U-Bahn: Reichskanzlerplatz – Gatow

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Reales Projekt U-Bahn vom Reichslanzlerplatz – Heerstraße – Gatow:

Die Hochschulstadt hätte sich voraussichtlich von der heutigen Teufelsseestraße/-chaussee und beideits der Heerstraße bis zum Stößensee ans Havelufer hingezogen. Für die Erschließung wäre unter der Heerstraße eine U-Bahnlinie vom heutigen Theodor-Heuss-Platz (früher „Reichskanzlerplatz“ dann Adolf-Hitler-Platz“ dann vorübergehend wieder „Reichskanzlerplatz“, heute Theodor-Heuss-Platz) nach Spandau und Gatow gebaut worden.

Nachdem es im Jahre 1914 bereits Planungen gab, Gatow und die Rieselfelder komplett zu erschließen (sogar eine weitere Brücke über die Berliner Unterhaval war Plungsbestandteil), wurde diese Planung ab ca. 1939 vom Genaralbauinspektor Albert Speer wieder aufgegriffen. Im Architekturmuseum der TU Berlin existieren von Hermann Jansen mehrere Planzeichnungen (zum Beispiel hier), welche für Gatow einen U-Bahnanschluss mit mehreren Bahnhöfen vorsahen – und zwar kommend aus Berlin vom Adolf-Hitler-Platz.

Der U-Bahnhof Theodor-Heuss-Platz wurde 1908 in Betrieb genommen.

In die Heerstraße hinein exisitiert im Bereich des heutigen Grundstücks Heerstraße 4,4a (früher Kaiserdamm) ein Tunnelrest, welcher heute als Hauskellerraum genutzt wird. Am 21.09.1991 gab es eine Unterspülung und der Bürgersteig sackte plötzlich ab (Tagesspiegel, 21.09.1991: Heerstraße: Gehweg riß Fußgänger in die Tiefe). Weiteres über die (Erweiterungs-)Planungen am U-Bahnof Theodor-Heuss-Platz steht auf der Webseite von Herrn Peter Klews: U-Bahnbau Heerstraße, auch mit einem Bericht über den Tunneleinsturz. Herr Klewes Zusammenstellung endet mit einem Bericht aus dem Tagesspiegel vom 24.09.1991:

„…Das Haus ruht auf einer drei Meter dicken Stahlbeton-Brücke, die über einem Schacht errichtet wurde. Die Konstruktion wurde in den 30er Jahren errichtet. Sie war Bedingung, für einen damals geplanten Hausbau. Die U-Bahn-Linie vom damaligen Reichskanzlerplatz nach Spandau sollte unter der Heerstrasse entlangführen. So hätte man bei Ausführung des Planes den U-Bahn-Schacht nachträglich unter dem Haus anlegen können. Das Haus wurde dann aber erst 1956/57 auf der Brückenkonstruktion errichtet. Die Bauverwaltung hatte auf alle Rechte für den Schacht verzichtet. Dem jetzigen Eigentümer …. wurde vom Bauamt die Genehmigung erteilt, eine Tiefgarage zu errichten, es soll aber keine Genehmigung zur Ausschachtung des Tunnels gegeben haben. Der Schacht soll innerhalb der nächsten Tage mit Beton aufgefüllt werden. …“

Erwähnenswert ist ansonsten noch, dass der Charlottenburger Gartendirektor Erwin Barth 1924 mehrere Planzeichnungen angefertigt hat, welche für den Platz im zentralen Teil eine unterirdische Nutzung vorsahen, so als Badeanstalt, Halle, oder Messehalle.

