Mortzfeldt’sche Löcher

Eines der Mortzfeldt’schen Löcher auf dem Dachsberg bei Schildhorn, Inseln aus Buchen und Eichen, umgeben von Kiefern.

„Einbau edler Holzarten im Wege löscherweisen Vorbaus“

„Beginnend in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde in Preußen ein Vorverjüngungsbetrieb praktiziert, der später nach seinem stärksten Protagonisten, dem Oberforstmeister Justus Erdmann Samuel Ulrich MORTZFELDT, als „MORTZFELDTscher Vorverjüngungsbetrieb“ und die durch die zur Initiierung geführten Hiebe entstandenen Bestandesstrukturen als „MORTZFELDTsche Löcher“ bezeichnet wurden. Dabei handelt es sich um eine gruppen- bis horstweise Einmischung von hauptsächlich Eichen in Kiefern- und Buchenbeständen. Die Mehrzahl dieser Lochbestände ist heute zwischen 90 und 130 Jahre alt.“, schrieb Herr Dr. Gernold Bilke 2004 in seiner Dissertation:

Auch im Grunewald gibt es derartige „MORTZFELDTsche Löcher“, und zwar auf dem 61 Meter hohen Dachsberg an der Havel bei Schildhorn. Darauf weist auch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hin:

Die dortigen „Löcher“ bestehen heute aus einer Mischung aus Buchen und Eichen, wobei ich das Verhältnis „Pi mal Daumen“ auf 65 zu 35 Prozent schätze. Der Dachsberg ist heute relativ wenig belaufen. Insbesondere um die 1900-Jahrhundertwende, aber auch in der West-Berliner-Zeit, wurde auch dieses Areal sicher gut besucht, was daran abzulesen ist, das viele der „MORTZFELDTschen-Buchen“ auf ihrer empfindlichen Rinde Schnitzkerben von Liebespaaren und sich sonstwie selbst verewigten Zeitgenossen aufweisen. Ein kleiner Trost ist, dass diese Kerbungen heute zum Teil nicht mehr zu entziffern sind, die absichtliche – und vielleicht auch gedankenlose – Beschädigung der Baumrinde hat also gerade eben nicht wie gewünscht konservierend die Ewigkeit überdauert, was beweist, wie überflüssig derartige Baumbeschädigungen sind, wenn der Baum sie den überlebt, denn gerade Buchen haben nur eine sehr dünne und daher sehr empfindliche Rinde.

In den früheren Land- und Wanderkarten des Grunewaldes fanden sich auf die „Löcher“ keine Hinweise (siehe Galerie).

Lebenslauf Justus Erdmann Samuel Ulrich Mortzfeldt:

  • geboren am 19.01.1828 in Ostpreußen
  • ab 1848 Studium in Eberswalde
  • vor 1867 Forstmeister und Inspektionsbeamter im Raum Mohrungen
  • später Oberforstmeister in Posen
  • seit Ende der 1880er Jahre wieder in Königsberg
  • verstorben Februar 1902 (in Berlin?)

Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob derartige „MORTZFELDTsche Löcher“ nicht eine schonende Alternative zu dem Mischwaldprogramm darstellen könnten, wie es von den Berliner Forsten unter Einsatz von schweren Maschinen seit einigen Jahren radikal umgesetzt wird: WALDUMBAU

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