Senator an MdB: Neujahrsgrüße 1953

Ein Brief aus der Berliner Nachkriegszeit. Ersteigert für insgesamt 4,98 € (4,28 Pfund) von einem Händler aus Clydebank bei Glasgow in Großbritannien, was wieder einmal zeigt, welche Reisen Briefe manchmal nach ihrem eigentlichen Zweck noch nehmen. Jetzt ist er also wieder in Berlin.

Verschickt wurde der Brief am 30.12.1952 und er ist nicht nur an den Empfänger, sondern auch an dessen „Gemahlin“ adressiert.  Dies legt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Brief mit guten Wünschen für das neue Jahr 1953 oder um eine Einladung zu einem Neujahrsempfang handelt. Der Absender gibt sein Amt als Senator und offenbar seine Privatanschrift am Marinesteig 36 in der bekannten Marinesiedlung an. Am anderen Ende der Straße, am Marinesteig 14, wohnte später von 1957-64 Willy Brandt. Der Brief wurde jedoch nicht in Schlachtensee, sondern in Charlottenburg abgestempelt und ich vermute, dass der TipTop mit Schreibmaschine aufgesetzte Brief vom Sekretariat des Senators geschrieben und auch aufgegeben wurde (muss aber auch nicht, der Senator für Sozialwesen hatte 1952 seinen Dienstsitz am Hohenzollerndamm 29 nahe des Fehrbelliner Platzes in Wilmersdorf). Der Empfänger wohnt nicht weit vom Absender entfernt, eigentlich nur um den Schlachtensee etwas weiter herum, also praktisch gleich um die Ecke.

Der Brief wurde mit einer 4-Pfennig-Marke aus der Serie Berlin Bauten, Michel-Nummer 43, frankiert. Auf der Marke ist das Rathaus Schöneberg abgebildet, in welchem damals das Berliner Abgeordnetenhaus tagte und der Regierende Bürgermeister seinen Sitz hatte, am 30.12.1952 war dies Ernst Reuter.

 

Karl Deibel: Glückwunsch zum 24. Geburtstag

Diese Postkarte habe ich am 18. Juli 2017 für insgesamt 4,00 € über ebay ersteigert. Also wieder einmal wenig Geld für ein kleines Zeitdokument. Gelaufen ist sie am 10. April 1922 und frankiert mit insgesamt 75 Pfennig. Deutschland befand sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Einsetzten der Hyperinflation. Abgeschickt wurde sie in Charlottenburg.

Es ist eine ungewöhnliche Glückwunschkarte zum 24. Geburtstag und auch hier konnte ich etwas herausfinden:

Herr Karl Deibel war ein politischer Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur, indem er unter anderem in der Großbeerenstraße 92 in den Jahren 1943 und 1944 mindestens zehn jüdische Mitbürger vor den Verfolgungen durch das NS-Regime versteckte. Er wurde am 11. April 1897 geboren und verstarb am 01. Mai 1981.

Die Karte wurde am 10. April 1922 verschickt.

  • Glückwunschgeber ist ein Herr „Hans Kolldewuppdich“, wobei dies als Wertschätzungsaxiom für „Hans Kollde“ (oder „Hans Kallde“) und „wuppdich“ stehen könnte, also „Hans drückt Dich“ oder „Hans knuddelt Dich“ oder ähnliches.
  • Über die Namen „Hans Ko(a)llde“ konnte  konnte ich nichts herausfinden.
  • Karolus dürfte für eine Bezugname auf den Vornamen „Karl“ darstellen.
  • Offen ist, was „Bundesgenosse“ bedeutet?
  • Berliner Adressbuch 1922:
    – Karl Deibel – kein Eintrag gefunden
    – Hans Kollde/Kallde – kein Eintrag gefunden
    – Lützowstraße 105:
    Ostermann & Co. Import – Export
    und Sachsawerke Ostermann & Co.

Und mit „Sachsawerke Ostermann & Co“ damit bietet Goggle ein sehr gutes Suchergebnis:

Die Firma Sachsawerke Ostermann & Co. produizierte Maschinen für die Holz-,Leder- und Textilbearbeitung. Es handelte sich um den väterlichen Betrieb von Karl Deibel. Eine ausführliche Abhandlung über Karl Deibel findet sich in dem Buch

So auf den Seiten ab 303 („Das Versteck „Großbeerenstraße 92„. Karl Deibel, Emma Trostler und andere“) und 305 ff. (Helfer: Karl Wilhelm Deibel“). Ansonsten ist er im Personenregister auf zahlreichen Seiten aufgeführt.

Ich belasse es an dieser Stelle damit, denn die Karte konnte ich zuordnen.

Bleibt nur noch die Frage offen, wer der Absender der Karte „Hans Kalldewuppdich“ ist?