Und Maria Curter schrieb in der Berlinische Monatsschrift Heft 3/2001 unter dem Titel: „Wohin mit dem Müll? Straßenreinigung und Müllbeseitigung zwischen 1945 und 1960“:

„Etwa drei Wochen nach Beendigung der Kampfhandlungen in Berlin forderte die sowjetische Militäradministration am 23. Mai 1945 mit dem Befehl Nr. 21 die Berliner Bevölkerung auf, alle Anordnungen der Gesundheitsverwaltung zur »Müllbeseitigung und zur Sauberhaltung der Straßen und Häuser nach besten Kräften zu befolgen, um keine Infektionsherde entstehen zu lassen«…  Am 1. Oktober 1945 wurde die »Groß-Berliner Straßenreinigung und Müllabfuhr« gebildet… Nicht nur das Einsammeln des Mülls war behindert, sondern auch der Ferntransport zu den Deponien. Es mangelte an Eisenbahnwaggons… Deshalb mussten Deponiemöglichkeiten innerhalb der Stadt ausfindig gemacht werden. So bestimmte man einen U-Bahn-Schacht vom Theodor-Heuss-Platz unter der Heerstraße Richtung Spandau als Müllgrube,…“

Welchen Schacht Frau Curter damit meint (Heerstraße 4,4a?), ist mir nicht bekannt.

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Kunstprojekt U-Bahnhof Wehrtechnische Fakultät:

Lesen:
Dann steht neuerdings noch im Raum, dass sich neben der Ruine der Wehrtechnischen Fakultät eventuell ein U-Bahnhof befinden soll. Primärquelle ist der Künstler Herr Markus Wetzel. Auf seiner Webseite weist er mehreremetroMProjekte aus.

Die Vermittlungsplattform URBANSURPRISE, welche die Idee verfolgt, die Disziplinen Architektur und Kunst zu transformieren, schrieb 2016/17 über den Künstler Markus Wetzel und seine metroM Projekte:

Der Ort mit seiner Geschichte und besonderen Merkmalen hat eine grosse Bedeutung für den Künstler Markus Wetzel. In seinen Arbeiten zeichnet er diese Geschichten nach, verformt sie, zerlegt die Fakten und setzt sie neu zusammen. Dadurch ermöglicht er andere Lesearten und Gewichtungen der sogenannten Wirklichkeit.

Der Genius loci einer U-Bahnstation
Der Ort mit seiner Geschichte und besonderen Merkmalen hat eine grosse Bedeutung in Wetzels Arbeiten. Exemplarisch dafür ist beispielsweise eine Serie fiktiver Eingänge zu U-Bahnstationen, die der Künstler unter anderem in Deutschland in Berlin bei einem Tankhaus auf dem Teufelsberg und in Böblingen im Stadtparksee gebaut hat. Dies mit einfachen Mitteln. Der Ort, den Wetzel für sein Berliner U-Bahnprojekt ausgesucht hat, diente ursprünglich als Tarnung für einen Notausgang einer geplanten U-Bahnstation aus der Nazizeit, die unter dem Teufelsberg geplant und womöglich teils auch gebaut wurde. Pläne, Archivdokumente, Fotos und historische Artefakte wie auch geotechnische Daten flossen in das Kunstprojekt ein und untermauerten dessen Geschichte und vermeintlich wissenschaftliche Plausibilität. Auch in dieser Arbeit vermischen sich historische, teilweise manipulierte Versatzstücke mit fiktiven Elementen zu einer anderen Geschichte. Weitere U-Bahnstationseingänge realisierte Wetzel in Akiyoshidai, Japan, und in Gwangju, Süd Korea sowie in Bern.

Markus Wetzel beschreibt sein Projekt selbst wie folgt:

metroM Tankhaus, Teufelsberg Berlin (D)

Tankhaus als Tarnung für Notausgang der U-Bahnstation “Wehrtechnische Fakultät” unter dem Teufelsberg.

