Fischerhüttenweg

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Das “Rätsel” um den Fischerhüttenweg – erforscht in 3 Expeditionsläufen des Lauftreff Grunewald:

 

17.12.2006: Laufbericht 1. Expeditionslauf
Teilnehmer: Dagmar, Manne, Martin, Till und UweHeute haben wir wieder ein kleines Gimmick in unser Lauftraining eingebaut.
Bei den Laufplanungen ist uns des öfteren aufgefallen, dass mit den Landkarten im Grunewald etwas nicht so ganz stimmen kann.
Nach allen Landkarten verläuft der Fischerhüttenweg vom Übergang zwischen der Krummen Lanke und dem Schlachtensee auf direktem Weg über den Havelberg bis zur Havel.
Nach unserer Kenntnis endet der Fischerhüttenweg jedoch am Havelberg.
Heute haben wir die Karten mal richtig überprüft und festgestellt, dass unsere Vermutung richtig war: Der Fischerhüttenweg endet am Havelberg!
Wir haben am Havelberg noch eine kleine Schlucht vorgefunden und sind diese einfach mal hochgelaufen. Es kann sein, das der Fischerhüttenweg als Fußweg früher einmal über den Havelberg geführt hat, aber nach Sichtung des dortigen Geländes hatten wir nicht diesen Eindruck.
Wir sind dann auch noch den Havelberg abgelaufen und haben versucht einen Anschlussweg für den Fischerhüttenweg zu finden. Obwohl es dort einige Wege gibt, scheint dies aber nicht der Fall zu sein.
Irrtum natürlich vorbehalten, aber die Karten scheinen in diesem Punkt noch nie gestimmt zu haben.
Aber egal was früher war, in jedem Fall sind die heutigen Landkarten über den aktuellen Verlauf des Fischerhüttenweges nicht richtig.
Was war aber auf dem Havelberg gefunden haben war ein hübscher Pilz – wir haben heute den 17.12.2006!
14.01.2007: Laufbericht 2. Expeditionslauf
Teilnehmer: Dagmar, Marion, Steffi, Gerald, Manne, Martin, Rainer, Reinhard, UweEigentlich sollte der Lauf am 14.01.2007 dazu dienen, den Aufnahmeort einer alten Ansichtskarte aus dem Jahre 1908 aufzufinden.
Nun, den Ort konnten wir nicht finden, da wir aber am Havelberg unterwegs waren, konnten wir etwas Klarheit über den historischen Verlauf des Fischerhüttenweg gewinnen.Ursprünglich sind wir ja nach unserer Expedition vom 17.12.2006 davon ausgegangen, dass der Fischerhüttenweg am Schwarzen Weg endet und das die über den Havelberg verlaufende „Schlucht“ keinen Weg darstellt, sondern einfach eine Ausspülung.

Damit haben wir uns aber wohl getäuscht. Warum?

Bei unserem Lauf am 17.12. sind wir den Havelberg vom Fischerhüttenweg/Schwarzer Weg kommend einfach nach oben gelaufen, dabei aber nach rechts (nördlich) abgedriftet und kamen dann ziemlich genau am Gipfel heraus um dann dort und noch weiter nördlich nach der Wegfortsetzung zu suchen, wo wir aber keine schlüssige Wegfortführung gefunden haben.

Am 14.01.2007 bot sich uns dann eine andere Perspektive

Wir sind den Langen Jammer hochgelaufen (Südaufstieg) und bemerkten dann, das in Westrichtung ein Weg verläuft, woraufhin wir dann einfach den Weg in (nicht mehr zugänglicher) östlicher Richtung erkundet haben. Und siehe da, wir landeten in der vermeintlichen „Schlucht“, stellen fest, dass diese durch mehrere Querverfüllungen mit Sand offensichtlich unpassierbar gemacht werden sollte. Also vermutlich eine bewusste Verschließung des Weges.

Wann dies geschah, wissen wir nicht, aber es muss schon vor vielen Jahren gewesen sein, denn der Weg ist nur noch schwer zu erkennen und wenn man nicht vermutet oder weiß, das dort einmal ein Weg war, vielleicht sogar nur mit viel Phantasie.

