{"id":10340,"date":"2016-09-27T21:17:11","date_gmt":"2016-09-27T20:17:11","guid":{"rendered":"http:\/\/forst-grunewald.de\/?p=10340"},"modified":"2018-12-16T19:26:46","modified_gmt":"2018-12-16T18:26:46","slug":"berliner-wildschweine-die-einen-treu-im-kiez-die-anderen-aus-dem-umland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forst-grunewald.de\/?p=10340","title":{"rendered":"Berliner Wildschweine: Die einen treu im Kiez, die anderen aus dem Umland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>In Berlins Stadtw\u00e4ldern gibt es isolierte Wildschweinpopulationen und es gibt st\u00e4dtische Wildschweine, die aus l\u00e4ndlichen Gebieten stammen. Das ist das verbl\u00fcffende Ergebnis der Kooperationsstudie des Leibniz-Instituts f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, dem Landeslabor Berlin Brandenburg und dem Naturkundemuseum Luxemburg. Im Rahmen einer Leibniz-IZW Doktorarbeit, die von National Geographic und der Stiftung Naturschutz Berlin unterst\u00fctzt wird, untersuchten die Forscher genetische Daten von 387 ausgewachsenen Wildschweinen aus Berlin und seinem Umland. Die ersten Forschungsergebnisse wurden jetzt im \u201eJournal of Applied Ecology\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Infolge der weltweiten Urbanisierung leben immer mehr Wildtiere in St\u00e4dten, auch in Berlin, das auch als Hauptstadt der Wildschweine bekannt ist. Vier Forstgebiete decken 20 % des Berliner Stadtgebiets\u00a0 mit gro\u00dffl\u00e4chigen W\u00e4ldern ab, ideal f\u00fcr Wildtiere aller Art. Wildschweine leben allerdings nicht nur in den Stadtw\u00e4ldern, sondern werden auch regelm\u00e4\u00dfig in innerst\u00e4dtischen Parks oder G\u00e4rten gesichtet und bringen dort sogar Frischlinge auf die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urbane Strukturen k\u00f6nnten zu \u201eInsel\u201cpopulationen f\u00fchren, die durch wenige Gr\u00fcndertiere etabliert werden und danach keinen Austausch mit l\u00e4ndlichen Populationen mehr haben. Alternativ, so eine andere Idee, k\u00f6nnten urbane Gebiete Abwanderer aus dem l\u00e4ndlichen Raum auffangen und bei einem kontinuierlichen Austausch zwischen Stadt und Land eine gemeinsame genetische Struktur behalten. Bislang war unklar, wo die Berliner \u201eStadtschweine\u201c herkommen. Handelt es sich um Abwanderer aus den benachbarten Stadtw\u00e4ldern oder aus dem l\u00e4ndlichen Umland? Entwickelten sich daraus isolierte Teilpopulationen oder gibt es weiterhin einen Austausch \u00fcber die Landesgrenzen? Um diese Fragen zu beantworten, sammelten die Forscher Gewebeproben von 387 Wildschweinen aus Berlin und Brandenburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u00dcberraschenderweise handelt es sich bei den Wildschweinen der Berliner Stadtw\u00e4lder um drei isolierte Populationen, die im Kerngebiet des Grunewalds, im Tegeler Forst sowie im K\u00f6penicker Forst vorkommen. Hingegen bilden die Wildschweine aus Pankow, dem vierten Forstgebiet Berlins, eine zusammenh\u00e4ngende Population mit den untersuchten Brandenburger Wildschweinen\u201c, sagt die Doktorandin Milena Stillfried, die die Studie durchf\u00fchrte. Ihre Analysen zeigen, dass es mindestens zwei unabh\u00e4ngige Besiedlungsprozesse der Stadtw\u00e4lder gegeben haben muss, einmal im Grunewald und einmal in K\u00f6penick. Die dritte Population im Tegeler Forst ist aus der benachbarten Population im Grunewald entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBesonders verbl\u00fcffend ist die Tatsache, dass Wildschweine aus dem innerst\u00e4dtischen Bereich aus Brandenburg und nicht aus den Stadtw\u00e4ldern stammen\u201c, erkl\u00e4rt Stillfried. Somit lassen sich in Berlin zwei Urbanisierungsprozesse beobachten. Zum einen entstehen isolierte Populationen in den Stadtw\u00e4ldern, zum anderen fungiert der Siedlungsbereich als Auffangbecken f\u00fcr die Brandenburger Landpopulation. \u201eNie h\u00e4tten wir erwartet, dass sich urbane Strukturen eins zu eins in der genetischen Struktur der Wildschweinpopulationen abbilden\u201c, so die Initiatorinnen des neuen Forschungsschwerpunktes \u201eUrbane Wildtier\u00f6kologie\u201c, Stephanie Kramer-Schadt und Sylvia Ortmann, die diese Initiative 2012 am Leibniz-IZW ins Leben gerufen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offensichtlich verstehen es die flexiblen und anpassungsf\u00e4higen Tiere, sich neue, st\u00e4dtische Lebensr\u00e4ume erschlie\u00dfen. W\u00e4hrend Wildschweine in l\u00e4ndlichen Gebieten scheu sind und Begegnungen mit Menschen meiden, finden Wildschweine in der Stadt Lebensr\u00e4ume in unmittelbarer N\u00e4he zum Menschen und verlieren ihre Scheu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genetische Muster sind oft durch Landschaftsstrukturen beeinflusst. Ist es also denkbar, dass die isolierten Populationen im Grunewald und in Tegel ein Ergebnis der Berliner Mauer, also der Berliner Geschichte sind, die m\u00f6glicherweise auch eine un\u00fcberwindbare Grenze f\u00fcr Wildtiere darstellte? Nun, auch im K\u00f6penicker Forst, der nicht durch eine Mauer abgetrennt war, fand ebenfalls ein Urbanisierungsprozess der Wildschweine statt, der zu einer isolierten Population f\u00fchrte, so dass die Berliner Mauer als alleiniger Erkl\u00e4rungsgrund f\u00fcr die Entwicklung der Struktur der Wildschweinpopulationen nicht ausreicht. Eine andere Erkl\u00e4rung ist naheliegender: Die Kerngebiete der isolierten urbanen Populationen sind zum gro\u00dfen Teil von landschaftlichen Barrieren wie gro\u00dfen Stra\u00dfen und Wasserl\u00e4ufen eingegrenzt, die die Mobilit\u00e4t der Wildschweine in alle Richtungen erschweren k\u00f6nnten \u2013 obgleich Wildschweine durchaus Stra\u00dfen \u00fcberqueren k\u00f6nnen und als gute Schwimmer gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wildschweine in urbanen Gebieten sind bekannt f\u00fcr die Sch\u00e4den, die sie bei der Nahrungssuche auf privaten und \u00f6ffentlichen Gr\u00fcnanlagen verursachen. Viele B\u00fcrgerInnen haben auch Angst vor den eigentlich meist friedlichen Wildschweinen. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Populationsstruktur der Wildschweine in Berlin und Brandenburg werden zum Verst\u00e4ndnis von Prozessen der Urbanisierung von Wildtieren beitragen und die Beh\u00f6rden in ihren Bem\u00fchungen unterst\u00fctzen, Konflikte m\u00f6glichst zu minimieren. Diese Studie wird teilweise aus Mitteln der Jagdabgabe finanziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Publikation:<\/p>\n<p>Stillfried M, Fickel J, B\u00f6rner K, Wittstadt U, Heddergott M, Ortmann S, Kramer-Schadt S, Frantz A (2016): Do cities represent sources, sinks or isolated islands for urban wild boar population structure? Journal of Applied Ecology. DOI: 10.1111\/1365-2664.12756.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Quelle: <\/strong>Leibniz-Institut f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung (IZW)\u00a0 im Forschungsverbund Berlin e.V., <a href=\"http:\/\/www.izw-berlin.de\/pressemitteilung\/berliner-wildschweine-die-einen-treu-im-kiez-die-anderen-aus-dem-umland.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung vom 26.09.2016<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlins Stadtw\u00e4ldern gibt es isolierte Wildschweinpopulationen und es gibt st\u00e4dtische Wildschweine, die aus l\u00e4ndlichen Gebieten stammen. 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