{"id":10332,"date":"2017-04-13T21:06:52","date_gmt":"2017-04-13T20:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/forst-grunewald.de\/?p=10332"},"modified":"2018-12-13T21:59:31","modified_gmt":"2018-12-13T20:59:31","slug":"staedtische-wildschweine-bevorzugen-natuerliche-nahrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forst-grunewald.de\/?p=10332","title":{"rendered":"St\u00e4dtische Wildschweine bevorzugen nat\u00fcrliche Nahrung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anders als vermutet kommen Wildschweine nicht nach Berlin, um dort M\u00fclleimer zu pl\u00fcndern oder andere Nahrungsquellen aus menschlicher Herkunft zu nutzen. Im Gegenteil, auch Stadtschweine ern\u00e4hren sich vorzugsweise von nat\u00fcrlichen Ressourcen. Das ist das \u00fcberraschende Ergebnis einer Studie des Leibniz-Instituts f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung (IZW), die von National Geographic und der Stiftung Naturschutz Berlin unterst\u00fctzt wurde. Die ForscherInnen untersuchten M\u00e4gen von 247 Wildschweinen aus Berlin und dem Umland. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der wissenschaftlichen Zeitschrift \u201ePLOS ONE\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer mehr Wildtiere leben in St\u00e4dten, auch in Berlin, das als \u201eHauptstadt der Wildschweine\u201c bekannt ist. Aufgeteilt in vier Forstgebiete sind 20 % des Berliner Stadtgebiets von gro\u00dffl\u00e4chigen W\u00e4ldern bedeckt, ideal f\u00fcr Wildtiere aller Art. Allerdings leben Berliner Wildschweine nicht nur in diesen Stadtw\u00e4ldern, sondern werden auch regelm\u00e4\u00dfig in innerst\u00e4dtischen Parks oder G\u00e4rten gesichtet und bringen dort sogar Frischlinge auf die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wildschweine sind Allesfresser und bekannt f\u00fcr ihre hohe Flexibilit\u00e4t bei der Nahrungssuche; die aufgenommene Nahrung spiegelt in der Regel die Verf\u00fcgbarkeit von Nahrungsquellen im untersuchten Lebensraum wider. Bislang wurde angenommen, dass sie vor allem durch ein attraktives Nahrungsangebot wie Kompost, sonstiger Abfall oder auch direkte F\u00fctterung durch Anwohner in die Siedlungen gelockt werden. Derartige Beobachtungen wurden bereits bei anderen Wildtieren wie Schwarzb\u00e4ren in Nordamerika, Makaken in Indien und F\u00fcchsen in urbanen Lebensr\u00e4umen in Europa gemacht. Um diese Vermutung auch bei Berliner Wildschweinen zu \u00fcberpr\u00fcfen, sollten die Zusammensetzung und der Energiegehalt ihrer Nahrung im Vergleich zu l\u00e4ndlichen Wildschweinen aus Brandenburg untersucht werden. Die ForscherInnen beprobten dazu 247 M\u00e4gen von gejagten Wildschweinen und analysierten die Landschaftsstrukturen an den Sammelorten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u00dcberraschenderweise fressen Wildschweine in Berlin und Brandenburg fast ausschlie\u00dflich nat\u00fcrliche Nahrungsmittel, vorrangig Eicheln, Engerlinge, Fasern oder auch Mais, w\u00e4hrend Nahrungsmittel aus direkter menschlicher Herkunft nur einen Bruchteil ausmachen. So waren nur in vier von 247 M\u00e4gen Brot mit Wurst und K\u00e4se und in weiteren f\u00fcnf M\u00e4gen Plastikpartikel\u00a0 zu finden\u201c, berichtet Leibniz-IZW Doktorandin Milena Stillfried, die die Studie durchf\u00fchrte. Ihre Analysen zeigen, dass es trotzdem Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt. Stadt und Land unterscheiden sich in der Landschaftsstruktur und damit auch in der Verf\u00fcgbarkeit nat\u00fcrlicher Nahrung; so gibt es in Berlin beispielsweise mehr masttragende Mischw\u00e4lder in denen die Wildschweine mehr Eicheln oder Bucheckern finden, w\u00e4hrend in Brandenburg, neben landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen, eher \u201enahrungsarme\u201c Kiefernw\u00e4lder dominieren. Der Energiegehalt der im Magen gefundenen Nahrung war in Berlin h\u00f6her als in Brandenburg, was vermutlich auf die erh\u00f6hte Aufnahme von Eicheln zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Analysen von Makron\u00e4hrstoffen wie Protein, Fett, St\u00e4rke oder der Fasergehalt zeigen, dass nicht das Stadt- oder Landleben an sich, sondern die Zusammensetzung der Landschaft innerhalb des Streifgebiets eines Wildschweins die Nahrungsqualit\u00e4t bestimmt. So wurden beispielsweise erh\u00f6hte St\u00e4rkewerte in Mageninhalten nachgewiesen, wenn ein Gro\u00dfteil der durchstreiften Fl\u00e4che landwirtschaftlich genutzt wurde, w\u00e4hrend der Proteingehalt der Nahrung in Nadelw\u00e4ldern stark abfiel. Wildschweine in l\u00e4ndlichen Gebieten profitierten teilweise von menschlich gepr\u00e4gten, urbanen Landschaftsstrukturen, da in l\u00e4ndlichen Gebieten mit hoher Fl\u00e4chenversiegelung energiereichere Mageninhalte gefunden wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Wildschweine im l\u00e4ndlichen Gebiet Begegnungen mit Menschen meiden, lernen sie in der Stadt, dass vom Menschen oftmals keine direkte Gefahr ausgeht und sie auch in unmittelbarer N\u00e4he zu menschlichen Behausungen geeignete Lebensr\u00e4ume und Nahrung finden k\u00f6nnen. Noch nutzen sie auch in der Stadt eher nat\u00fcrliche Lebensr\u00e4ume, aber wie lange noch? \u201eAufgrund der hohen Lernf\u00e4higkeit der Wildschweine ist es wichtig, sie nicht zu f\u00fcttern und Kompostbeh\u00e4lter sowie M\u00fclleimer zu sichern, da Wildschweine mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Ressourcen aus menschlicher Herkunft zur\u00fcckgreifen, falls sie einfach zug\u00e4nglich sind oder nat\u00fcrliche Nahrungsressourcen knapp werden\u201c, so die Initiatorinnen des neuen Forschungsschwerpunktes \u201eUrbane Wildtier\u00f6kologie\u201c, Stephanie Kramer-Schadt und Sylvia Ortmann, die diese Initiative 2012 am Leibniz-IZW ins Leben gerufen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um Konflikte langfristig zu vermeiden, sollte sich die st\u00e4dtische Bev\u00f6lkerung an gewisse Regeln halten. Wildschweine in urbanen Gebieten sind bekannt f\u00fcr wiederholt auftretende Sch\u00e4den an privaten und \u00f6ffentlichen Gr\u00fcnanlagen, die sie bei der Nahrungssuche verursachen. Viele B\u00fcrgerInnen haben Angst vor den eigentlich friedlichen Wildschweinen. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Ern\u00e4hrungsweise der Wildschweine in Berlin und Brandenburg tragen zum Verst\u00e4ndnis von Prozessen der Urbanisierung bei. F\u00fcr die Beh\u00f6rden k\u00f6nnte die aktuelle Studie eine wichtige Datengrundlage f\u00fcr einen verbesserten Umgang mit Mensch und Wildtier sein.<\/p>\n<p>Publikation:<\/p>\n<p>Stillfried M, Gras P, Busch M, B\u00f6rner K, Kramer-Schadt S, Ortmann S (2017): Wild inside: urban wild boar select natural, not anthropogenic food resources. PLOS ONE.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pone.0175127\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pone.0175127<\/a><\/p>\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Leibniz-Institut f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V., <a href=\"http:\/\/www.izw-berlin.de\/pressemitteilung\/wildes-herz-staedtische-wildschweine-bevorzugen-natuerliche-nahrung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung vom 13.04.2017<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anders als vermutet kommen Wildschweine nicht nach Berlin, um dort M\u00fclleimer zu pl\u00fcndern oder andere Nahrungsquellen aus menschlicher Herkunft zu nutzen. 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