Deutsche Okkultistische Gesellschaft D.O.G. E. V. 1919 in Berlin-Westend

 

Der Brief lief am 30. Juni 1921 vom

Unter dieser Anschrift ist er auch als „Kaufmann“ im Berliner Adressbuch von 1921 eingetragen:

Laut Wikipedia konnte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Okkultismus in fast allen seinen Spielarten in Deutschland recht frei entfalten und erfreute sich wachsender Beliebtheit.

Laut diesem Blog, war bis 1923 Erster Vereinsvorsitzender der D.O.G. der Physiker und Freimaurer Dr. Werner Haken. 1923 wechselte der Verein seien Namen in „Deutsche Gesellschaft für wissenschaftlichen Okkultismus (DGWO)“. Erster Vorsitzender war von 1923 bis 1939 der Chemiker Fritz Quade.

Der Verein bestand von 1919 bis möglicherweise 1955 und die Vereinsregisterakte befindet sich heute vermutlich im Landesarchiv Berlin.

Frankiert ist der Umschlag mit einer Germania 15 Pfennig Briefmarke, Michelnummer 142. Am 30. Juni 1921 stand die Hyperinflation schon vor der Tür. Den Umschlag habe ich am 09.07.2020 für insgesamt 3,50 € bei ebay ersteigert.

1924: Zahnpraxis Rahn in der Wilhelmstadt in Berlin Spandau

Dieses seltene Kleinod konnte ich über ebay bei einem Händler aus Österreich ordern:

 

Denstist Georg RAHN, vor der ZahnPraxis vermutlich seine Familie. Die Karte zeigt seine Praxis in die nach Franz Rudolf Wever benannte Weverstraße 17 und ist gleichzeitig auch an ihn adressiert. Auffällig, er ist Dentist, wird aber als Zahnarzt angeschrieben.

Das Haus gibt es heute nicht mehr, dort befinden sich jetzt eine in den 60/70iger Jahren erstelle Wohnsiedlung. Vor etwa 5 Jahren waren dort einige Häuser aus der Umgebung in der Presse, weil der Untergrund dort nicht mehr stabil war, Spandau ist eben eine ehemalige Sumpfwasserstadt.

 

In der Umgebung der Spandauer Wilhelmstadt leben zu dieser Zeit mehrere Menschen mit dem Nachnamen „Rahn“, in der

  • Adamstraße 34 ein Kapellmeister,
  • Götelstraße 104 eine Pensionärin,
  • Weverstraße 17 ein Schlosser,
  • Weverstraße 53 ein Stellmacher,
  • Weißenburger Straße 25 ein Schlosser,
  • und in Pichelsdorf in der Dorfstraße 6a eine Witwe.

Postalisch gelaufen ist die Karte am 27. Mai 1924. Spandau war zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast 4 Jahren eingemeindet zu „Groß-Berlin„. Eine Maßnahme, welche aus meiner Sicht heute mit dem „Speckgürtel“ bzw. Brandenburg eigentlich wieder nötig wäre.

Sektkellerei Henkell – 8o Meter Keller-Haupttreppe

„Haupttreppe vom tiefsten Keller gesehen. Blick zur Empfangshalle. Entfernung 80 Meter.“

Das ist schon beeindruckend. So sieht es auch die Frankfurter Rundschau:

Die Ansichtskarte habe ich am 21.02.2020 über ebay für insgesamt 1,90 € erworben. Gelaufen ist sie am 19.02.1923, also vor 97 Jahren, von Berlin-Grunewald nach Berlin-Spandau. Frankiert ist sie mit zwei 5 Pfennig Briefmarken der Dauerserie Deutsches Reich, Posthorn., Michel Nummer 205. Empfängerin war eine „Frau von Negelein“ in der Pichelsdorfer Straße. Ob hier eine Verwandschaft zum Schriftsteller „Carl Gustav von Negelein“ bestand (geboren 29.10.1877, verstorben unbekannt, Berlin-Friedenau, Niedstraße 25) (u.a. 1925 „Was Steine erzählen“ mit Ernst Rückert in der Hauptrolle) ist mir nicht bekannt.