Gerald konnte zwar leider nicht an unserer ersten Fischerhüttenwegexpedition am 17.12.2006 teilnehmen, hatte sich aber in Vorbereitung darauf über Google-Earth eine Luftbildaufnahme besorgt. Auch hier wieder wie in der richtigen Forschung, alles eine Frage der Perspektive und aus der Luft kann man manchmal Relikte aus der Steinzeit erkennen, von denen heute niemand mehr etwas ahnt. Und tatsächlich, Gerald meinte, das das Luftbild den Eindruck erweckt, dass der Fischerhüttenweg noch immer durchverläuft. Ich habe mir das eben angeschaut und mit etwas Phantasie scheint es tatsächlich so zu sein. Weiterführung den Osthang des Havelberges hoch, nicht mehr in Wirklichkeit, aber nach dem Luftbild schon vorstellbar.

Also Zwischenergebnis:
Der Fischerhüttenweg führte tatsächlich einmal auch über den Osthang des Havelberges, was heute aber vor Ort nur noch mit „spitzer Linse“ zu erkennen ist.

Manne hat sich zwischenzeitlich auch außerhalb der Laufstrecke mit den Fischerhüttenweg beschäftigt und einige neuere Landkarten eingesehen. Demnach führt auf der neuen Pharus der Fischerhüttwenweg nicht mehr über den Havelberg-Osthang.
Auf meiner Pharus Grunewald 1:16000 aus 2004 ist das aber noch nicht der Fall und auf dem elektronischem Stadtplan auf berlin.de bisher auch noch nicht. Es bleibt also spannend, die jeweils neuen Stadtpläne anhand des Fischerhüttenverlaufes auf ihre Aktualität hin zu überprüfen.

So, hier noch ein paar Bilder vom 14.01.2007

04.02.2007: Laufbericht 3. Expeditionslauf
Teilnehmer: Dagmar und Marion, Manne, Rainer, Reinhard, UweZiemlich intensives Hügellauftraining am Havelberg und in der näheren und weiteren Umgebung.Nebenbei ist es uns tatsächlich gelungen, das Geheimnis um den Fischerhüttenweg zu lösen.Zunächst sind wir vom Gipfel des Havelberges aus den noch existenten Teil des Fischerhüttenweges Richtung Havel hinabgelaufen. Einen direkten Weg vom Aussichtspunkt oberhalb der Insel Lindwerder nach unten zur Havelchaussee gab und gibt es nicht. Dann haben wir beidseitig des Aussichtspunktes zwei kleine Bergeinschnitte untersucht, auch Fehlanzeige. Später haben wir zwar festgestellt, dass sich am nördlichen Einschnitt Treppenruinen befinden, aber vom Havelhöhenweg aus waren diese Reste nicht mehr zu erkennen.
Das änderte sich erst, als wir diesen Bergeinschnitt einfach von der Havelchaussee aus nach oben gelaufen sind – also alles wieder mal eine Frage der Perspektive – und plötzlich Dagmar laut rief:“Eine Treppe – hier ist ’ne Treppe!„Ergebnis:
Der Fischerhüttenweg verlief tatsächlich einmal durchgängig von der Krummen Lanke/Schlachtensee bis zur Havelchaussee/Havelufer.
Heute ist dies aber nicht mehr der Fall.
Zwar befindet sich quer über den Havelberg verlaufend noch ein (halbwegs) intakter Teil der Fischerhüttenweges – vom Havelberggipfel bis zum Aussichtspunkt am Havelhöhenweg – dieser ist jedoch als Fischerhüttenweg nicht mehr erkennbar, weil am Osthang ein steiler Teil und am Westhang (Havelufer) ein flacherer Wegteil vollständig verfallen sind.Und damit ist diese Expedition beendet.Gruß und herzliche Geburtstagsglückwünsche nachträglich von uns allen an unseren lieben Martin21 km

Ergebnis nochmals in Kurzfassung:

Der Fischerhüttenweg hieß ursprünglich Kuftrift und verlief über den Havelberg hinüber bis hinunter zum Havelufer. Insofern stimmen auch die Eintragungen in den früheren Landkarten. In den Jahren von 1929 – 1933 ließ der seinerzeitige Oberförster Schmook im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zwischen Saubucht und Großem Fenster eine Holzabfuhrstraße anlegen, den heutigen „Schwarzen Weg“, welcher um den Havelberg herumführt. Seit dem führt der Fischerhüttenweg praktisch nicht mehr über den Havelberg. Auf den Landkarten seit ca. 1933, auch aktuellen, wurde diese Änderung jedoch noch nicht berücksichtigt.

