Die fünf Türme

Ein Leser machte mich 2019 auf einen Turm im Jagen 13 aufmerksam. Auf einer Karte von 1920 waren ursprünglich sogar mal 5 Türme eingetragen. Über diese Türme konnte mir freundlicherweise Herr Elmar Kilz, Leiter des Forstamt Grunewald, im April 2019 folgendes mitteilen:

Mir wurde zum Turm vom jetzt nicht mehr verfügbaren Revierleiter des Forstreviers Dachsberg, in dem sich auch der Schlüssel zum Turm befindet, folgendes berichtet:

Mit Gründung der Technsichen Universität mussten verschiedene neue Studiengänge mit Ausstattung versehen werden. In diesem Fall für das Fachgebiet Vermessung. Zur Vermessung unbekannter Stellen oder bei fehlenden Grenzmarkierungen (was nach dem 1. Weltkrieg häufig der Fall war), braucht man eine u.U. polygone (d.h. über mehrere weitere Messpunkte geführte) Anbindung an einen bekannten trigonometrischen Messpunkt, und dies u.U. über größere Entfernungen. Dies konnte/kann man nicht so einfach üben, dafür gibt es kaum Platz. Den Platz gab es über dem damals frisch aufgeforsteten Grunewald, also wurden 5 Vermessungstürme gebaut (deshalb oben auch die breite Plattform), auf dem die Studenten dann üben konnten. Mit Veränderung und Modernisierung der Vermessung (u.a. durch Satellitenanbindung) wurden die Türme nicht mehr gebraucht. Warum nur 4 abgerissen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Der 5. Turm befindet sich im Eigentum der Berliner Forsten und ist zurzeit funktionslos. Wenn er nicht bald eine Funktion erhält und dafür restauriert wird, muss er wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Wegen des baulichen Zustandes ist er auch für Publikum nicht zugänglich.

Diese Erzählung stammt aus meiner Erinnerung aus Gesprächen mit dem früheren Revierleiter, d.h. keine Gewähr für absolute Richtigkeit und deshalb fehlen auch jede Jahreszahlen oder Ansprechpersonen oder genauere Institutionsbezeichnungen.

Laut einem zuletzt vor 10 Jahren (also 2009) bearbeiteten Eintrag bei Wikimedia, handelt es sich um einen Messturm des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin, seine Koordinaten lauten: 52°27’35″N 13°15’53″E . In den Haushaltsplänen der TU Berlin wurde er als „Messturm V im Jagen 13“ geführt.

Nicht sehr weit vom Turm entfernt befinden sich der „Pücklerteich“ und der „Teich am Käuzchensteig“. Über beide Teiche wird das Regenwasser aus dem Straßenraum der Clayallee und dem umgebenden Siedlungsraum mit rund 140 ha (1.400.000 m²) Fläche entwässert. Seit dem Umbau 2015, übernimmt der Pücklerteich vor allem eine Pufferfunktion zur zeitweisen Rückhaltung von Abflussmengen aus Regenereignissen, die dann durch eine Drosselung des Überlaufs nach und nach an einen Bodenfilter (Schilffilterbeet) im Zulaufbereich des Teiches am Käuzchensteig abgegeben werden. Die Umsetzung der Maßnahmen erforderte einen teilweise Rückbau und Umbau von technischen Anlagen der Berliner Wasserbetriebe.

Das Arel wurde 1927 wie folgt beschrieben, leider jedoch, ohne die Türme zu erwähnen:

1927 ca. F. Wolter, W. Sommer, E. Klotz, Seiten 103 und 107:

Nachvollzug der Wanderroute

„In kurzer Zeit wird beiderseits der Straße, die uns vom Untergrundbahnhof Dahlem zum Rande des Grunewalds bringt, alles bebaut sein, so daß man nicht sofort erkennt, daß man sich auf der großen Geschiebemergelfläche befindet, die den Teltow bedeckt und die Grundmoräne der letzten Vereisung darstellt. Der verwitterte Geschiebemergel liefert vortrefflichen Ackerboden. So weit er reicht, wurde das Land stets vom Ackerbau beansprucht. Wo er aufhört, beginnt der Wald. Der Rand verläuft über Wilmersdorf, Schmargendorf, Dahlem, Zehlendorf bis zur Niederrung des Teltowkanals.

Mit dem Eintritt in das Waldgebiet ändert sich die Bodenbeschaffenheit. Wir gehen auf einem der in der Nähe der Schießstände vorbeiführenden Fußpfade in der Richtung nach Onkel Toms Hütte zu. Das ganze Gelände ist von abflußlosen Senken und kesselartigen Vertiefungen durchsetzt, deren einige wir durchschreiten. Sie sind ziemlich trocken und mäßig geböscht. Wo der kahle Boden zum Vorschein kommt, zeigen sich grobkiesige Sande mit kleinen und großen Geschieben, – meist Graniten und Feuersteinen. Stellenweise ist die Oberfläche mit Steinen bestreut. An vielen Stellen bäckt der Sand etwas, weil er lehmige Bestandteile enthält. Ein ganz ähnlich beschaffenes Gelände werden wir auf unserer heutigen Wanderung wieder an der Havel antreffen. Man bezeichnet solche Landschaften wissenschaftlich als Kameslandschaft und faßt sie auf als Endmoränenbildung, deren Oberfläche durch Schmelzwasser ausgestrudelt und ausgekolkt worden ist. Erst in der Nähe von Onkel Toms Hütte, hart östlich der Seenrinne, wird das Gelände ruhiger. Die Kuppen und Senken hören auf….“

1948
Aus dem Tagebuch von Dietrich Speer:

3. + 4. Juli 1948:
Um 15.oo Uhr trafen wir uns am U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim. Unsere Arbeit bestand im Anhäufen eines Kartoffel- sowie eines Bohnenfeldes, im Pflanzen von Birken, im Unkraut jäten sowie im Stubbenroden.

Am Sonnabend machten wir abends einen Waldspaziergang zum Jagdschloß Grunewald. Unterwegs kletterten wir auf einen alten Vermessungsturm ohne Stufen. Die Aussicht über ganz Berlin war sehr schön. Übernachtet haben wir im Keller des Oskar-Helene-Heimes.

2015 Berliner Forsten, Hinweistafel am Pücklerteich und weiterführend Pressemitteilung vom 13.10.2015 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.

„Der Pücklerteich und der Teich am Käuzchensteig wurden um 1900 in einer natürlichen Senke zur Aufnahme von Regenwasser am Rand des Grunewalds künstlich angelegt.“

Was den heutigen und letzten Turm betrifft, so sagte mir eine Anwohnerin, dass sie ihn „Rapunzelturm“ nennt. Das passt!