007 aber regelmäßig freigelegt.

Dann gibt es noch eine Kindertagesstätte, an dessen Stelle sich früher eine Trinkhalle befand.

  • 1894 Fontane, Seite 11-12:
    Lesen:
    Der nach halbstündiger Wanderung rechter Hand auftauchende kleine waldumrandete See ist der Teufels-See und die am gegenüberliegenden Ufer befindlichen Anlagen sind die Charlottenburger Wasserwerke.
    Durch diese Wasserwerke ist der Grundwasserstand in der Gegend um den Teufels-See ca. 2 m gesunken und der Teufelsgraben trocken gelegt worden.
    Die Charlottenburger Wasserwerke, 1872 von der Westend-Gesellschaft zum Zwecke der Wasser-Versorgung Westends erbaut und 1878 von der Aktiengesellschaft „Charlottenburger Wasserwerke“ übernommen, liefern jetzt das Wasser für die gesamten Vororte im Süden und Westen Berlins… Die Gewinnung und Filtration des Wassers erfolgt zur Zeit in drei Werken: am Teufels-See, am Wann-See und in Gr. Lichterfelde. Es wird ausschließlich Quellwasser gefördert, welches durch Brunnen aus einer Tiefe von 20 m unter Flur entnommen wird. Die Güte des Wassers ist anerkannt; ein kleiner Eisengehalt gibt demselben jedoch eine leichte Färbung, welche durch besondere Behandlung beseitigt werden muss… Das Brunnenwerk Grunewald am Teufels-See hat 22 Brunnen; zwei Vorpumpen heben das Wasser auf den Riesler und zwei Druckmaschinen von je 75 P. S. fördern es nach dem Wasserturm in Westend, von dem aus Westend und Charlottenburg versorgt werden. Das Werk, welches täglich 15000 cbm filtriertes Wasser zu fördern im Stande ist, ist das älteste des Unternehmens. Seine Maschinen und Gebäude sind 1873 erbaut, die Riesler- und Filtereinrichtung dagegen ist erst im Jahre 1892 entstanden…
  • 1902 Berdrow, Seite 50:
    Lesen:
    19xx Forsthaus Torftrocknung„Am Ostrande des Teufelsfenns, mit einem Blick auf die bis zu 90 Fuß über den Wasserspiegel ansteigenden Höhen, entlang wandernd, erreichen wir die gastliche Behausung des Forstwarts, der unsern schmachtenden Kehlen mit allerlei Erquickendem zu Hilfe springen kann. Unmittelbar daneben liegen die Anlagen der „Charlottenburger Wasserwerke“, welche 1872 zum Zwecke der Versorgung Westends mit Wasser erbaut und 1878 von der genannten Aktiengesellschaft übernommen sind. Die hinter den Maschinenhäusern sichtbaren Tiefbrunnen, etwa zwei Dutzend, heben das Quellwasser aus 20 Meter Tiefe, was eine Senkung des Grundwasserstandes der ganzen Umgebung und die Austrocknung des Teufelsgrabens zur Folge gehabt hat. Die hohen Kohlenpreise haben zu dem Versuche geführt, den Torfbruch am Teufelssee zur Gewinnung von Feuerungsmaterial für die Maschinen auszunutzen; so sehen wir am Südostufer des Sees große Haufen zum Trocknen aufgestellten Torfes, ein ganz neuer Anblick für manchen jungen Berliner, der von diesem Produkt der Moore als einem zur Großväterzeit gebräuchlichen Brennstoff wohl schon gehört, es aber noch niemals mit leiblichen Augen geschaut hat. Vor hundert Jahren wurde das Postfenn als Torfstich benutzt.“
  • 1907 Wahnschaffe, Seite 31:
    Lesen:
    Im Teufelssee findet sich massenhaft die gelbe Gentianacee Limnanthemum nymphaeoides mit gleichfalls seerosenähnlichen, aber kleinen, unterseits punktieren Blättern das Wasser stellenweise verbergend.
