Wehrtechnische Fakultät und Hochschulstadt

Share Button

1939 ca. Wehrtechnische Fakultaet kleinDie Nationalsozialisten und der Grunewald. Hier stechen mehrere Geschehnisse hervor:

  1. Die Deportation von 50.000 jüdische Menschen, welche von Oktober 1941 – Februar 1945 insbesondere vom Güterbahnhof Grunewald durch den nationalsozialistischen Staat in seine Vernichtungslager deportiert und ermordert wurden. Heute erinnern dort vier Mahnmahle an diese furchtbaren Geschehnisse.
    .
  2. Den Zuzug von Joseph Goebbels (Inselstraße 8-10), Hitlers Leibarzt Theo Morell und Hitlers Genaralbauinspektor Albert Speer (Inselstraße 7) nach Schwanenwerder. Das Grundstück Inselstraße 20–22 wurde von der Reichskanzlei erworben und soll angeblich für Adolf Hitler persönlich reserviert gewesen sein. Außerdem war auf Schwanenwerder auch die Reichsbräuteschule (Inselstraße 38) angesiedelt.
    .
  3. Der komplette Umbau des Grunewaldes zu einem Waldpark.
    Beschrieben 1941 in:
    DER GRUNEWALD:
    SEINE UMGESTALTUNG NACH DEN PLÄNEN DES GENERALBAUINSPEKTORS

    .
  4. Die Nutzung des Hochschulsportplatz im Jagen 60 als Aufmarschstätte und Zeltplatz der Hitler-Jugend.
    .
  5. Der Bau einer Wehrtechnischen Fakultät, dessen Rohbau sich heute unter der ehemaligen Radar-Anlage „Field Station“ der US-Schutzmacht befindet und wo es – nicht bewiesene (!) – Gerüchte gibt, das es dort eine Bunkeranlage oder einen U-Bahnhof für die Besatzung der Radarsation gab. Tatsächlich wurde die Ruine der Wehrtechnischen Fakultät mit dem Ruinen den zerbombten Berliner Häuser zugeschüttet.
    Nachfolgend der Auszug einer sehr gute Beschreibung von Herrn Oliver Ohmann »Die Berliner bauen ihre Berge selber«, veröffentlicht 1999 in der Edition Luisenstadt und mittlerweile schon selbst Geschichte:

Der Teufelsberg –  Geschichtliches – Wehrtechnische Fakultät und Hochschulstadt:

…Im Rahmen des Ausbaus der Ost-West- Achse entstand ab 1937 südlich der Heerstraße, zwischen Postfenn und Hundekehlesee, also dort, wo heute der Teufelsberg ragt, ein Neubau der Technischen Hochschule, das Institutsgebäude der Wehrtechnischen Fakultät, dessen massive Mauerwerkskonstruktionen noch heute unter dem Berg lagern. Einen Steinwurf vom Olympiastadion und dem Messegelände entfernt planten die Nazis darüber hinaus die Errichtung eines riesigen Hochschulzentrums: der Hochschulstadt.

Nicht nur die Berliner Universitäten, auch die angeschlossenen Kliniken (Charité) sowie der Zoologische und Botanische Garten sollten nach Vorstellungen des Generalbauinspektors und späteren Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer (1905–1981), neu errichtet werden. Auf dem Reichssportfeld sollten sich alle Studenten nach antikem Vorbild sportlich betätigen. Hitler hatte die Pläne am 9. März 1937 eingesehen und persönlich bestimmt, daß der Neubau nicht wie ursprünglich geplant an der Franklinstraße, sondern rechts und links der Heerstraße erfolgen sollte. Die Privathäuser rund um den Scholzplatz sollten im Zuge der Neugestaltung abgerissen werden und Hausbesitzer Gelegenheit erhalten, sich auf dem Gelände der Domäne Dahlem anzusiedeln…

…Im Herbst 1937 waren die streng geheimen Pläne für den Neubau weit genug fortge schritten, um die Grundsteinlegung am 27. November vorzunehmen. Sie markiert nicht weniger als den Beginn der Umbauarbeiten zur künftigen Reichshauptstadt »Germania«. In seinen Erinnerungen wird Speer später davon sprechen, daß er Hitlers Größenvorstellungen, zumindest was die Ausdehnung der städtebaulichen Planung anging, um ein Vielfaches übertroffen habe. Hitler hat seine Vorstellungen zur Hauptstadtplanung in seiner Rede zur Grundsteinlegung vorgetragen: »Es ist daher mein unabänderlicher Wille und Entschluß, Berlin nunmehr mit jenen Straßen, Bauten und öffentlichen Plätzen zu versehen, die es für alle Zeiten als geeignet und würdig erscheinen lassen werden, die Hauptstadt des Deutschen Reiches zu sein … Zu dieser heiligen Überzeugung lege ich nun den Grundstein zur Wehrtechnischen Fakultät der Technischen Hochschule in Berlin als dem ersten Bauwerk, das im Vollzug dieser Pläne entsteht. Es soll ein Denkmal werden der deutschen Kultur, des deutschen Wissens und der deutschen Kraft.«

