Alter Hof

2013-07-21 24. Havelllauf gross 0007 kleinZur Entwicklungsgeschichte des Moores “Alter Hof”
am Havelufer (Berliner Forst Düppel)

Margot Böse und Arthur Brande
in Berlin-Forschungen, Herausgegeben von Wolfgang Ribbe,
Colloquim Verlag, Berlin 1986

  • Seite 15: “Zwischen der Havel, dem Wannsee, der Seenkette mit dem Kleinen Wannsee – ehemals Stolper Loch -, Stölpchensee und Pohlsee sowie dem Griebnitzsee liegt eine Insel, die im vorherigen Jahrhundert den Namen Glienicker Werder trug” …… “im Jagen 95 des Düppeler Forstes (liegt) am östlichen Havelufer ein Moor, das heute den Namen Alter Hof trägt, das aber noch im 17. Jahrhundert als Kartzerluch bezeichnet wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts trat nochmals der Name “Der Kartz” für das Moorgebiet auf, der später für den gesamten Nordostteil des Werders verwendet wurde. Das Moor steht heute nicht in direkter Verbindung mit der Havel, sondern ist durch einen schmalen Landstreifen vom Fluss getrennt.”
  • Seiten 16/17: “Nordöstlich des Moores liegt eine nur durch wenige Scherbenfunde belegte frühdeutsche Wüstung, deren Siedlungsplatz den Namen “Der Alte Hof” trug und deren vermutliche Lage durch einige flache Wälle im Gelände gekennzeichnet ist. Der Wüstungsname wurde spätestens im 19. Jahrhundert auf das Moor übertragen.”
  • Seiten 32 und 33: “Der älteste überlieferte Flurname für das Moor ist Kartzerluch. Der Begriff Kartz leitet sich von polabisch-pomoranisch karc ab, das heißt Stelle, wo der Wald gerodet ist. Auffallend ist also, dass dem Flurnamen eine slawische Wurzl zugrunde liegt, obwohl die Siedlung Alter Hof als frühdeutsch gilt. Ihre Datierung beruht lediglich auf der Scherbe einer frühdeutschen blaugrauen Schale; daneben existieren Grobkeramikscherben, die bisher nicht datierbar sind….”
  • Seiten 37 bis 39: “… Die letzten stärkeren Veränderungen erfuhren Wegeführung und die Umgebung des Moores zwischen 1934 und 1936 während der Tieferlegung der nach Potsdam führenden Königstraße. Von der Baustelle Kilometerberg wurde über den Forstdienstacker zum Havelufer am Alten Hof eine Lorenbahn gelegt, um den Sand per Schiff abzutransportieren. Dabei wurde für die Lorenbahn im Wald ein Einschnitt gemacht, der im Jagen 94 als eine Art Hohlweg auf einem kurzen Stück neben dem heutigen Weg entlangführt …. Der ausgehobene Sand wurde zunächst als Verladerampe am Ufer aufgeschüttet, außerdem wurden dafür auch Havelsande verwendet, deren Reste man noch flächenhaft nördlich und östlich der DLRG-Station in Form von schillhaltigen Sanden antrifft. 1936 wurde die Lorenbahn abgerissen, die Trasse im Wald zum Teil zugeschüttet, und die Sande aus der Verladerampe wurden für den Bau des Uferweges, den es vorher nicht gegeben hatte (an dieser Stelle aber die Holzablage ab 1767…), benutzt. In dieser Zeit dürfte auch die kleine moorige Wiese nordöstlich des Moores, die auf der Karte von 1787… und der Topografischen Karte von 1920 eingezeichnet ist, mit Ziegelschutt und Havelsanden … aufgefüllt worden sein.
    Während das nordwestliche Teilstück des heutigen Weges zwischen Forstdienstacker und Altem Hof bereits auf der Topographischen Karte von 1903 erscheint, ist eine durchgehende und begradigte Wegtrasse erst 1953 zu finden. Das nordwestliche Teilstück ist begradigt worden, indem man, nach den Geländebefunden zu urteilen, den Weg in die ehemalige Trasse der Lorenbahn verlegt hat.”
  • Seiten 40 bis 42 (Schlussfolgerungen): “ … So bleibt für den Alten Hof gegenwärtig festzustellen, dass im Hoch- bis Spätmittelalter Anzeichen für eine örtliche Waldrodung, Ackerbau und Grünlandnutzung vorliegen … Da der Alte Hof im Landbuch von 1375 nicht erwähnt ist, muss er schon vorher aufgelassen worden sein … Das kleinere Nineveen, dessen Namen offenbar noch 1787 an der dortigen Holzablage am Havelufer (Nichte-Ablage) haftete, trat seitdem weniger in Erscheinung und verlor schließlich seinen Namen, während am Alten Hof der Name im Laufe der Zeit auf das Moor als auffällige gehölzfreie Restfläche überging.”

An dieser Stelle herzlichen Dank an Frau Prof. Dr. Böse von der FU Berlin, welche mir freundlicherweise eine Fotokopie ihrer Arbeit übermittelt hat!

 

  • DLRG Wasserrettungsstation Jagen 95 (Alter Hof)

 

 

 

 

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