Hochschulsportplatz im Jagen 60

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2011-10-09 DSC06037 HeaderMit meinem „Lauftreff Grunewald“ habe ich den Platz auf dem Weg zum Dahlemer Feld oder zum Franzosenweg oft überlaufen und erst später angefangen, mir etwas Gedanken über diesen mitten im Wald gelegenen und somit etwas merkwürdigen “Bolzplatz” zu machen.

Denn wer sich heute den Ort anschaut muss zweimal hinschauen um zu erkennen, dass es einmal eine etwas größere Anlage war. Von dem ehemaligen Sportplatz ist heute nur noch ein Bolz-Fußballplatz erkennbar, welcher aber vom Geländezustand her nicht mehr als solcher genutzt werden kann, da man sich dort sofort die Füße verstauchen würde, weil der Boden uneben ist. Auf dem Platz stehen – und das ist das markanteste Merkmal – zwei Fußballtore, jedenfalls sollen dies die aus alten Baumstämmen zusammengesetzten und mit stabilen Zaundraht bespannten Tore symbolisieren. Eines der Tore war im Oktober 2011 sogar neu bespannt. Irgendjemand hält also die Erinnerung daran wach, dass dies einmal ein Sportplatz war.

  • Am östlichen Kopfteil des Platzes steht, versteckt hinter Bäumen und Büschen, ein Wohnhaus, welches etwa aus dem Jahr 1920 stammt.
  • Das es nördlich von diesem Wohnhaus einmal weitere Gebäude gab, ist aus mehreren rechteckigen Bodenkuhlen ersichtlich.
  • Der Sportplatz selbst ist an den beiden Stirnseiten, sowie an der südlichen Längsseite, von einem kleinen Sandwall umgeben.
  • An der westlichen Stirnseite, also auf der gegenüberliegenden Seite, wo das Wohnhaus steht, befindet sich im Wald ebenfalls eine rechteckige Bodenkuhle.
  • An der gesamten nördlichen Längsseite erschließt sich ein hübsches, lichtdurchflutetes Wäldchen aus Birken und Kiefern. Dieses Wäldchen hat in etwa die Größe des ehemaligen Sportplatzes und ist an seinen Rändern durch in Reihe gepflanzte Eichen vom umliegenden Wald, so ist auch heute noch sichtbar, abgegrenzt.

Alten Karten ist zu entnehmen, dass es sich bei diesen Ort um einen ehemaligen Sportplatz der Berliner Hochschulen handelt. Um welche Hochschulen, ist mir bisher nicht bekannt. Vielleicht u.a. die “Deutsche Hochschule für Leibesübungen” in Berlin, aber das ist spekulativ, denn diese wurde erst 1920 gegründet, während auf meinen Karten der Platz bereits ab 1918 auftaucht (1910 noch nicht).

Herausgefunden habe ich, dass der Platz außerdem während der Zeit des Nationalsozialismus umfangreich von der Hitlerjugend als Zeltlager genutzt wurde. In einem Stadtplan aus dem Jahr 1981 habe ich außerdem die Bezeichnung “Jugend-Zeltplatz” gefunden, nachdem in alten Karten verschiedentlich auch “Spielplatz” genannt wird.

In den mit vorliegenden Karten nach ca. 1933 taucht der Name “Hochschulsportplatz” jedoch nicht mehr auf. In einer Debatte im Berliner Abgeordnetenhaus vom 02. August 1955 wird hingegen der Sportplatz im Jagen 82 als Hochschulsportplatz bezeichnet (Zitat: “…der ehemalige Hochschulsportplatz Charlottenburg, der jetzt nicht einheitlich genutzt ist und im wesentlichen alte Barackenfundamente aufweist…”). Heute wird die Sportanlage im Jagen 82 (verlängerte Harbigstraße) von TuS MAKKABI genutzt und trägt den Namen Julius-Hirsch-Sportanlage.

Pure Vermutung meinerseits, aber vielleicht mussten die Hochschüler im Dritten Reich den Platz im Jagen 60 räumen bzw. in den Jagen 82 umziehen, weil die direkt im Grunewald gelegene Anlage von der Hitlerjugend benötigt wurde? Die drei Fotos unten zeigen jedenfalls, dass der Platz während der Belegung durch die Hitlerjugend wohl kaum noch durch eine Hochschule genutzt werden konnte.

Falls jemand mehr darüber weiß …..

