Eichkamp

Der Name Eichkamp leitet sich laut Wikipedia aus dem alten Flurnamen „Willmersdorffischer Eichelkamp“ ab. In den mir vorliegenden Land- bzw. Wanderkarten (siehe Galerie) taucht der Name jedoch erstmals ab ca. 1885 im Zusammenhang mit der neuen „U(nter) F(örsterei) Eichkamp auf. Ich vermute daher, dass er vorher eigentlich praktisch keine Rolle gespielt hat.

Auch die Siedlung Eichkamp gehört zu jenen Gebieten des GruneWalds, die urbanisiert wurden. Allerdings wurden dort nicht hochherrschaftliche Villen, sondern kleinere Reihen- und Doppelhäuser erbaut. Also tatsächlich eine „Siedlung“. Wikipedia schreibt mit Stand 26.12.2019:

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde 1918 die Siedlungsgesellschaft Märkische Heimstätte gegründet. Vorkämpfer der in den 1890er Jahren entstandenen Heimstättenbewegung war Adolf Damaschke. Von der preußischen Landesregierung mit der Durchführung von Siedlungsprojekten gegen die herrschende Wohnungsnot betraut, vergab die Märkische Heimstätte den Auftrag zur Planung der Siedlung Eichkamp an Max Taut. Die ersten Planungen umfassten ein wesentlich größeres als das schließlich bebaute Areal. Die ersten ab 1920 fertiggestellten Häuser waren aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg mit Hühnerstall und Speicher für eine weitgehende Selbstversorgung der Bewohner eingerichtet. Waren die ersten Häuser noch als Reihenhäuser errichtet worden, so wurden mit sich bessernder wirtschaftlicher Situation bald Doppelhäuser typisch für den weiteren Ausbau der Siedlung.

Die „Alte Allee“ ist die älteste Straße der Siedlung Eichkamp. Kauperts schreibt über sie:

Die Alte Allee ist die älteste Straße in der Kleinhaussiedlung Eichkamp am Nordostrand des Grunewalds, die zwischen 1918 und 1927 von Max Taut und Bruno Hoffmann geplant und angelegt wurde. Das Wort Allee wurde im 17. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt, „allée“ bedeutet wörtlich Gang, Baumgang, eine von Baumreihen besäumte Straße.

Ursprünglich war die „Alte Allee“ der zwischen den Jagen 54 und 55 verlaufende Forstwirtschaftsweg.

Auf dem Jagen 55 befand sich vor dem Bau der Siedlung dort das frühere Forsthaus Eichkamp (Bild). So trägt den Namen Eichkamp heute nicht nur die Siedlung, sondern auch die Revierförsterei Eichkamp, welche sich von der AVUS bis zur Havel erstreckt (Bild).

Das frühere Forsthaus Eichkamp wurde nach meinen Karten ca. 1908/09  abgerissen und auf seinem heutigen Standort im Jagen 56 – Eichkampstraße 166 – verlegt und dort neu gebaut. Grund dafür war der Bau der AVUS (1908/09 stimmt auch mit der Angabe auf Wikipedia überein, wonach: „im Jahr 1909 die Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße GmbH gegründet“ wurde).

Auf dem verbliebenden Areal des ehemaligen Forsthauses siedelte sich dann das „Tattersall Grunewald“ (Bild) sowie eine Gendarmerie und von 1924 – 1945 die Berliner Film-Ateliers / Tobis Filmkunst“ mit ihrem GRUNEWALD-ATELIER an. Das „CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V.Lexikon“ gibt dazu folgendes Auskunft:

Lesen:
1924 baut die Trianon-Film-Ateliers GmbH einen ehemaligen Tattersall in der Nähe des S-Bahnhofs Grunewald zu einem Filmatelier um. Die massive Halle wird 1926 von der Grunewald Film-Atelier GmbH übernommen.