 

Willy Dockhorn – Grafiker und Lehrer

Ein Brief von Willy Dockhorn aus Frose in Anhalt, gelaufen am 11.03.1922 nach Berlin-Spandau. Frankiert mit Dauermarken der Serie „Ziffern im Rechteck“, 10 Pfennig (Michel Nummer 159/178) und 40 Pfennig (Michel Nummer 163/182). Ersteigert bei ebay am 18.02.2020 für insgesamt 1,80 €.

Auf der Heimatkunde-Webseite „Frose in Anhalt / Das finstere Mittelalter im neuen Licht“ steht über Willy Dockhorn folgendes:

In den Jahren 1914 bis 1924 wurde die Herausgabe von Notgeld in Deutschland eine regelrechte Mode. Dieses Notgeld wurde mit solch einer Hingabe entworfen und erstellt, dass einige Ausgaben als kleine Kunstwerke bezeichnet werden können.

Für Frose / Anhalt gestaltete der damalige Lehrer Willy Dockhorn das Notgeld. Eine Vielzahl von Notgeldentwürfen lehnten sich in ihrem Aussehen an die gültigen Zahlungsmittel an. Dies war aber nicht die Auffassung des Lehrer Dockhorn. Er ging eigene Wege bei der Gestaltung dieses Geldes. Seine Art kam bei den Sammlern an, so dass eine Reihe weiterer Orte, ihn beauftragte, für ihr Notgeld die Entwürfen auszufertigen.

Bemerkenswert ist unter anderem der Notgeldsatz Gatersleben. Er beinhaltete die gesamte Geschichte von „Max & Moritz“.

 

GALERIE: Grafiker Willy Dockhorn – 1921 Notgeld Frose

Verlagsanstalt Klemm – Caspar-Theyß-Straße 14

Noch ein Briefumschlag aus der Caspar-Theyß-Straße 14:

Die Verlagsanstalt Klemm war 1901 unter dem Namen „Klemm und Beckmann“ gegründet worden. 1906 wurde sie nach Berlin verlegt. Der Gründer Hermann Klemm (1878-1922) spezialisierte sich bald auf die Edition „wohlfeile(r) Klassikerausgaben“ von großen Autoren des 19 Jahrhunderts; Deutsches Literatur Lexikon, 2. Auflage, 2. Band, Seite 1297.

So wurde dort zum Beispiel 1915 das urspüngliche Theater-Märchenspiel Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz als Buch mit Illustrationen von Hans Baluschek erstmals veröffentlicht.

Der Brief ist am 11. Januar 1923 von Elberfeld nach Berlin gelaufen. Elberfeld gehört heute zu Wuppertal.

Absender ist die „Baedekersche Buch-, Kunst-, Musikalien- und Lehrmittelhandlung, Herzogstraße 33 in Elberfeld. Hierbei handelt es sich nicht etwa um Karl Baedeker bzw. den heutigen Verlag Karl Baedeker, Herausgeber der weltbekannten Reiseführer, sondern um die heute noch bestehende Buchhandlung Baedeker in Wuppertal:

„In der größten Buchhandlung für Reiseliteratur im Bergischen Land und der ältesten in Wuppertal mit mehr als 170 Jahren. Unser Name ist Programm, und so führen wir als Familienunternehmen mit persönlicher Ansprache und fachlicher Kompetenz, Reiseführer von so ziemlich jedem Winkel der Erde.“

Und in einem Artikel in der Westdeutschen Zeitung vom 24.07.2017 sagt der heutige Inhaber Herr Bernhard Rohde:

„Wir sind übrigens die einzige Buchhandlung, die den Namen Baedeker führen darf“.