 

Weiterführend:

Spiegel, 08.09.2009: „Vergessene Orte

 

1938: Deutscher Verband für entschiedenes Christentum

Dieser Brief machte mich neugierig, und so habe ich ihn bei ebay für insgesamt 2,90 € ersteigert, also wieder einmal wenig Geld für ein klitzekleines Zeitdokument.

  • Absender ist: Gustav Otto – Bundeswart des Deutschen Verbandes für entschiedenes Christentum – Berlin Charlottenburg 5 – Spandauer Straße 17.
  • Empfänger ist: Inspektor J. Bartsch – Füll 62 III – Nürnberg.
  • Gelaufen ist der Brief am 14. Oktober 1938

Zunächst einmal: Die Spandauer Straße ist heute der Spandauer Damm 54. Vor dem Haus befinden sich seit 2009/10 drei Stolpersteine.

Die Gemeinschaft für entschiedenes Christentum wurde 1881 in den USA ins Leben gerufen. Es gibt sie noch heute.

 

Moderne trifft auf Moderne

Diese Karte gefiel mir sofort. Zum einen eine New Yorker Hochhaus und zum anderen die „alt“-wirkenden Briefmarken direkt daneben. Vielleicht von einem Sammler geschrieben und da die Karte nur einen Empfänger und keinen Absender – ja nicht einmal einen Gruß – enthält, hat die Karte vielleicht sogar der Empfänger an sich selbst geschickt? Vielleicht von einer Urlaubsreise?

Dann hat die Karte noch einen Stempelaufdruck:

F. E. Knoke – 395 Prospect Ave. – Brooklyn (N.Y.) USA.

Zunächst hatte ich dies für einen Werbeaufdruck gehalten. Aber da die Karte auch den Stempelaufdruck „Marke umseitig“ und „Stamps over“ hat, kann es vielleicht auch sein, dass es sich bei der Firma Knoke um einen Briefmarkenversand handelt? Dies würde Sinn machen, da die beiden Briefmarken  1 1/2c Washington (#706) 1932 erschienen sind. Demnach würde es sich also evtl. um ein Briefmarkenabonnement mittels echt gelaufenen Postkarten handeln.

Nun, abgebildet ist das Woolworth-Building. Es wurde 1913 eröffnet. Ausführender Architekt war Cass Gilbert, der auch das New York Life Insurance Building und das Thurgood Marshall United States Courthouse in New York City erbaute. Das Woolworth-Bulding war über 15 Jahre lang das höchste Gebäude der Welt und gilt als prägend für den New Yorker Hochhausstil der 1920er Jahre.

Und wo ging die am 27. April 1932 abgeschickte Karte hin: Nach Berlin-Spandau, in den Tannenweg 10. Der Tannenweg ist Bestandteil der Waldsiedlung Hakenfelde, einer Gartenstadt, welche 1919 fertiggestellt wurde.

Das Woolworth-Building steht für eine neue Zeit, für Städte, welche mit imposanten Kathedralen wie nie zuvor in den Himmel wachsen. Die Waldsiedlung Hakenfelde hingegen steht ebenfalls für eine neue Zeit, nämlich für die Schaffung von attraktiven Wohnraum im Grünen für Arbeiter, welche bisher beengt in den Hinterhöfen der zu schnell wachsenden Stadt Berlin und Spandau wohnten.

Moderne trifft auf Moderne: Aber doch so unterschiedlich.

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Hans Dammann: Bildhauer und Reserveoffizier

Bei ebay am 05.06.2017 für insgesamt 5,19 € ersteigert.

Um diese Karte zuordnen zu können, habe ich einen Blick in das Berliner Adressbuch des Jahres 1922 geworfen:

Hans Dammann, Bildhauer, Grunewald, Schinkelstraße 2

Auszug aus Wikipedia:

Hans Dammann (* 16. Juni 1867 in Proskau, Landkreis Oppeln, Schlesien; † 15. Juni 1942 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer.

Da Hans Dammann Reserveoffizier war, wurde er gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges eingezogen.

Laut der Karte war er seinerzeit Offizier des 3. Garde-Regiments zu Fuß. Als Teil der 1. Garde-Infanterie-Brigade machte das Regiment zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 2. August 1914 mobil. Im Verbund mit der 1. Garde-Infanterie-Division nahm es am Vormarsch in das neutrale Belgien teil und kämpfte zunächst bei Namur. Das Regiment wurde ab dem 13. Dezember 1918 in Berlin demobilisiert und im Juni 1919 schließlich aufgelöst.

Hans Dammann schuf unter anderem zahlreiche Kriegerdenkmale. Eines davon war das am 06. Mai 1923 auf dem Truppenübungsplatz Döberitz eingeweihte Denkmal für die Gefallenen des 3. Garde-Regiments zu Fuß im I. Weltkrieg, genannt der „Löwe von Döberitz“. Von diesem Denkmal besteht heute nur noch ein Überrest. Herr Martin Conrath hat sich ausführlich mit den Denkmal beschäftigt und 2012 eine interessante Abhandlung veröffentlicht: Zur Geschichte der Döberitzer Heide Supplemente #12.