 

Hitlerjugend und Opera Nazionale Balilla

Lesen:

  • 1933 – „Eine große Skagerrak-Gedächnisfeier des Großdeutschen Bundes fand unter Anwesenheit des Stabschefs der Hochseeflotte und Führers des Großdeutschen Bundes, Exzellenz v. Trotha vor 2.000 Jungen des Großdeutschen Bundes im Zeltlager der Jugend in Berlin-Grunewald statt.”

Leider sind diese Bilder aus dem Bundesarchiv nicht kostenfrei, daher hier nur der nicht erlaubnispflichtige Direktlink:

Bild 102-14640: „Vorbeimarsch der Großdeutschen Jugend vor ihrem Führer Exzellenz v. Trotha, anläßlich der Skagarrak-Gedächnisfeier.“
Bild 102-14639: „
Exzellenz v[on]. Trotha, schreitet die Front der bündischen Fahnen und Standarten ab.“
Bild 102-02353A: „
Eine große Skagerrak-Gedenkfeier des Großdeutschen Bundes, fand unter Anwesenheit des Stabschef der Hochseeflotte und Führers des Großdeutschen Bundes Exzellenz v[on]. Trotha vor 2000 Jungen des Großdeutschen Bundes im Zeltlager der Jugend in Grunewald statt !“
Bild 102-14641: „
Lagerleben in der Zeltstadt der bündischen Jugend im Grunewald, wo 2000 Jungen in 150 Zelten ein buntes Lagerleben führen.“

  • 1934 –  “Sportfest der Hitlerjugend auf dem Hochschulsportplatz in Berlin-Grunewald. Über 3000 Hitlerjungen nahmen daran teil!” Bilder und Text Bundesarchiv.

1934 Hilterjugend Hochschulsportplatz Grunewald

Bild (102-15638)/ Lizenz Creative Commons 3.0 by-sa der Wikipedia Commons: „Der kleine Hitler-Tambour auf dem Rücken seines Kameraden leitet das Sportfest ein.“
Weitere nicht kostenfreie Bilder, daher hier nur nicht erlaubnispflichtige Direktlink zum Bundesarchiv:
Bild 102-15641: „
Sportfest der Hitlerjugend auf dem Hochschulsportplatz in Berlin-Grunewald. Über 3000 Hitlerjungen nahmen daran teil ! Über 600 Hitlerjungen beim Start zu dem großen Gebiets-Waldlauf auf dem Hochschulsportplatz in Berlin-Grunewald.“
Bild 102-15642: „
Die Mannschafts-Sieger werden nach dem großen Gebiets-Waldlauf von der Führung eingetragen.“
Bild
102-15639: „Ein lustiger Moment aus den Reiterspielen der Hitlerjugend auf dem Hochschulsportplatz in Berlin-Grunewald.“

  • 1934 – Jungzug im Grunewald

1934 Jungzug

  • 1936 –  “Hitlerjugend beim Sport auf dem HJ-Sportplatz im Grunewald.” Frage: Wo war der HJ-Sportplatz, war das inzwischen der Hochschulsportplatz?
    Bild 146-1995-073-11A

Was die HJ für eine riesige “Macht-Krake” gewesen sein muss, dem sich wohl kaum ein Kind entziehen konnte, verdeutlichen die folgenden Bilder des Fahneneinmarsches bei den Jugendvorführungen des XI. Olympische Sommerspiele 1936 auf dem Maifeld, sowie die HJ-Aufmärsche am 01. Mai 1937 und 1938 im Berliner Olympiastadion:

Bild 183-1995-073-11A
Bild 183-C06292
Bild 102-18096
Bild 183-H05599
Bild 102
-17818

1937 Opera Nazionale Balilla im Grunewald klein

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1951 – Jugend-Zeltlager

„Mit vielen Jugendlichen aus Schwerin und einigen Freunden aus Grevesmühlen zusammen nehme ich im Juli 1951 am legendären Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin teil, der noch gesamtdeutsch über die Sektorengrenzen hinweg gefeiert wird. Es ist ein überwältigendes Ereignis. Wir Mecklenburger übernachten in einem Zeltlager im Grunewald im Jagen 61 und fahren täglich mit der S-Bahn zu den großen Veranstaltungen in die Stadt.“ (Quelle:  Internet /Zeitzeugen-Bericht von Jürgen Ruszkowski (Jahrgang 1935))

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