 

2 Kommentare

  • Daniel von Bronewski

    Liebe Alle (bzw. Expeditionsgruppe),

    ja, in meiner Kindheit (1971-1983) bin ich fast jeden Sonntag mit meiner Familie (Oma, Bruder, Tante, etc.) von zu Hause aus (Onkel-Toms-Hütte)

    zur Havel spaziert – und zwar sehr oft direkt über den Fischerhüttenweg bzw. das letzte Stück über den von Ihnen dargestellten Bereich der Havelberge.

    Und ja, der Weg ging zwar steil, aber schnurstracks geradeaus über die Havelberge hin zum Wasser. Er war sehr sandig und wir Kinder sammelten 

    manchmal Steine, die wir wie Schatzgräber über den Berg schleppten…puhh. Insoweit kann ich Ihnen ebenfalls bestätigen, dass der Weg tatsächlich bis hin

    zur Havel führte und nicht am Schwarzen Weg endete. Die Aussage, dass der Weg seit ca. 1933 nicht mehr über den Havelberg führte, ist daher leider nicht ganz korrekt.

    Übrigens ist die Darstellung unseres Grunewaldes überaus gut gelungen und informativ: Danke für die gesammelten und kompakten Informationen.

    Der von Ihnen aufgezeigte "Ballonplatz" wurde auch lange als "Großes Feld" bezeichnet, worauf die amerikanischen Militärs oft Panzerübungen veranstalteten.

    An der Krummen Lanke wurde die alte "Welsbaude" zudem Anfang der 70iger Jahre noch genutzt, da wir als Kind dort noch Eis kaufen konnten.

    Der Riemeisterfenn sollte von Ihnen doch besser als Fenn und nicht als See bezeichnet werden, da das Wasser dort sehr flach und eher fließend ist.

    Wir haben in den Zuläufen gerne geangelt, wobei sich im Fenn selber kaum Fische finden lassen – Insoweit wäre die Bezeichnung "See" schon etwas "übertrieben".

    Abschließend möchte ich nochmal mein Lob für die tolle Zusammenstellung aussprechen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Daniel von Bronewski

     

    • Uwe

      Herzlichen Dank, lieber Daniel, für Dein Lob und die weiteren Informationen.

      Dein Vater, so vermute ich, hatte mir 2014 folgende eMail geschickt:

      Hallo Herr Gerber,

      ich bin heute aus Zufall auf Ihre Grunewald-Website gestossen.

      Habe nur den link zum Fischerhüttenweg gesehen. Als alter Zehlendorfer kenne ich den Ort genau.

      Der Fischerhüttenweg ging in gleicher Breite einst den Havelberg rauf. Oben am breiten Querweg (Jagenstein) lief er in schmalerer Form zum Wasser weiter.

      Vom Fuß des Havelbergs diente er einst den US Panzern als Einflugschneise. Die Panzer übten dauernd dort, ihre Kettenfurchen waren oft über einen halben Meter tief.  Ende der 50er Jahre wurde in der Abendschau ein netter Bericht gesendet!  US Soldaten üben und  deutsche Reiter kommen lachend den Fischerhüttenweg vom Berg runter. In den 70er Jahren wurden dann fast alle breiten Wege die auf die Havelberge führten, (es waren etliche !!!), vom Forstamt blockiert, oft mit Sandwällen etc.   Die Natur holte sich dann alles schnell zurück, alte Spuren von damals sind längst verwischt.

      Ich bin damals  hunderte Male den Berg rauf und runter, kenne da jeden Stein….
      Auf meiner Website gibt es unzählige Fotos vom Grunewald, diese sind in vielen Themenbereichen zu finden…

      Gruß aus Zehlendorf!

      Reinhard v. Bronewski
      http://www.berlin-brigade.de
      http://www.berlin-brigade.de/berlin/ber-zehlendorf.html

      Seine eigene Webseite ist aber wohl leider nicht mehr online.

      Viele Grüße

      Uwe

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