In der Schinkelstraße wohnte 1922 außerdem auch noch Bruno Damann.

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Trauriger Unfall der Berliner Luftfahrtgeschichte – PanAm westlich von Berlin abgestürzt – N317PA – Flugnummer 708

Diese Postkarte habe ich am 26.02.2017 für insgesamt 1,90 € bei ebay ersteigert. Die Postkarte lief am 17.02.1975 von Berlin nach Bellevue, Johannesburg in Südafrika. Frankiert ist sie mit einer erst drei Tage vorher erschienenen Briefmarke „Moby Dick“ (Michel Nummer 487).

Über die abgebildete Maschine, eine Boing 727, mit der Kennung N317PA (Jet Clipper De Soto) habe ich herausgefunden, dass sie leider am 15.11.1966 auf dem Flug von Frankfurt/Main nach Berlin-Tegel abgstürzt ist. Und zwar am „Champagner-Berg“ bei Seeburg (Spiegel 1966) oder am „Alter Mühlenberg“ in der heutigen Döberitzer Heide (Tagesspiegel 2011). Die genauen Koordinaten laut Untersuchungsbericht sind Breitengrad Nord 52°30’02“ und Längengrad Ost 13°02′ 28″ (Landkarte). Die Maschine hatte ihren Erstflug erst am 11.01.1966 absolviert und war nur mit Post beladen, die drei Piloten kamen bei dem Absturz ums Leben.

Als diese Postkarte verschickt wurde, gab es die abgeblidete Maschine also seit knapp zehn Jahren schon nicht mehr. Die PanAm ist inzwischen auch Geschichte. Das Unternehmen wurde insolvent und 1991 von Delta Air Lines übernommen. Zu einem Orion III Raumschiff kam es also nicht mehr.

Weiterführend:

 

Ernst Weiss an Resi Weiss

Ein Brief von Ernst Weiss aus Beetzendorf / Provinz Sachsen, an Resi Weiss nach Stecken in Böhmen. Monogrammaufdruck „E. W.“ auf der Rückseite und Zugstempel 972 und 963 vom 29.09.1923 und vom 30.09.1923 von Oebisfelde nach Salzwedel.

Leider wohl kein Brief von dem  Schriftsteller Ernst Weiss.

Wikipedia:Nach einem kurzen Aufenthalt in München ließ sich Weiß Anfang 1921 in Berlin nieder. Dort arbeitete er als freier Schriftsteller, u.a. als Mitarbeiter beim Berliner Börsen-Courier. In den Jahren 1926 bis 1931 lebte und wirkte Weiß in Berlin-Schöneberg. Am Haus Luitpoldstraße 34 erinnert daran eine Gedenktafel.

Allerdings spielen eine „Resi“ und eine „Rosi“, „17½ und 19 Jahre alt, die eine blond, die andere hellbraun“ in seiner „Erzählung in Anekdoten“: „Wer hat, dem wird gegeben“ (Erstdruck in »Das Wort« 2, Moskau 1937) eine Rolle.

Vielleicht also doch ein Brief des Schriftstellers, vielleicht an einem Urlaubsort aus der „Provinz“ geschrieben?

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Jedenfalls ist dies ein hübscher Briefumschlag auf der Zeit der Inflation in Deutschland.

Ersteigert bei ebay für insgesamt 7,30 €.

Meinhard Jacoby

Heute habe ich bei ebay ein neues, kleines Exponat für meine lose Briefmarkensammlung erworben.

Ein Korrespondenz-Umschlag der Buchdruckerei Gutenberg aus (Berlin) Charlottenburg, an den damals 26 Jahre alten Studenten und späteren deutschen Maler und Bildhauer Meinhard Jacoby, Colonie Grunewald, Caspar-Theyss-Straße 19.

Gestempelt am 25. August 1899, versehen mit einer Briefmarke vom Deutschen Reich der Dauermarkenserie Krone/Adler, hier 3 Pfennig, Michel Nr. 45a.

Rückseitig aller Wahrscheinlichkeit nach mit von Jacoby angefertigten kleinen Skizzen.

Kaufpreis einschließlich Versand: 4,98 €

 

 

 

PS. Zufällig sind mir dann am 12. August 2018 für insgesamt 3,52 € noch zwei Postkarten vom 05. Mai 1898 und 23. Juni 1899, adressiert an Gustav Jacoby, ebenfalls Caspar-Theyss-Straße 19, in die Hände gefallen:

 

PS 2. Und dann am 13.01.2019 noch eine am 11.02.1903 gelaufene Postkarte von „Emma von Lüschern/Lüschem“ (?) aus Friedenau an Frau Professor Jacoby, ebenfalls Caspar-Theyss-Straße 19, wegen eines Fischgerichts. Ebay für insgesamt 2,69 €.

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