Die Kosten waren sogar für Naziverhältnisse hoch bemessen und sollten allein für die Wehrtechnische Fakultät über 80 Millionen Reichsmark betragen. Für die Hochschulstadt wurde ein für die Hauptstadtplanung beispielloser Architekturwettbewerb ausgeschrieben, über dessen Preisgelder von 100 000 RM jedoch nie entschieden wurde. In den letzten Monaten vor Kriegsbeginn wurde nur der Bau der Wehrtechnischen Fakultät vorangetrieben, bis auch dieser wegen Materialknappheit ins Stocken geriet und schließlich gestoppt wurde.

Göring hatte im Februar 1940 die Einstellung aller kriegsunwichtigen Bauprojekte verfügt; die Wehrtechnische Fakultät blieb Rohbau und erlebte nie eine Lehrveranstaltung. Hitlers Denkmal deutscher Kraft scheiterte wenige Monate nach der Grundsteinlegung an seinen eigenen wahnsinnigen Welteroberungsplänen. Der Krieg hatte, welche Ironie, den Neubau einer Kriegshochschule verhindert!

1950 saß Albert Speer bereits das vierte Jahr im Kriegsverbrechergefängnis Spandau ein. Am 22. Juni notierte der Architekt des Führers in sein Tagebuch: »In diesen Wochen des Jahres 1950 sollte auch der erste Bauabschnitt der neuen Welthauptstadt >Germania< fertiggestellt sein. Als ich 1939 Hitler diesen Termin zusagte, schwärmte er von einer großen Weltausstellung, die 1950 in den noch leeren Bauten veranstaltet werden sollte.«

Hitler hatte die Stadt der Zerstörung preisgegeben, und nun mußten die Überreste weggeräumt werden, um den Neuaufbau zu beginnen. Nachdem im Stadtgebiet zahlreiche Lagerstätten ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hatten, beschloß der Senat die Anlage eines zentralen Restschuttlagerplatzes über dem kaum zerstörten Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät: die Geburtsstunde des Teufelsberges. Seine Aufschüttung dauerte über zwanzig Jahre. 1955 waren fünf Millionen Kubikmeter Schutt von ehemaligen Wohngebäuden abgeladen worden, 1957 bereits zehn Millionen. Von 1950 bis Anfang der 70er Jahre wurde der künstliche Berg aus ca. 26 Millionen Kubikmetern Trümmerschutt auf ein massives Betonfundament gebaut. Befürchtungen, der künstliche Hügel würde im Laufe der Jahre unter seiner eigenen Last nachgeben, erwiesen sich nach geophysikalischen Untersuchungen als unbegründet.

Der Doppelberg mit seinen beiden Gipfeln wurde seit 1952 mit ca. 180 000 Bäumen bepflanzt und Anfang der 60er Jahre teilweise zu alliierter Nutzung abgegrenzt und mit einer provisorischen Radaranlage versehen. Nach dem Mauerbau entstand in den Jahren 1964 bis 1987 in 110 Meter Höhe eine Funkmeßstation. Sie diente den Westalliierten – als Stützpunkt der National Security Agency (NSA) – vor allem dazu, den Funkverkehr der östlichen Nachrichtensysteme zu überwachen. Über den Erfolg der Anlage kann man nur spekulieren. Tatsache ist, daß im März 1972 der Liftbetrieb der Skipiste eingestellt werden mußte, weil er die Funkanlage der NSA störte.

Ausgediente Radarstation und ein Hotelkomplex

Nach der Wiedervereinigung der Stadt rückte der größte Trümmerberg Berlins immer wieder in die Schlagzeilen. Der alliierte Sonderstatus Berlins war am 3. Oktober 1990 aufgehoben worden, die patrouillierenden GIs, die man als Spaziergänger manchmal in ihren Jeeps traf, wurden verlegt, von Osten her waren keine chiffrierten Nachrichten mehr aus dem Äther zu erwarten. Auch der Truppenübungsplatz am Fuße des Trümmerberges hatte ausgedient. Der große Antennenmast wurde im Februar 1995 demontiert, einige der mit Kupfer ausgeschlagenen abhörsicheren Räume der Station sollen als Museum hergerichtet werden. Die von den US-Streitkräften errichtete Radaranlage, die den ehemaligen Westberlinern wie eine Kulisse aus einem Sciencefiction-Film erschien, konnte nun ziviler Nutzung übergeben werden. Die futuristisch anmutende Silhouette sollte nach Senatsplänen nach einem Umbau erhalten bleiben. Zwischen dem Bezirk, dem Senat, Investoren und anderen Interessenten herrschte lange Unstimmigkeit über die zukünftige Nutzung des attraktiven Areals im Grunewald.