  • 1927 Wolter/Sommer/Klotz, Seiten 18 – 24:
    Lesen:
    “Wir wandern nun in der ursprünglichen Richtung weiter über die Chaussee hinweg.Merklich senkt sich das Gelände. Wir haben eine Mulde vor uns, in der zur Zeit der Gletscherschmelze die Wasser zum Teufelssee abflossen. Die Rinnen, in denen das geschah, treten noch deutlich hervor. In der tiefsten von ihren ragt ein eisernes Rohr empor. Man trifft solche Rohre an verschiedenen Stellen im Grunewald an. Sie sind zur Beobachtung des Grundwasserstandes von der Landesanstalt für Gewässerkunde niedergebracht worden. Mit ihrer Hilfe ham man z. B. festgestellt, daß das Grundwasser unter der Grunewaldebene erst in einer Tiefe von 17 bis 20 m ansteht und in westlicher Richtung zum Teufelssee oder zur Havel abstömt. Sein Gefälle beträgt bis zur Havel etwa 2 m. Hier am Teufelssee liegt der Grundwasserspiegel etwa 31 m über NN. Die Tiefbrunnen des Charlottenburger Wasserwerks, von denen wir mehrere gerade hier an der Ostseite des Teufelssees sehen, schöpfen aus dieser Tiefe ihr Wasser. Es ist nicht verwunderlich, daß durch die starke Wasserentnahme der Grundwasserspiegel in der Umgebung der Brunnen stark abgesenkt wird, – ja so stark abgesenktm daß er tiefer liegt als der Spiegel des Sees. So dringt denn das Wasser des Sees in den Untergrund ein und fließt den Brunnen zu.  Eine weitere Folge, die für uns allerdings nicht sichtbar hervortritt, sei nebenbei erwähnt. Durch die Senkung des Grundwasserspiegels wird das Wasser auf seinem Wege zur Havel an dieser Stelle abgelenkt und geht dem Flusse verloren.
    .
    Das Badeleben, daß sich am Teufelssee entwickelt hat, macht ihn für den Naturfreund und Naturforscher zu einem wenig angenehmen Aufenthalt.
    .
    Wir überschreiten die breite Sandschwelle, die das Postfenn vom Teufelssee trennt. Es ist gänzlich trocken. In dem Teile, den wir zuerst betreten hat man gleich am Rande Torf gewonnen… Stellenweise ist der Torf ganz abgehoben… Wir haben es also…mit einer Vertiefung im Gelände zu tun, wie es deren in dem ganzen Grunewaldgraben unzählige gibt; nur sind sie nicht alle so groß und so tief… an der tiefsten Stelle des Beckens… und das ist die Tiefe zu 8,2 m gemessen worden… Allmählich ergreift die Pflanzenwelt wieder Besitz von dem kahlen Boden… nassen Torfschlamm… Seggen und Binsen bilden große Rasen. Besonders zahlreich ist Birkennachwuchs…”
    [Anmerkung: Der Name “Teufelsfenn” wird nicht benannt. Die Beschreibung ist zwar recht umfangreich und detailliert, allerdings erfolgt keine Trennung von Teufelsfenn und Teufelssee.] “Wir verlassen jetzt den Teufelsseekessel...”
  • 1945– Nach Kriegsende:
    Lesen:
    Anlässlich eines Info-Abends der Siedlung Eichkamp im Jahr 2009, berichtete ein Anwohner aus der Zeit nach dem II. Weltkrieg folgendes Erlebnis:
    Er hatte beobachtet, dass russische Soldaten am Teufelssee mit gefundenen Waffen herumspielten. Dabei löste sich ein Schuss und ein russischer Soldat fiel um. Er (der Beobachter) machte sich dann schnell davon, damit nicht etwa versucht werden würde, ihm den Unfall anzulasten.
    Er erzählte außerdem, dass die Besatzung des Wasserwerkes beim Einmarsch von russischen Soldaten erschossen wurde; möglicherweise, weil sie Dienstuniform trug.
    Uwe Gerber/ Februar 2010
    .
    Ein Leser dieser Seite teilte mir im Mai 2015 dazu ergänzend folgendes mit:
    Vermutlich gab es auf der Wiese hinter dem Beamtenwohnhaus ein Barakenlager für Zwangsarbeiter.
    Eine große Fundamentenplatte aus Beton ist überwachsen aber deutlich sichtbar.
    Es gibt eine weitere Story dazu.
    Aus Angst vor den Russen sollen die Bewacher die Zwangsarbeiter erschossen haben.
    Die Leichen wurden dann evtl. im Brunnen oder in den Latrinen versenkt und dann zu betoniert.
