{"id":576,"date":"2012-06-03T16:16:57","date_gmt":"2012-06-03T16:16:57","guid":{"rendered":"http:\/\/forst-grunewald.de\/wordpress\/?page_id=576"},"modified":"2019-05-25T10:43:19","modified_gmt":"2019-05-25T09:43:19","slug":"friedhof-grunewald-forst","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/forst-grunewald.de\/?page_id=576","title":{"rendered":"Friedhof: Grunewald-Forst"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/wp-content\/uploads\/1890-Friedhof-der-Namenlosen-klein.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-629\" title=\"1890 Friedhof der Namenlosen-klein\" src=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/wp-content\/uploads\/1890-Friedhof-der-Namenlosen-klein.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"352\" srcset=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/wp-content\/uploads\/1890-Friedhof-der-Namenlosen-klein.jpg 900w, https:\/\/forst-grunewald.de\/wp-content\/uploads\/1890-Friedhof-der-Namenlosen-klein-150x97.jpg 150w, https:\/\/forst-grunewald.de\/wp-content\/uploads\/1890-Friedhof-der-Namenlosen-klein-300x195.jpg 300w, https:\/\/forst-grunewald.de\/wp-content\/uploads\/1890-Friedhof-der-Namenlosen-klein-400x260.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a>Ein etwas \u201cseltsamer\u201d Ort. Mitten im Wald, vor weit \u00fcber 100 Jahren angelegt, weit entfernt von der Stadt und somit in Einsamkeit, ein kleiner Friedhof.<\/p>\n<p>Schon <a href=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/?page_id=361\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fontane<\/a> erw\u00e4hnt <strong>1894<\/strong> (Seiten 12\/13) den Friedhof:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">&#8222;<em>Vom Teufels-See verfolgen wir die bisherige Richtung, \u00fcberschreiten sehr bald den breiten Pichelsberg-Paulsborner Weg &#8230; und haben demn\u00e4chst eine ziemlich steile Anh\u00f6he zu erklimmen. Nach 10 Min. weiterer Wanderung sehen wir rechts durch die Kiefern ein schwarzes Bretterh\u00e4uschen auf einer Lichtung stehen. Dieses H\u00e4uschen dient zum Aufbewahren der Spaten und Hacken, mit denen auf dem dort gelegenen Kirchhofe denjenigen die letzte Ruhest\u00e4tte bereitet wird, welche im Bereiche des Grunewalds, d. h. also innerhalb des Amtsbezirks &#8222;Spandauer Forst&#8220;, freiwillig aus dem Leben gegangen sind. Um diesem Selbstm\u00f6rderkirchhof, wie der Friedhof im Allgemeinen genannt wird, einen Besuch abzustatten, wenden wir uns bei dem Baume rechts am Wege, mit den beiden nach Schildhorn und nach dem Spandauer Berg zeigenden Wegweisern, nach rechts (Spandauer Berg) und sehen nach wenigen hundert Schritten zu unserer rechten das Schwarze H\u00e4uschen wieder liegen.<br \/>\nDer Friedhof wurde Mitte der achtziger Jahre von der Forstverwaltung angelegt. Inzwischen hat sich die stille Gemeinde von Jahr zu Jahr vermehrt und mancher Lebensm\u00fcde hat hier untzer dem Schatten der immergr\u00fcnen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kiefern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">F\u00f6hren<\/a> die Ruhe gefunden, die er im Leben vergeblich suchte.&#8220;<br \/>\n<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/?page_id=676\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Berdrow<\/a> hat den Friedhof <strong>1902<\/strong> wie folgt beschrieben:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">ein \u201c<em>Plateau, in dessen Mitte der Friedhof der Namenlosen liegt, die letzte Ruhestatt derer, die, matt vom fruchtlosen Ringen mit den leiden oder den R\u00e4tsels des Daseins, das Leben hier in der Waldeinsamkeit von sich warfen.<\/em>\u201d<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/?page_id=583\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schmook<\/a> widmete dem Friedhof auf den Seiten 80 &#8211; 96 sogar ein ganzes Kapitel: \u201c<strong>Der Spuk vom Friedhof der Namenlosen<\/strong>\u201d.