Der Bezirk Wilmersdorf und eine Bürgerinitiative stritten lange für den Abriß der Anlage und die Aufforstung des Berges. Im September 1998 wurde dagegen entschieden, daß eine Kölner Unternehmensgruppe Teile der Radarstation in einen Hotelkomplex integrieren wird. Diese hatte schon im Jahr zuvor das Grundstück für 5,2 Millionen DM erworben. Wie zu Kaisers Zeiten waren im Vorfeld auch Waldbefürworter bereit, dem Senat den Berg abzukaufen. Wieder einmal stritt man über Preise und Nutzungskonzepte und einigte sich nicht. (Zwischenzeitlich sollten auf dem Gelände sogar Filmstudios entstehen, berichtete die »Berliner Zeitung« am 3. September 1997.)

Durch eine zukünftige gewerbliche Nutzung befürchtete man – vor allem durch verstärktes Verkehrsaufkommen – großen Schaden für den umliegenden Wald und seine Freizeitstätten. Auf und um den Teufelsberg entstanden seit Beginn der Begrünung außergewöhnliche Möglichkeiten für sportliche Freizeitgestaltung. Das 110 Hektar große Gelände beherbergt heute einen Kletterfelsen des Deutschen Alpenvereins, eine bei tollkühnen Schülern als Todesbahn geliebte und gefürchtete Rodelbahn, den Anlauf einer verfallenen Sprungschanze und eine 380 Meter lange Skipiste, auf der anläßlich der 750-Jahr-Feier der Stadt ein Weltcup-Skirennen veranstaltet wurde, sehr zum Schaden des angrenzenden Strauch und Baumbewuchses. Drachenflieger und Modellflugpioniere schätzen den Teufelsberg ebenso wie unzählige Familien, die alljährlich in der Silvesternacht das Feuerwerk über Berlin bestaunen.

Am 12. April 1947 öffnete die erste Ausstellung nach dem Krieg unter dem Funkturm ihre Pforten, sie trug den Titel »Werte unter Trümmern«. Nach mehr als 50 Jahren können die Berlinerinnen und Berliner vom Trümmerberg am Teufelssee aus bestaunen, wie ihre Insel wieder schönes Festland wird.

.

Die Lage der Wehrtechnischen Fakultät und des geplanten Reichsforstamtes und des Reichsjagdmuseums und weiterer öffentlichen Bauten nach den Umbauplänen des Grunewaldes zu einem Waldpark nach dem Planungsstand vom 01. Februar 1941:

1941-08 Waldpark Grunewald - Die Baukunst - 05 Flaechenplanung Hochschulstadt klein

.

1949 Wehrtechnische Fakultaet a

1955 Hochschulstadt-Teufelsberg-AmtlKarte a klein

Lageplan - WTF - FS

 

 

Von der Wehrtechnischen Fakultät hier noch einige sehr schöne Bilder des Berliner Landesarchives:

1938 WFT Modell1951 WTF Ruine

 

1949 WTF Ruine1951 WTF Truemmerberg

 

2005 ZDF Fernsehfilmbericht
Gefährliche Signale – Feind hört mit – Gab es unter der Field Station eine geheime Bunkeranlage ? (Auszug):

1946 ca - 2005 ZDF - WTF - 2 1946 ca - 2005 ZDF - WTF - 1

 

 

 

Hochschulstadt

Fundstelle: Ruhr-Universität Bochum – Allgemeine Baugeschichte von Universitäten:

„Das Bauvorhaben stand im Zusammenhang mit dem „Gesetz zur Neugestaltung deutscher Städte“ vom 4.10.1937 und ist für Berlin zugleich im Kontext der Bebauung der Ost-West-Achse zu sehen. Bei strikter Vorplanung des damaligen Generalbauinspektors Albert Speer sollte die Hochschulstadt eine Vielzahl repräsentativer und monumentaler Elemente erhalten wie Triumphbogen, Säulen, Kolonnaden und Türme, um als „Tor der Reichshauptstadt“ erkennbar zu sein.“

Ruhr-Universität Bochum: Berlin, Hochschulstadt an der Ost-West-Achse. Vorentwurf der Generalbauinspektion für den Wettbewerb (1937)