  • 1974 Wille, Seiten 42-45:
    Lesen:
    Im folgenden soll nun der Versuch unternommen werden, die wenigen historischen Fakten, die über den Teufelssee vorhanden sind, zu einer kurzen Betrachtung zusammenzufügen. Der Teufelssee, mit 2,4 ha Flächenausdehnung und einer Tiefe von etwa 8 m, ist das größte Gewässer innerhalb dieser subglaziären Seenrinne (Grunewaldgraben). Wie weit der See für die Menschen von Bedeutung war, läßt sich schwer rekonstruieren. Auf Grund des 1966 bei archäologischen Grabungen am Seeufer gefundenen Scherbenmaterials läst sich jedoch eine Aussage über einen Besiedlungszeitraum treffen. Diese Scherbenreste und die mit ihnen freigelegte Teerschwelle deuten auf das 13. Jahrhundert hin und bestätigen damit die Vermutung, daß auch der Teufelssee, analog den anderen Gewässern im Grunewald, im Hochmittelalter für die Siedler von wirtschaftlicher Bedeutung gewesen ist. Das ökonomische Interesse galt vornehmlich dem Fischfang. Diesem Umstand trägt letztlich um 1690 eine Privatfehde Rechnung, bei der ein Freiherr von Dobrzenski die Fischereigerechtigkeit auf den Grunewaldseen für sich beanspruchte. Kontrahent der Auseinandersetzung war auf der anderen Seite die Gemeinde Lützenburg, die schon seit dem 15. Jahrhundert das Gebiet der Teltowschen Heide einem Heidereuter übertragen hatte. Sämtliche Nutzungen an den Gewässern waren im Jahre 1455 durch Kurfürst Friedrich II dem Heidereuter Hans Storm zugesprochen worden, von dem dieses Privileg über Jahrzehnte hinaus auf dem Erbwege seiner Familien erhalten blieb. Als „Leibgedinge“ wurden 1465 „alle Seen (Teufels-, Barsch– und Plötzensee) in Unserer heide, die Teltowische genannt, gelegen“ nochmals der Familie Storm bestätigt. Auffällig ist dabei aber, daß bereits 1472 das Interesse für die Grunewaldseen versiegte. Die Nutzung der Gewässer schien demzufolge wenig ertragreich zu sein, so daß auch die Storms zu keiner Lehnware mehr verpflichtet wurden. Interessant ist bei diesem Rechtsstreit aber noch eine ständig auftretende Verwechslung, die offenbar allerlei Verwirrung stiftete. Nördlich der Spree lag auf der Lützower-Gemarkung einst der „Teufelssee auf dem Kalandswerder“, ein kleiner Teich, der dem Amt Spandau unterstand. Der wesentlich größere heute noch vorhandene See gleichen Namens unterstand dagegen der Stadt Charlottenburg, die hier ihrerseits Fangrechte besaß. Der Grund für die Mißverständnisse lag demnach in der trivialen Bezeichnung der beiden Seen, da ihre Namen keinerlei lokale Angaben machten. Etwa zweihundert Jahre später erlangte das Gebiet um den Teufelssee erneut eine wirtschaftlich-technische Bedeutung. Am Ostrand des Fenns errichteten die „Charlottenburger Wasserwerke“ in den Jahren 1871 bis 1872 das Werk Grunewald, das mit seiner Inbetriebnahme die Wasserversorgung des Ortsteils Westend decken sollte. Die 18 Bohrungen, die aus 41 m Tiefe das Wasser zutage förderten, bewirkten aber, daß der Grundwasserspiegel in der ganzen Umgebung sank, wobei auch der Teufelsgraben austrocknete. Aus der Not machte man jetzt eine Tugend. Konfrontiert mit der ständig wachsenden Bevölkerung der Reichshauptstadt (Berlin hatte 1900 bereits fast 2 Millionen Einwohner), die naturgemäß eine äußerst unterschiedliche soziale Struktur besaß, kam man auf die Idee, am Teufelssee Torf zu stechen, um dieses Naturprodukt der minderbemittelten Bevölkerung als Brennmaterial zu verkaufen… Der Teufelssee und das anschließende Moor wurde als Ergänzungs- und Reservegebiet im Jahr 1960 unter Naturschutz gestellt…
  • 1979 Polizei geht gegen nackte Raucherin am Teufelssee vor
    Lesen:
    Tagesspiegel Chronik 27. Mai 1979 / 2004
    Zu einem Zwischenfall kam es gestern am späten Nachmittag am Teufelssee im Grunewald. Nach einer Mitteilung der Polizei waren die Beamten eingeschritten, als eine nackte Frau im Walde geraucht habe. Sie habe es jedoch abgelehnt, sich auszuweisen und sei zu einem Polizeifahrzeug gebracht worden. Nach Angaben der Polizei lehnte sie es auch ab, sich eine Decke umzuhängen. Etwa 100 Personen versuchten zu verhindern, daß die Frau mit dem Polizeifahrzeug weggebracht wurde, was schließlich doch geschah.
    Augenzeugen teilten dem Tagesspiegel mit, mindestens 20 Polizisten seien teils mit Knüppeln bewaffnet, auf Pferden und mit Hunden auf die rauchende Frau am Seeufer zugegangen. Sie hätten sie zur Rede gestellt, obwohl auch bekleidete Personen in ihrer Nähe geraucht hätten.

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.