<br \/>\nHier einige Ausz\u00fcge:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">\u201c<em>Im nordwestlichen Teile der Revierf\u00f6rsterei Eichkamp befand sich im Grunewald eine umhegte St\u00e4tte, von der der Volksmund nur mit einer gewissen Scheu sprach: Inmitten des Kiefernwaldes, unweit von Schildhorn, lag dort der letzte Ruheplatz all derer, die freiwillig und unerkannt als Strandgut des Lebens von Havelwellen angesp\u00fclt, aus einem der Grunewaldseen gezogen oder in den Dickungen gefunden worden waren&#8230;&#8230;Auch namenlose Verungl\u00fcckte befanden sich darunter&#8230;.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>Das Volk aber nannte den Ort \u201c<strong>Selbstm\u00f6rderfriedhof<\/strong> und machte, wenn es ging, einen Bogen drum herum. Denn ganz geheuer sollte es dort nicht sein! Leute, die in der D\u00e4mmerung von Schildhorn am Friedhof vorbeigekommen waren, wollten auf ihm geheimnisvolle Schatten huschen gesehen und seltsame Ger\u00e4usche geh\u00f6rt haben&#8230;&#8230;Gewi\u00df gingen die Ruhelosen in Nacht und D\u00e4mmern dort um&#8230;&#8230;<\/em>\u201d<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">Um dann f\u00fchrt Schmook weiter aus, dass diese Ger\u00e4usche von \u201c<em>Wilden Kaninchen, M\u00e4usen, Ratten, Sperber, Habicht, K\u00e4uze, Eulen, F\u00fcchse, Katzen, Marder, Iltisse, Hermeline, Igel und Spitzm\u00e4use<\/em>\u201d ausgingen. Dadurch, dass dieser Ort in der Nacht von den Menschen gemieden wurde, konnte sich dort also in der D\u00e4mmerung und in der Nacht ein kleines Biotop entwickeln. Gemessen an den Ausf\u00fchrungen von Schmook war der Grunewald damals ein \u00e4u\u00dferst beliebtes Ausflugsgebiet und vermutlich waren die Tiere froh, dort ein R\u00fcckzugsgebiet zu haben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">Schmook berichtet dann weiter, dass er sich eines Nachts im Friedhof auf die Pirsch legte und dort auf einen Wilddieb traf, der dort Kaninchen fing.<br \/>\nAnsonsten widmet sich Schmook in diesem Kapitel ausf\u00fchrlichst von seiner Jagd nach einem\u00a0 \u201cBock\u201d, welcher dort sein Revier hatte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">\u201c<em>Vor mir \u00fcberf\u00e4llt auf hundert Meter der Bock den Weg. Runter vom Rade, weg damit! B\u00fcchse herunter, entsichert!<br \/>\nDort trollt der Bock! Hintergel\u00e4nde frei? Ja, da\u00df Gel\u00e4nde steigt an, im raumen Altholz ohne Unterwuchs ist kein Mensch zu sehen!<br \/>\nBock, Kiefer, Kiefer, Bock&#8230;&#8230;Mautz!<br \/>\nUnd w\u00e4hrend der Abnorme dr\u00fcben die letzte Steilflucht macht, sage ich: \u201cUff!\u201d und wische mir mit dem Taschentuche den Schwei\u00df aus Gesicht und nacken&#8230;.. &#8211;<br \/>\nWild schl\u00e4gt mein Herz&#8230; Aber ich sah das Zeichnen, die Kugel fa\u00dfte Leben! &#8211;<br \/>\nIch hole mein Rad und schiebe es durch den Bestand. &#8211; Dort in einer Senke liegt der Bock verendet&#8230;!<\/em>\u201d&#8216;<br \/>\nUnd dann wird Schmock fast schon melancholisch:<br \/>\n\u201c<em>Ja, das ist ein Geh\u00f6rn, das sich sehen lassen kann! Unsch\u00f6n, aber stark, fast kapital, und interessant!<br \/>\nAlter Bursche, acht= bis neunj\u00e4hrig! Feist und schwer! Die Verlegung und die Enden! Und erst die starken Rosen, die ich nicht umspannen kann mit einer Hand!&#8230;<br \/>\nJahrelang hat das Geh\u00f6rn, das den Neid meines Dienstvorgesetzten erregte, in Augenh\u00f6he \u00fcber meinem Schreibtische gehangen, wo immer ich auch meine Zelte aufschlug&#8230;<br \/>\nImmer wieder hat es mir zugenickt und geraunt: \u201cWei\u00dft du noch? Damals, als du auf dem Rade ein Wettrennen mit mir veranstaltest&#8230;?\u201d Den &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.. , die es mir raubten, hatte es nichts zu sagen. Vielleicht haben sie es, wie meine B\u00fccherei, zertrampelt, verbrannt&#8230;&#8230;Vielleicht auch ist es verkauft, zu einem Messergriff oder dergleichen verarbeitet, oder aber es h\u00e4ngt an fremder Wand und erz\u00e4hlt niemanden mehr etwas vom einstigen Grunewald, vom Friedhof der Namenlosen&#8230;Denn die Sprache der Geh\u00f6rne versteht nur der Eingeweihte am besten, der Erleger des Bockes selbst&#8230;..