Ruhr-Universität Bochum: Berlin, Hochschulstadt an der Ost-West-Achse. Vorentwurf der Generalbauinspektion für den Wettbewerb (1937)

„Trotzdem ist nicht zu übersehen, daß der Gesamtanlage zugleich rationalistische Ideen aus der Moderne der Zwanziger Jahre zugrunde liegen. Aus diesem Grund, nicht wegen der autoritären Formen, weist dieser Plan durchaus Bezüge zur Ruhr-Universität auf.“

Ruhr-Universität Bochum: Berlin, Wettbewerb für die Hochschulstadt (1937), Modellaufnahme

Ruhr-Universität Bochum: Berlin, Wettbewerb für die Hochschulstadt (1937), Modellaufnahme

1937 Hochschulstadt Wettbewerb-2

 

Entwürfe Otto Kohtz, Online beim Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin:

2013-03-30 TU Berlin-Architekurmuseum-Suche Hochschulstadt-Otto Kohtz

 

Zum Bau der Hochschulstadt

1955 Amtl.Karte Hochschulstadt Baracken mit Markierungen2016-05-02 Hochschulstadt Bracken DSC04639 kleinwurden an der verlängerten Harbigstraße Baracken zur Unterkunft der Bauarbeiter (Zwangsarbeiter?) angelegt, dies berichtete ein Anwohner anlässlich eines Info-Abends der Siedlung Eichkamp im Jahr 2009. Fundamentreste dieser Baracken finden sich noch heute auf den Grundstücken einiger Kleingärten an der verlängerten Harbigstraße. Ein Stückchen weiter im Wald, im Jagen 83, befinden sich zwei größere, rechteckige Bodengruben und zahlreiche Ziegelsteinreste, welche auf zwei feste Häuser mit Keller hindeuten. Unmittelbar neben der einen Vertiefung befinden sich im Boden stabile Zementwände.
Im April 2016 erzählte mir Herr Peter Arbeiter, welcher als Kind 1951 mit seinen Eltern in der „Siedlung Heerstraße“ gezogen ist und noch heute in der Kurländer Allee wohnt, dass in der Kriegszeit der ganze Waldgebiet 2016-04-18 Hochschulstadt Baracken DSC04548 kleinan der 2008-04-22 CIMG1040 kleinheutigen Teufelsseechaussee, beginnend von dem Gelände der Waldschule bis zum 1947 angelegten Kleingartenverein Grunewald im Jagen 84 als Munitionslager genutzt wurde und abgesperrt war, dies wäre dann das Gebiet der Jagen 82 und 83.
Am äußersten Zipfel des Geländes der Waldschule befindet sich ein kleiner, mit Ziegelsteinen gemauerter und inzwischen verfallener Revisionsschacht, möglicherweise für (Ab-)Wasser oder Leitungen, welchen ich zunächst nicht weiter zuordnen kann.

3 Kommentare

  • Ein Zentrum der technisch-militärische Studien von großer Bedeutung. Schade, dass es begraben und nicht mehr zu vermitteln Bildung.

    Danke,

    Luis Siabala Valer

  • Joachim hasert

    In der unterhalb des früheren von Bezirksamt Wimersdorf genutzten Weinberges liegt ein Tunnelschacht mit einem geplanten U – Bahnhof mit 2 Seitenbahnsteigen. Hinter dem U-Bahnhof waren eine 4 gleisige Abstellanlage vorhanden. Diese reichen biszur heutigen Auffahrt zur ehemalien Alliirten Anlage. Mein Großvater, der hier Dienst tat, berichtete mir in meiner Kindheit, daß hier Öffnungen waren.Noch vor Kriegsende fuhren hier Armeelaster in den Schacht beladen mit Kisten ein.Er erinnerte sich an eine der Kisten mit der Aufschrift Schloß. Die Laster haben aber nicht wieder heraus. Dies wiederholte sich mehrmals. Danach wurden die Zufahrten gesprengt und alles mit Sand aufgefüllt, um jegliche Spuren zu beseitigen.Mein Opa berichtete mir weiter, dass der Tunnel unter dem Grunewald Richtung der Straße am Postfenn verlaufen soll. Wippe ich mit meinen Schuhen fängt der Untergrund an zu schwingen. Offensichtlich ein Anzeichen dafür, dass dort etwas ist. Woauf ich mir keinen Reim machen kann, an der Oberfläche alte Kabelmarkierungen sichtbar. Die Versorgungsleitungen zu ehemaligen Wasserwerk verliefen immer parallel heutigen Teufelsseechaussee.Die BVG hüllt sich in Schweigen, nichts von dem Tunnel zu wissen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.