Das Projekt Teufelsberg U-Bahn beinhaltet Pläne, Archivdokumente, Fotos und Artefakte der U-Bahn-Station „Wehrtechnische Fakultät“, welche möglicherweise von Albert Speer geplant und eventuell teilweise gebaut wurde. Sie sollte Hitlers Wehrtechnische Fakultät an die große Achse von Germania anbinden. Glücklicherweise kam es nie zur Fertigstellung der Wehrtechnischen Fakultät, aber die Ruine des Rohbaus befindet sich bekanntlich unter dem Teufelsberg, der nach dem Krieg mit Kriegsschutt aufgebaut und dann bepflanzt wurde.
Später wurde der U-Bahn-Anschluss für die Abhöranlage der Alliierten genutzt um vor allem nachts  wahrscheinlich ungesehen Material anzuliefern. Auf dem Teufelsberg selbst ist noch ein tiefer Schacht sichtbar, indem sich ein Lift für die Güter befand und am Fuße südlich des Teufelsberges zeugen zwei kleine Gebäude – eine Relay-Station und ein Tankhaus – davon. Der Tunnelzugang vom Theodor-Heuss-Platz wurde gesprengt und zugemauert.

An sich würde ich dieser Darstellung nicht viel Interesse beimessen. Aber das interessante ist, dass er eine zeitgenössische Quellenangabe macht:

Gefundenes, manipuliertes Buch mit Hinweisen auf den geheimen Notausgang

Dafür gibt er folgende Quelle an:
“gefundenes Buch”:
Erwin Andrew (1932-2005)
Teufelsberg, West Berlin 1957-1960
aus:
American Engineers in Cold War Europe
Mullett-Smith Press, Washington D.C., 1965
(S. 40 – 41)

Unklar ist mir, was „manipuliertes Buch“ bedeutet. Ich bin mir daher im Unklaren darüber, ob es sich um eine „echte“ Quelle, oder ob es sich um eine „künstlerische“ Quelle handelt, also ein Fälschung bzw. eine Suggestion im Rahmen eine Kunstprojekts. Zu prüfen wäre hier zum Beispiel auch, ob die im Plan eingezeichneten Gebäude im Jahr 1965 überhaupt schon so bestanden haben. Leider fehlen mir Unterlagen über die verschiedenen Bestandsübersichten, lediglich dieses Postkartenfoto vermag ich anhand der beiden „Alten Liebe“-Restaurantschiffe auf den Zeitraum um 1970 einzugrenzen, dort wurde das Hauptgebäude mit dem heutigen großen Turm gerade gebaut. Auf der Webseite eines anderen Künstlers, Herrn Brendan Jamison, werden für die Jahre 1966 und 1967 noch andere Ansichten angegeben, wobei es aber natürlich auch sein kann, dass die Jahreszuordnungen dort lediglich geschätzt sind. Auch aus anderen Bildquellen ergibt sich eine Diskrepanz. Eine kleine Belegauswahl habe ich unter Einzeichnung der betreffenden Gebäudekörper in die Galerie eingefügt.

Eine Google-Suche nach dem Buch „American Engineers in Cold War Europe“ führt am 14.05.2017 zu keinem brauchbaren Ergebnis, aber das muss natürlich nichts bedeuten, mittlerweile ist über Google zwar sehr viel zu finden, aber bei weitem nicht alles:

Erwin Andrew“ – „American Engineers in Cold War Europe“ – „Mullett-Smith Press“ – www.mullett-smithpress.com

Das kleine Versorgungsgebäude („Tankhaus“) befindet sich direkt neben bzw. etwas unterhalb des ehemaligen „Weinbergs„. Etwas weiter entfernt befinden sich in etwa in gleicher Höhe zwei (Wasser)Kanalschächte. Selbstverständlich verfügte die große Horchanlage auch über Versorgungsanschlüsse. Von außen vermittelt mir das kleine Gebäude jedoch keinen anderen Eindruck, als das es sich einfach nur um ein Versorgungshäuschen handelt. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die US-Schutzmacht nach ihren Abzug einen Grund dafür gehabt haben könnte, eine etwaige Bunkeranlage zu verheimlichen oder zu zerstören, oder dass es möglich gewesen wäre, eine solche Anlage auf Dauer zu „unterschlagen“…..

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