Frankiert ist der Briefumschlag mit drei Dauerbriefmarken des Deutschen Reichs, 1 x 100 Pfennig (1921, Michel Nummer 167/187) und  2x 12 Mark (1922, Michel Nummer 240). Die Hyper-Inflation lief bereits heiß.

Den Brief habe ich am 19. November 2019 bei ebay für insgesamt 5,53 € ersteigert.

Drei Briefe an Karl Bartoschek

Karl Joseph Bartoschek (* 26. November 1870 in Wien; † 31. Dezember 1943 in Ahrenshoop) war ein österreichisch-deutscher Maler und Sänger.

Laut Wikipedia ließ sich Bartoschek 1895 in Berlin nieder. 1897 war er auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten mit den Werken „Der Poet“ und „Der Chronist“. In den Berliner Adressbüchern wurde er in den folgenden Jahren als Zeichenlehrer geführt:

  • Bartoschek, Carl. In: Berliner Adreßbuch, 1904, Teil 1, S. 67. „Städt. Zeichenlehrer, NW, Turmstr. 30 I“.
  • Bartoschek, Wilma. In: Berliner Adreßbuch, 1904, Teil 1, S. 67. „Frau, Pianomagazin u. Leihinstitut, NW, Turmstr. 30 I“.
  • Bartoschek, Karl. In: Berliner Adreßbuch, 1930, Teil 1, S. 116. „Leiter d. Schubertbund, NW21, Turmstr. 30, T. Mb. 6199“

Bartoschek war verheiratet mit der Pianistin Wilhelmine Bartoschek, die nebenher ein „Pianomagazin und Leihinstitut“ führte. In Berlin gründete er 1905 den Schubertbund. Dieser veranstaltete unter seiner Leitung 25 Jahre lang Volkskunstabende. Nach dem Tod seiner Frau Wilhelmine († 1907) heiratete er 1909 in zweiter Ehe die Pianistin Klara Stenzel († 1934) und 1943 in dritter Ehe seine Haushälterin Grete Kühnel († 1945).

Die nachfolgenden Postsendungen aus dem Jahr 1923 bestätigen die Anschrift in der Turmstraße.

ebay, 13.07.2019 für insgesamt 15,88 €.

 

13.09.1923 – 30.000 Mark Porto:

22.09.1923 – 103.000 Mark Porto:

13.10.1923 – 1.000.000 Mark Porto:

Werner Schillow – Berlin Schiffsmakler und Reeder

Werner Schillow war Schiffsmakler und Nautiklehrer in Hamburg und Berlin und Begründer einer der ältesten Privatreedereien der Stadt.

Im zu ehren trägt ein Restaurantschiff Am Charlottenburger Tor seinen Namen:

Im Internet ist – per heute jedenfalls – leider bis auf den Hinweis auf das Restaurantschiff nichts über den Schiffsreeder Werner Schillow überliefert.

Bis auf eine Ausnahme, so berichtete die Berliner Zeitung am 20. August 1994 wie folgt:

Frau am Steuer: Seit 18 Jahren ist Brigitte Schillow die einzige Kapitänin der Stadt
Mit Patent auf den Berliner Gewässern

Brigitte Schillow ist die einzige Kapitanin auf Berlins Binnengewässern. Drei bis viermal in der Woche nimmt sie das Steuer selbst in die Hand. Die blau-weiße Flagge weist schon von weitem den Weg zu der Reederei Schiffs-Schillow. Vom Büro dieser ältesten Privatreederei Berlins aus dem Jahr 1908 haben Werner und Brigitte Schillow einen guten Blick über die Spree und auf ihre drei Schiffe, zwei Ausflugsdampfer und eine Barkasse. „Nach der Schule wollte ich eigentlich Stewardeß werden, wie damals alle jungen Mädchen“, erzählt die S4jährige, „doch ich war zu groß.“ Also vermittelte ihr das Arbeitsamt eine Lehrstelle als Schiffahrtskauffrau beim Flußschiffahrtskontor im Westhafen. „Als einer meiner Kollegen für drei Monate auf dem Rhein mitfahren durfte, wurde ich hellhörig, denn Ich war als junges Mädchen sehr technikbegeistert.“ Bei der nächsten Fahrt war Brigitte Schillow mit an Bord. „Erst habe ich nur Messing geputzt und Rost geklopft. Als ich die Maschine zum ersten Mal abschmieren durfte, war ich richtig stolz„, erinnert sie sich. Dann half der Zufall nach. „Der Jungmatrose war nach einem Landgang verschwunden. Da die Zahl der Matrosen vorgeschrieben ist und kontrolliert wird, habe ich mir die Haare unter einer Mütze hochgesteckt und niemand hat es gemerkt.

Zurück in Berlin lernte sie auf einer Jubiläumsfeier Werner Schillow kennen. „Genauer gesagt hatte ich zuerst nur einen Blick auf seinen 300er Mercedes geworfen. Den wollte ich doch unbedingt einmal fahren.“ Werner Schillow überließ ihr ohne zu fragen sein Auto und hatte gewonnen. Sie wechselte dann in die Firma ihres Mannes und begleitete ihn, wenn er die firmeneigenen Schlepper und Frachtschlffe steuerte. „Da kam es natürlich auch vor, daß ich mal das Steuer halten mußte. Ich sagte mir, das muß ähnlich sein wie Autofahren und habe es einfach versucht.

Weil sich mit der Binnenschiffahrt immer weniger Geld verdienen ließ, sattelte Werner Schilow auf die Überführung von Schiffen um. Brigitte war auf den Fahrten nach Tanger. Alexandria oder lbiza immer mit dabei. 1976 machte sie ihr erstes Kapitänspatent. „Ich war die einzige Frau unter 50 Männern, aber ich hatte soviel Erfahrung, daß die Prüfung nicht so schwer war.

Heute hat Brigitte Schillow fünf Kapitänspatente und darf Schiffe auf allen Wasserstraßen Deutschlands außer auf dem Rhein steuern. Das allein reichte ihr noch nicht. Wieder als einzige Frau machte sie ein paar Motorenkurse, um im Ernstfall das Schiff auch reparieren zu können. „Das lag einfach nahe, schließlich habe ich immer bei Reparaturen zugesehen, Schraubenschlüssel und Bierdosen gereicht.“ Gerissene Keilriemen und lwechsel sind seitdem kein Problem mehr für die resolute Frau. Ein einziges Mal war sie kurz davor, die Kapitänsjacke auszuziehen. „Da wollte ich nach einigen Kursen an einer Steuerschule in die Bekleidungsbranche wechseln.

Die Entscheidung für die Reederei hat sie nicht bereut, auch wenn die Arbeit hart ist. ,“Als ich auch noch die Kantine gemacht habe, bin ich morgens zum Fleischgroßhandel und habe dann den ganzen Vormittag Fleisch durch den Wolf gedreht, dazu der Bürokram und die Arbeit als Kapitänin.“ Die Kantine hat sie mittlerweile verpachtet und auch die Reparaturen überläßt sie inzwischen anderen. „Heute habe ich lackierte Fingernägel, oft genug waren sie aber abgebrochen und ölverschmiert.“ Mit der Männerwelt auf den Schiffen hatte sie nie Probleme. „Schon als junges Mädchen war ich ein bißchen jungenhaft. Das lag vielleicht daran, daß meine Mutter lieber einen Jungen gehabt hätte. Ich war jedenfalls immer der Meinung, was ein Mann kann, kann eine Frau genausogut.

Für die Reederei Schillow wird 1946 der Firmensitz: „Berlin-Charlottenburg, Königin Luise Straße 14″ angegeben. Die Straße erhielt ihren Namen um 1905 und hatte diesen bis zum 30. März 1950, ihr heutiger Name lautet Bonhoefferufer. Die Hausnummerierung für die Nummer 14 blieb auch nach der Umbennennung gleich, so dass die Reederei ihren Firmensitz am heutigen Bonhoefferufer 14 hatte.

Das Besondere an dem Brief ist, dass nicht nur der Absender, Werner Schillow, sondern auch der Empfänger, die Arbeitsgemeinschaft der Binnschiffahrt, Teil der Berliner Schiffahrtsgeschichte sind.

Zur Arbeitsgemeinschaft ist bei Wikepedia zur Geschichte der „Deutsche Binnenreederei“ vermerkt:

Zur Überführung der Binnenschiffe in staatlichen bzw. volkseigenen Besitz wurde 1946 die Arbeitsgemeinschaft Binnenschiffahrt als Reederei gegründet mit dem Ziel, alle Binnenschiffstransporte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durchzuführen 1949 erfolgte die Auflösung bzw. Umbenennung in Deutsche Schiffahrts- und Umschlagbetriebe (DSU) …

Den Briefumschlag habe ich am 03. Dezember 2017 für insgesamt 3,60 € bei ebay ersteigert. Der Brief wurde am 09. März 1946 in Charlottenburg abgestempelt. Frankiert ist er mit Briefmarken-Ausgaben Berlin und Brandenburg der Sowjetischen Besatzungszone, Michel Nummer 1 und 2. Zu dieser Zeit wurde Berlin von der Alliierten Kommandantur verwaltet.

 

Von Jaluit an den Germania-Ring

Bei dem „Germania-Ring“ handelt es sich um eine ehemals führende Philatelisten-Vereinigung.

Die hier abgebildete Karte wurde im August 1900 von den Marshall-Inseln an den „Germania-Ring“ nach Spandau verschickt. Und zwar vom Atoll Jaluit.

Aus Wikipdia:

In den 1850er Jahren entstanden durch Missionare erste Schulen auf den Inseln. In der Folge legten deutsche Kaufleute Kokosplantagen zur Gewinnung von Kopra an. Nachdem 1885 eine deutsche Handelsgesellschaft auf den Inseln errichtet worden war, übernahm 1886 der erste Kaiserliche Kommissar Wilhelm Knappe die Hoheitsrechte für das Deutsche Kaiserreich. Von 1894 bis 1897 war Georg Irmer Landeshauptmann der Marshallinseln. 1906 wurden die Inseln offiziell Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Die Kaiserlich Japanische Marine besetzte im Ersten Weltkrieg nach der Kriegserklärung Japans an das Deutsche Reich am 23. August 1914 die unverteidigte Inselgruppe im September/Oktober 1914 und begann umgehend, Militärbasen zu errichten und die Bewirtschaftung der Inseln zu übernehmen.

Frankiert ist diese Sammlerpostkarte mit einer bereits eingedruckten Michel Nummer 46, mit Aufdruck dem „Marshall-Inseln“, ersteigert bei ebay am 19.11.2017 für insgesamt 3,95 €.

Weiterführend:

Bildhauer Walter Hauschild – Caspar-Theyß-Straße 14

Der Berliner Bildhauer Professor Walter Hauschild schrieb am 15. Juli 1921 an den Ausschuss zur Stiftung eines Gefallenen Denkmals in der Stadt Bielefeld.

Was er schrieb, kann ich leider nicht vollständig entziffern. Ich vermute aber, dass er um die Zusendung von Unterlagen an der Ausschreibung zur Errichtung eines Gefallenendenkmals gebeten hat, um sich evtl. an der Ausschreibung zu beteiligen.

Welche Gefallenendenkmäler heute in Bielefeld existieren, ist hier vermerkt. Demnach gibt es für die Gefallenen des 1. Weltkriegs von 1914-1918 lediglich eine Erinnerungstafel:

Am Haus Alter Markt / Altstädter Kirchstraße ist an der Hauswand in der Altstädter Kirchstraße eine Gedenktafel angebracht.

Jedoch gibt es ohne namentliche Nennung der Gefallenen auf dem Johannisberg in Bielefeld noch das Denkmal „Vewundeter“. Dieses Denkmal

geht auf eine im Jahr 1920 erfolgte Stiftung des Bielefelder Textilunternehmers und Leinenfabrikanten Georg Kisker (1862-1948) zurück. Vier Jahre zuvor, am 29. Juli 1916, war sein zweitältester Sohn Rudolf [Feldpostkarte 1914] im Luftkampf bei Ypern [1.-4. Flandernschlacht] gefallen. Für ihn und alle anderen Soldaten, die im Weltkrieg den „Heldentod fürs Vaterland“ gestorben waren, sollte ein „Kriegerehrenmal“ errichtet werden. Den Auftrag für das Werk bekam der in Bad Kreuznach geborene Künstler Emil Cauer d. J., der einer Bildhauer-Dynastie entstammte und in Berlin ansässig war. Am 26. November 1922, einem Totensonntag, fand die feierliche Einweihung des Denkmals statt.

Ich vermute, dass sich die Postkarte auf die Ausscheibung für dieses Denkmal auf dem Johannisberg bezieht.

Wikipedia über Walter Hauschild:

Walter Hauschild (* 19. Januar 1876 in Leipzig; † 27. Juni 1969 in Leest) war ein deutscher Bildhauer.

Als Schüler der Kunstakademien in Leipzig und Berlin, wo er von 1900 bis 1903 Meisterschüler von Reinhold Begas war, stellte er seit 1901 auf verschiedenen deutschen Ausstellungen aus, so 1906 auf der Internationalen Kunstausstellung in Bremen. Insbesondere war er zwischen 1908 und 1919 auf der Großen Berliner Kunstausstellung als Tierbildhauer vertreten. 1942 wurde seine Wasserträgerin bei der Großen Berliner Kunstausstellung, welche die von den Nationalsozialisten sogenannte Deutsche Kunst repräsentierte, für den von Der Deutschen Wochenschau produzierten, ca. dreizehn Minuten dauernden propagandistischen Dokumentarfilm Sommersonntag in Berlin von 1942 in Nahaufnahme gefilmt [Minute 2:23]. Tierplastiken von ihm finden sich im Zoologischen Garten Berlin (Seelöwe) und im Dresdner Albertinum (Nashornvögel, Pinguine, Perlhuhn), in den Museen in Leipzig (Pinguine), in Rostock (Kämpfende Geier) und in Bautzen (Seelöwe).

Weiterhin stammen von ihm der „Gluckenbrunnen“ in Dresden, das Reiterdenkmal König Alberts von Sachsen am Lauenturm in Bautzen (1913) und das Denkmal für Gerhard-Rohlfs in Vegesack. Figürliche Plastik von ihm wurde auch von der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin hergestellt. An der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Schöneberg wirkte er als Professor für Plastik.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Nach der Postkarte hat er in Berlin-Grunewald, Kaspar-Theyß-Straße 14 gewohnt. Dies stimmt auch mit einem Eintrag im Berliner Adressbuch für das Jahr 1921 unter Schmargendorf überein:

Caspar-Theyß-Straße 14: Eigentümer Hauschild, W., Bildh.

Später wohnten dort folgende bekannte Personen:

Die Karte habe ich am 09. November 2017 bei ebay für insgesamt 7,89 € ersteigert. Frankiert ist sie mit einer bereits aufgedruckten 30 Pfennig Germania Marke (Michel Nummer 144) und zusätzlich mit einer 10 Pfennig Dauermarke (Michel Nummer 159).

CONSULADO GENERAL DE NICARAGUA – BERLINO –

Erworben am 25.09.2017 über ebay von einem Briefmarkenhändler für insgesamt 5,00 €. Frankiert mit: Michel Nummer 741 (Leipziger Frühjahrsmesse), Michel Nummer 725 und 721 (Danziger Dauer-Freimarkenserie mit Aufdruck)

Was mein Interesse an diesem Brief geweckt hat, war der Stempel des Nicaraguar’schen Konsulates. Aber ich habe den Verdacht, dass der Stempel mit dem Brief überhaupt nichts zu tun hat, sondern, dass er nur irgendwie in den Besitz des Absenders geriet und er dann zur verschmückenden Aufwertung des Sammlerbriefes genutzt wurde. Das es sich um einen Sammlerbrief handelt, ergibt sich aus der Briefmarkenbeklebung, die Einzelstempelung, den Zusatz „Einschreiben“ und den Stempel „Bitte sauber stempeln“.

Im Berliner Adressbuch von 1940 ist betreffend des Absenders eingetragen:

Friedrich Vollrath – Treuhänder und Briefmarkenverwertung – Kaiserdamm 5

Empfänger ist:

Herr Rechtsanwalt Ballach für Herrn Rechtsanwalt Tonn – Platz der SA 4 in Forst in der Lausitz.

Dieser Platz hieß früher „Lindenplatz„, dann, in der Zeit des Nationalsozialismus, „Platz der SA“, in der Zeit der DDR „Goetheplatz“ und heute wieder „Lindenplatz“.

Im Forster Adressbuch 1939 habe ich folgende Einträge gefunden:

Rechtsanwalt Paul Tonn war vermutlich der Sohn des gleichnamigen Lehrers Paul Tonn, Gründer und langjähriger 1. Vorsitzender des ,,Vereins heimattreuer Posener, Ost– und Westpreußen„, welcher am 02.09.1930 verstarb. Ein Nachruf befindet sich in der Wochenschrift Ostland vom 12.09.1930. Leitspruch der Wochenschrift: „Was wir verloren haben, darf nicht verloren sein!“.

Und Nicaragua?

Wikipedia hat für den Zeitraum, aus dem der Konsulatsstempel stammt, folgendes vermerkt:

1932/33 zogen die USA ihre Truppen ab, nachdem sie eine nicaraguanische Nationalgarde aufgestellt und ausgebildet hatten, deren Oberbefehl bei ihrem Vertrauten, Anastasio Somoza García lag. Diese Nationalgarde, für die formal eine (tatsächlich inaktive) Wehrpflicht existierte, übte gleichzeitig die Armee- und die Polizeifunktion aus. Zum Präsidenten kürte man seinen Onkel, den Liberalen Juan Bautista Sacasa. Er wurde am 1. Januar 1933 in sein Amt eingeführt. Einen Tag später verließen die letzten Einheiten der US-Marines das Land. Nach dem Abzug der USA legten Sandino und seine Truppe die Waffen nieder. Somoza lud Sandino und seine engsten Offiziere zu einem feierlichen Bankett, bei dem sie auf seine Veranlassung am 21. Februar 1934 ermordet wurden (Sandino selbst wurde durch einen Schuss in den Rücken ermordet).

Drei Jahre später putschte Somoza gegen Sacasa und ließ sich zum Präsidenten wählen. Bis 1979 gab die Familie Somoza den Oberbefehl über die Nationalgarde nicht mehr aus der Hand, sondern errichtete eines der größten Wirtschaftsimperien Lateinamerikas. Sie weitete ihren wirtschaftlichen Einfluss in der sich modernisierenden Wirtschaft ständig aus, unterdrückte innere Unruhen und leitete den Wiederaufbau des durch ein Erdbeben 1931 zerstörten Landes so ein, dass sie bei dieser Gelegenheit auch ihren Grundbesitz beträchtlich vermehren konnte. Auch ein Großbrand, der 1936 die Hauptstadt Managua zerstörte, bot dazu weiteren Anlass.

Trotz seinen bisherigen Sympathien für deutsche und italienische Faschisten stellte sich Anastasio Somoza García im Zweiten Weltkrieg 1943 auf die Seite der USA und nutzte die Gelegenheit, um alle Deutschen in Nicaragua zu enteignen und das Gros ihres Vermögens und ihrer Kaffeeplantagen an sich zu reißen.

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