<\/em>\u201d<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">\u00dcber das Jagen f\u00fchrt Schmook weiter aus:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">\u201c<em>In Forstkreisen ist wohlbekannt, da\u00df man die Dienstfreudigkeit der Forstbeamten durch Gew\u00e4hrung von Jagdm\u00f6glichkeiten unbedingt hebt. <\/em>\u201c Und \u201c<em>der jagdlose Forstbeamte wird doch nicht immer vor Tau und Tage drau\u00dfen sein und bis in die Nacht hinein, weil ein gewisser Anreiz f\u00fcr ihn fehlt. Das sollen die Stadtv\u00e4ter wohl bedenken, die weniger Silberlinge wegen unbedenklich die Jagd der Gemeinde, der Stadt, an Fremde verpachten und damit ihren Forstbeamten eine Freude, einen gesunden Anreiz nehmen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, es waren damals andere Zeiten und ich hoffe sehr, dass die heutigen F\u00f6rster diesen Anreiz nicht ben\u00f6tigen und das Erlegen von Wild eher als ein notwendigen \u00dcbel verstehen, als eine Freude! Und wie Menschen, die ohne von Berufswegen dazu verpflichtet sind, freiwillig Tiere t\u00f6ten k\u00f6nnen, verstehe ich eh nicht und habe daf\u00fcr auch kein Verst\u00e4ndnis!!!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber zur\u00fcck zum Friedhof. Im April 2008 war ich auf dem Friedhof und habe mir die Gr\u00e4ber mal genauer angeschaut. Zum einen befinden sich dort f\u00fcnf h\u00f6lzernen Andreaskreuze mit kyrillischen Inschriften, welche laut <a id=\"Text59Link3\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedhof_Grunewald-Forst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>\u00a0 an die Beerdigung von f\u00fcnf zarentreuen Russen, die sich aus Kummer \u00fcber den Sieg der Bolschewisten im Jahr 1917 selbst get\u00f6tet hatten und dann aus der Havel gefischt worden waren, erinnern. Zum anderen fiel mir besonders das Grab eines Ehrenb\u00fcrgers auf, dessen Grabinschrift mich sofort an die lebendigen Ausf\u00fchrungen des ehemaligen Grunewaldforstmeisters <a href=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/?page_id=583\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alexander Schmook<\/a> erinnerten:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Willi Schulz<br \/>\nOberf\u00f6rster des Grunewalds<br \/>\ngeb. 31.10.1881 (?)<br \/>\nverst. 20.12.1928 (?)<br \/>\n<strong>Jagd vorbei !<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <a href=\"www.bundesarchiv.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bundesarchiv<\/a> befinden sich \u00fcber den Friedhof folgende Bilder:<br \/>\nNummer <a href=\"http:\/\/www.bild.bundesarchiv.de\/dev02\/barchpic\/2007\/06-29\/80\/b4\/3e\/athene-5choixl9a901i0p1saic_layout.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">102-10667<\/a>,\u00a0 <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/21\/Bundesarchiv_Bild_102-12196%2C_Berlin-Grunewald%2C_Friedhof_f%C3%BCr_Selbstm%C3%B6rder.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">102-12196<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.bild.bundesarchiv.de\/dev01\/barchpic\/2007\/09-14\/79\/07\/5b\/athene-5gdxhserbq0k8cpj1pq_layout.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">102-112197<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bild.bundesarchiv.de\/dev03\/barchpic\/2007\/11-08\/67\/fb\/b8\/athene-5hb8966iavc2vivm7y1_layout.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">102-12499<\/a><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2009 war der Friedhof auch Gegenstand der rpp-Reportage &#8222;<a href=\"https:\/\/forst-grunewald.de\/?page_id=243\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bilderbuch Grunewald<\/a>&#8222;.<\/li>\n<li>Berliner Zeitung, 19.11.2018: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/berlin\/-schandacker--im-grunewald-der-friedhof-fuer-selbstmoerder-31608710\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSchandacker\u201c im Grunewald &#8211; Der Friedhof f\u00fcr Selbstm\u00f6rder<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier meine eigenen Bilder:<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein etwas \u201cseltsamer\u201d Ort. 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