„Nicht ohne Bedeutung ist für den Produktionsleiter die unmittelbare Nähe des Grunewaldes mit seinem hügeligen Gelände, ferner die benachbarte Villenkolonie, deren Bewohner den Filmleuten nicht unfreundlich gegenüberstehen. Somit hat der Regisseur Gelegenheit, durch Neu- und Umbauten erzwungene Arbeitspausen im Atelier bequem mit Freiaufnahmen auszufüllen, ohne sich allzuweit von der Atelierbasis entfernen zu müssen. Ein Umstand, der für manchen Film von großer Bedeutung sein kann.“
(Patrick. In: Film-Atelier, Nr. 1, Januar 1930).

1930 zum Tonfilm-Atelier umgebaut, wird das Atelier verkleinert:
– Atelier 1: 1080 qm: 24 x 45 m, 16 m Bh.
– Atelier 2: 210 qm: 10 x 21 m, 9 m Bh.

„Das Atelier bietet die üblichen Nebenräume (1 große Stargarderobe, 1 kleine Stargarderobe, 12 Sologarderoben, 2 große Komparseriegarderoben, je 1 Zimmer für Regisseur, Aufnahmeleitung und Architekt, 1 Sitzungszimmer, 1 Kassenraum, 1 Kostümraum, 3 Friseurräume, 1 Requisitenraum, 2 Dunkelkammern usw.). Fundus, Werkstätten (Tischler, Maler, Stukkateur) und die Umformeranlagen sind im Keller des Gebäudes untergebracht.“
(Jahrbuch der Filmindustrie 1933).

Ab 1934 gehört das Grunewald-Atelier zur Tobis Ateliergesellschaft mbH (ab 1938 Tobis Filmkunst GmbH), die Adresse lautet nun Eichkampstraße 152. Das Gebäude wird während der Kampfhandlungen Anfang 1945 zerstört.

Heute betreibt dort das Studierendenwerk Berlin dort das Wohnheim Dauerwaldweg (14055 Berlin, Eichkampstraße 152 Ecke Dauerwaldweg 1).

In der Nähe befindet sich der (seit 1884 neue) (S-)Bahnhof Grunewald.

Erwähnenswert ist auch noch das Mommsenstadion (anfänglich SCC-Stadion), welches im Stil des „Neuen Bauens“ errichtet und am 17.08.1930 eingeweiht wurde. Architekt war Fred Forbát.

Weitere ungefähr „Eichkamp“ zuzuordnende Bereiche sind:

  • AVUS seit 1909/1921 bis heute bitte: HIER
  • Gartenverein Grunewald bitte: HIER
  • Schießstand und Exercierplatz Westend bis 1924 bitte: HIER
  • Messegelände seit 1924 mit Funkturm und KDF-Stadt bitte: HIER
  • Kiesgrube nähe Teufelssee bitte: HIER
  • Waldkirche im Jagen 57 bitte: HIER

Historisches:

  • 1926 Schneider, Seiten 25:
    Lesen:
    „Wenn man früher vom Westausgang des Bahnhofs den Grunewald betrat, so bot sich ein unerfreulicher Anblick. Da war kein Weg mehr vom Walde zu unterscheiden, sondern alles war Weg. Die Tausende, die von dieser Quelle aus den Wald überfluteten, hatten alles zertrampelt und zertreten, indem jeder versuchte, seinen eigenen besseren Weg neben dem ausgetretenen zu gehen. Man konnte so recht am Wege ablesen, was es für einen Wald bedeutet, Lieblingsausflugsort einer Millionenstadt zu sein, zugleich auch, wie sinnlos der Mensch die Natur, in der er Erholung sucht zerstört, wenn in Massen auftritt. Das ist heute doch um vieles besser geworden. Ein guter Weg, der breit genug ist, lockt die Ausflügler, auf ihm zu bleiben; Baumschulen, die von Drahtzäunen umgeben sind, verhindern ein Abweichen. Wenn es auch nicht angenehm ist, zwischen Drahtzäunen zu wandern, so ist es doch besser als der frühere Zustand; außerdem gilt es nur für den gefährdeten Zugang.“

Mai 2021:

 

 

Galerien: