Drei Briefe an Karl Bartoschek

Karl Joseph Bartoschek (* 26. November 1870 in Wien; † 31. Dezember 1943 in Ahrenshoop) war ein österreichisch-deutscher Maler und Sänger.

Laut Wikipedia ließ sich Bartoschek 1895 in Berlin nieder. 1897 war er auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten mit den Werken „Der Poet“ und „Der Chronist“. In den Berliner Adressbüchern wurde er in den folgenden Jahren als Zeichenlehrer geführt:

  • Bartoschek, Carl. In: Berliner Adreßbuch, 1904, Teil 1, S. 67. „Städt. Zeichenlehrer, NW, Turmstr. 30 I“.
  • Bartoschek, Wilma. In: Berliner Adreßbuch, 1904, Teil 1, S. 67. „Frau, Pianomagazin u. Leihinstitut, NW, Turmstr. 30 I“.
  • Bartoschek, Karl. In: Berliner Adreßbuch, 1930, Teil 1, S. 116. „Leiter d. Schubertbund, NW21, Turmstr. 30, T. Mb. 6199“

Bartoschek war verheiratet mit der Pianistin Wilhelmine Bartoschek, die nebenher ein „Pianomagazin und Leihinstitut“ führte. In Berlin gründete er 1905 den Schubertbund. Dieser veranstaltete unter seiner Leitung 25 Jahre lang Volkskunstabende. Nach dem Tod seiner Frau Wilhelmine († 1907) heiratete er 1909 in zweiter Ehe die Pianistin Klara Stenzel († 1934) und 1943 in dritter Ehe seine Haushälterin Grete Kühnel († 1945).

Die nachfolgenden Postsendungen aus dem Jahr 1923 bestätigen die Anschrift in der Turmstraße.

ebay, 13.07.2019 für insgesamt 15,88 €.

Royal Louise und Gorch Fock

Beim Kauf eines Fotos der Royal Louise aus dem Nachlass eines Besatzungsmitglieds des Linienschiffs Schleswig-Holstein, fiel mir noch eine sehr schöne Aufnahme der früheren Gorch Fock (Schiffswebseite / Wikipedia)  in die Hände:

Die Aufnahme (Verzeichnisnummer 06744) enstand in Kiel, vermutlich 1935, oder zur Kieler Woche im August 1936. Im Hintergrund der Leichte Kreuzer Königsberg und das Panzerschiff Admiral Scheer.

OSCO „Wallstreet“

OSCO „Wallstreet“ – Sondermodell Nummer 06192001

  • Quarzwerk (welches? Citizen, wie OSCO Workline?)
  • 5 BAR
  • Mineralglas
  • Zifferblatt mit Sonnenschliff
  • Zeiger und Index nachleuchtend
  • 44 mm / 10 mm
  • ca. 120 Gramm

Unter der Bezeichnung „Wallstreet“ gibt es auch noch einen hübschen Chronographen: „Wallstreet Chrono – Sondermodell Nummer 06193002″

Befindet sich auf dem Postweg, freu mich d’rauf, mal schau’n…… – Kam heute an:

Wunderschön 🙂  nur das Band ist etwas scharkantig und nicht so angenehm glatt wie etwa bei der SONGDU 9223.

30 Tage Laufzeittestvergleich mit PTB Atomuhr 14.05.2018 – 14.06.2018:

+ 15 Sekunden

 

 

 

 

 

 

 

Die nachleuchtenden Zeiger und Indexe der OSCO im Vergleich zu Trigalight:

Links und rechts: 2x Trigaligt + nachleuchtende Ziffern (Swiss Combat Forces: Observer), Mitte: OSCO Wallstreet nur nachleuchtend.

 

Nach rund 45 Minuten: Selbstverständlich ist Trigalight überlegen, aber ich bin mit dem Nachleuchten der OSCO völlig zufrieden – und, mehr als „Nachleuchten“ wird vom Hersteller der OSCO ja auch nicht versprochen. Die Ziffern der Observer leuchten außerdem auch nicht mehr.

 

 

KRÄWINKLERBRÜCKE: STAHLWERK CARL URBACH & Co.

Ein altes Foto wie aus einer Modelleisenbahnlandschaft, musste ich einfach kaufen:

Kräwinklerbrücke ist ein Ortsteil der Stadt Remscheid in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Er liegt am Ufer der Wuppertalsperre an der Grenze zu den Städten Radevormwald und Hückeswagen. Namensgebend für die Ortschaft war eine historische Steinbrücke über den Fluss Wupper, die heute unterhalb der Wasserlinie der Talsperre liegt. Der Ort besaß einen Bahnhof an der Wuppertalbahn, die von Radevormwald nach Wuppertal führte, sowie ein Postamt, ein 1899 errichtetes Elektrizitätswerk und das 1880 gegründete Stahlwerk Urbach & Co. Mit dem Bau der Wuppertalsperre fielen bis 1975 große Teile der Ortschaft wüst. Das ursprüngliche Kräwinklerbrücke erstreckte sich auf beide Seiten der Wupper, sowohl auf Remscheider als auch auf Radevormwalder Stadtgebiet. Von dem auf Radevormwalder Stadtgebiet liegenden Teil ist heute nichts mehr erhalten, von dem Remscheider Teil nur die Randbebauung auf höherer Lage. Der Bahnhof, die Trasse der Bahnstrecke, das Stahlwerk, die Kapelle sowie zahlreiche Verbindungsstraßen wurden größtenteils abgetragen und überflutet.

Die Aufnahme oben wurde vom Bahnhof Kräwinklerbrücke aus aufgenommen. Zwei andere Perspektiven finden sich hier, bzw. hier, hier und hier.

Yep: Und hier gibt es tatsächlich eine Adaption in den Modellbau:

Foto: ebay 21.02.2018 für insgesamt 3,40 €

Werner Schillow – Berlin Schiffsmakler und Reeder

Werner Schillow war Schiffsmakler und Nautiklehrer in Hamburg und Berlin und Begründer einer der ältesten Privatreedereien der Stadt.

Im zu ehren trägt ein Restaurantschiff Am Charlottenburger Tor seinen Namen:

Im Internet ist – per heute jedenfalls – leider bis auf den Hinweis auf das Restaurantschiff nichts über den Schiffsreeder Werner Schillow überliefert.

Bis auf eine Ausnahme, so berichtete die Berliner Zeitung am 20. August 1994 wie folgt:

Frau am Steuer: Seit 18 Jahren ist Brigitte Schillow die einzige Kapitänin der Stadt
Mit Patent auf den Berliner Gewässern

Brigitte Schillow ist die einzige Kapitanin auf Berlins Binnengewässern. Drei bis viermal in der Woche nimmt sie das Steuer selbst in die Hand. Die blau-weiße Flagge weist schon von weitem den Weg zu der Reederei Schiffs-Schillow. Vom Büro dieser ältesten Privatreederei Berlins aus dem Jahr 1908 haben Werner und Brigitte Schillow einen guten Blick über die Spree und auf ihre drei Schiffe, zwei Ausflugsdampfer und eine Barkasse. „Nach der Schule wollte ich eigentlich Stewardeß werden, wie damals alle jungen Mädchen“, erzählt die S4jährige, „doch ich war zu groß.“ Also vermittelte ihr das Arbeitsamt eine Lehrstelle als Schiffahrtskauffrau beim Flußschiffahrtskontor im Westhafen. „Als einer meiner Kollegen für drei Monate auf dem Rhein mitfahren durfte, wurde ich hellhörig, denn Ich war als junges Mädchen sehr technikbegeistert.“ Bei der nächsten Fahrt war Brigitte Schillow mit an Bord. „Erst habe ich nur Messing geputzt und Rost geklopft. Als ich die Maschine zum ersten Mal abschmieren durfte, war ich richtig stolz„, erinnert sie sich. Dann half der Zufall nach. „Der Jungmatrose war nach einem Landgang verschwunden. Da die Zahl der Matrosen vorgeschrieben ist und kontrolliert wird, habe ich mir die Haare unter einer Mütze hochgesteckt und niemand hat es gemerkt.

Zurück in Berlin lernte sie auf einer Jubiläumsfeier Werner Schillow kennen. „Genauer gesagt hatte ich zuerst nur einen Blick auf seinen 300er Mercedes geworfen. Den wollte ich doch unbedingt einmal fahren.“ Werner Schillow überließ ihr ohne zu fragen sein Auto und hatte gewonnen. Sie wechselte dann in die Firma ihres Mannes und begleitete ihn, wenn er die firmeneigenen Schlepper und Frachtschlffe steuerte. „Da kam es natürlich auch vor, daß ich mal das Steuer halten mußte. Ich sagte mir, das muß ähnlich sein wie Autofahren und habe es einfach versucht.

Weil sich mit der Binnenschiffahrt immer weniger Geld verdienen ließ, sattelte Werner Schilow auf die Überführung von Schiffen um. Brigitte war auf den Fahrten nach Tanger. Alexandria oder lbiza immer mit dabei. 1976 machte sie ihr erstes Kapitänspatent. „Ich war die einzige Frau unter 50 Männern, aber ich hatte soviel Erfahrung, daß die Prüfung nicht so schwer war.

Heute hat Brigitte Schillow fünf Kapitänspatente und darf Schiffe auf allen Wasserstraßen Deutschlands außer auf dem Rhein steuern. Das allein reichte ihr noch nicht. Wieder als einzige Frau machte sie ein paar Motorenkurse, um im Ernstfall das Schiff auch reparieren zu können. „Das lag einfach nahe, schließlich habe ich immer bei Reparaturen zugesehen, Schraubenschlüssel und Bierdosen gereicht.“ Gerissene Keilriemen und lwechsel sind seitdem kein Problem mehr für die resolute Frau. Ein einziges Mal war sie kurz davor, die Kapitänsjacke auszuziehen. „Da wollte ich nach einigen Kursen an einer Steuerschule in die Bekleidungsbranche wechseln.

Die Entscheidung für die Reederei hat sie nicht bereut, auch wenn die Arbeit hart ist. ,“Als ich auch noch die Kantine gemacht habe, bin ich morgens zum Fleischgroßhandel und habe dann den ganzen Vormittag Fleisch durch den Wolf gedreht, dazu der Bürokram und die Arbeit als Kapitänin.“ Die Kantine hat sie mittlerweile verpachtet und auch die Reparaturen überläßt sie inzwischen anderen. „Heute habe ich lackierte Fingernägel, oft genug waren sie aber abgebrochen und ölverschmiert.“ Mit der Männerwelt auf den Schiffen hatte sie nie Probleme. „Schon als junges Mädchen war ich ein bißchen jungenhaft. Das lag vielleicht daran, daß meine Mutter lieber einen Jungen gehabt hätte. Ich war jedenfalls immer der Meinung, was ein Mann kann, kann eine Frau genausogut.

Für die Reederei Schillow wird 1946 der Firmensitz: „Berlin-Charlottenburg, Königin Luise Straße 14″ angegeben. Die Straße erhielt ihren Namen um 1905 und hatte diesen bis zum 30. März 1950, ihr heutiger Name lautet Bonhoefferufer. Die Hausnummerierung für die Nummer 14 blieb auch nach der Umbennennung gleich, so dass die Reederei ihren Firmensitz am heutigen Bonhoefferufer 14 hatte.

Das Besondere an dem Brief ist, dass nicht nur der Absender, Werner Schillow, sondern auch der Empfänger, die Arbeitsgemeinschaft der Binnschiffahrt, Teil der Berliner Schiffahrtsgeschichte sind.

Zur Arbeitsgemeinschaft ist bei Wikepedia zur Geschichte der „Deutsche Binnenreederei“ vermerkt:

Zur Überführung der Binnenschiffe in staatlichen bzw. volkseigenen Besitz wurde 1946 die Arbeitsgemeinschaft Binnenschiffahrt als Reederei gegründet mit dem Ziel, alle Binnenschiffstransporte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durchzuführen 1949 erfolgte die Auflösung bzw. Umbenennung in Deutsche Schiffahrts- und Umschlagbetriebe (DSU) …

Den Briefumschlag habe ich am 03. Dezember 2017 für insgesamt 3,60 € bei ebay ersteigert. Der Brief wurde am 09. März 1946 in Charlottenburg abgestempelt. Frankiert ist er mit Briefmarken-Ausgaben Berlin und Brandenburg der Sowjetischen Besatzungszone, Michel Nummer 1 und 2. Zu dieser Zeit wurde Berlin von der Alliierten Kommandantur verwaltet.

 

Von Jaluit an den Germania-Ring

Bei dem „Germania-Ring“ handelt es sich um eine ehemals führende Philatelisten-Vereinigung.

Die hier abgebildete Karte wurde im August 1900 von den Marshall-Inseln an den „Germania-Ring“ nach Spandau verschickt. Und zwar vom Atoll Jaluit.

Aus Wikipdia:

In den 1850er Jahren entstanden durch Missionare erste Schulen auf den Inseln. In der Folge legten deutsche Kaufleute Kokosplantagen zur Gewinnung von Kopra an. Nachdem 1885 eine deutsche Handelsgesellschaft auf den Inseln errichtet worden war, übernahm 1886 der erste Kaiserliche Kommissar Wilhelm Knappe die Hoheitsrechte für das Deutsche Kaiserreich. Von 1894 bis 1897 war Georg Irmer Landeshauptmann der Marshallinseln. 1906 wurden die Inseln offiziell Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Die Kaiserlich Japanische Marine besetzte im Ersten Weltkrieg nach der Kriegserklärung Japans an das Deutsche Reich am 23. August 1914 die unverteidigte Inselgruppe im September/Oktober 1914 und begann umgehend, Militärbasen zu errichten und die Bewirtschaftung der Inseln zu übernehmen.

Frankiert ist diese Sammlerpostkarte mit einer bereits eingedruckten Michel Nummer 46, mit Aufdruck dem „Marshall-Inseln“, ersteigert bei ebay am 19.11.2017 für insgesamt 3,95 €.

Weiterführend:

Bildhauer Walter Hauschild

Der Berliner Bildhauer Professor Walter Hauschild schrieb am 15. Juli 1921 an den Ausschuss zur Stiftung eines Gefallenen Denkmals in der Stadt Bielefeld.

Was er schrieb, kann ich leider nicht vollständig entziffern. Ich vermute aber, dass er um die Zusendung von Unterlagen an der Ausschreibung zur Errichtung eines Gefallenendenkmals gebeten hat, um sich evtl. an der Ausschreibung zu beteiligen.

Welche Gefallenendenkmäler heute in Bielefeld existieren, ist hier vermerkt. Demnach gibt es für die Gefallenen des 1. Weltkriegs von 1914-1918 lediglich eine Erinnerungstafel:

Am Haus Alter Markt / Altstädter Kirchstraße ist an der Hauswand in der Altstädter Kirchstraße eine Gedenktafel angebracht.

Jedoch gibt es ohne namentliche Nennung der Gefallenen auf dem Johannisberg in Bielefeld noch das Denkmal „Vewundeter“. Dieses Denkmal

geht auf eine im Jahr 1920 erfolgte Stiftung des Bielefelder Textilunternehmers und Leinenfabrikanten Georg Kisker (1862-1948) zurück. Vier Jahre zuvor, am 29. Juli 1916, war sein zweitältester Sohn Rudolf [Feldpostkarte 1914] im Luftkampf bei Ypern [1.-4. Flandernschlacht] gefallen. Für ihn und alle anderen Soldaten, die im Weltkrieg den „Heldentod fürs Vaterland“ gestorben waren, sollte ein „Kriegerehrenmal“ errichtet werden. Den Auftrag für das Werk bekam der in Bad Kreuznach geborene Künstler Emil Cauer d. J., der einer Bildhauer-Dynastie entstammte und in Berlin ansässig war. Am 26. November 1922, einem Totensonntag, fand die feierliche Einweihung des Denkmals statt.

Ich vermute, dass sich die Postkarte auf die Ausscheibung für dieses Denkmal auf dem Johannisberg bezieht.

Wikipedia über Walter Hauschild:

Walter Hauschild (* 19. Januar 1876 in Leipzig; † 27. Juni 1969 in Leest) war ein deutscher Bildhauer.

Als Schüler der Kunstakademien in Leipzig und Berlin, wo er von 1900 bis 1903 Meisterschüler von Reinhold Begas war, stellte er seit 1901 auf verschiedenen deutschen Ausstellungen aus, so 1906 auf der Internationalen Kunstausstellung in Bremen. Insbesondere war er zwischen 1908 und 1919 auf der Großen Berliner Kunstausstellung als Tierbildhauer vertreten. 1942 wurde seine Wasserträgerin bei der Großen Berliner Kunstausstellung, welche die von den Nationalsozialisten sogenannte Deutsche Kunst repräsentierte, für den von Der Deutschen Wochenschau produzierten, ca. dreizehn Minuten dauernden propagandistischen Dokumentarfilm Sommersonntag in Berlin von 1942 in Nahaufnahme gefilmt [Minute 2:23]. Tierplastiken von ihm finden sich im Zoologischen Garten Berlin (Seelöwe) und im Dresdner Albertinum (Nashornvögel, Pinguine, Perlhuhn), in den Museen in Leipzig (Pinguine), in Rostock (Kämpfende Geier) und in Bautzen (Seelöwe).

Weiterhin stammen von ihm der „Gluckenbrunnen“ in Dresden, das Reiterdenkmal König Alberts von Sachsen am Lauenturm in Bautzen (1913) und das Denkmal für Gerhard-Rohlfs in Vegesack. Figürliche Plastik von ihm wurde auch von der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin hergestellt. An der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Schöneberg wirkte er als Professor für Plastik.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Nach der Postkarte hat er in Berlin-Grunewald, Kaspar-Theyß-Straße 14 gewohnt. Dies stimmt auch mit einem Eintrag im Berliner Adressbuch für das Jahr 1921 unter Schmargendorf überein:

Caspar-Theyß-Straße 14: Eigentümer Hauschild, W., Bildh.

Später wohnten dort folgende bekannte Personen:

Die Karte habe ich am 09. November 2017 bei ebay für insgesamt 7,89 € ersteigert. Frankiert ist sie mit einer bereits aufgedruckten 30 Pfennig Germania Marke (Michel Nummer 144) und zusätzlich mit einer 10 Pfennig Dauermarke (Michel Nummer 159).

CONSULADO GENERAL DE NICARAGUA – BERLINO –

Erworben am 25.09.2017 über ebay von einem Briefmarkenhändler für insgesamt 5,00 €. Frankiert mit: Michel Nummer 741 (Leipziger Frühjahrsmesse), Michel Nummer 725 und 721 (Danziger Dauer-Freimarkenserie mit Aufdruck)

Was mein Interesse an diesem Brief geweckt hat, war der Stempel des Nicaraguar’schen Konsulates. Aber ich habe den Verdacht, dass der Stempel mit dem Brief überhaupt nichts zu tun hat, sondern, dass er nur irgendwie in den Besitz des Absenders geriet und er dann zur verschmückenden Aufwertung des Sammlerbriefes genutzt wurde. Das es sich um einen Sammlerbrief handelt, ergibt sich aus der Briefmarkenbeklebung, die Einzelstempelung, den Zusatz „Einschreiben“ und den Stempel „Bitte sauber stempeln“.

Im Berliner Adressbuch von 1940 ist betreffend des Absenders eingetragen:

Friedrich Vollrath – Treuhänder und Briefmarkenverwertung – Kaiserdamm 5

Empfänger ist:

Herr Rechtsanwalt Ballach für Herrn Rechtsanwalt Tonn – Platz der SA 4 in Forst in der Lausitz.

Dieser Platz hieß früher „Lindenplatz„, dann, in der Zeit des Nationalsozialismus, „Platz der SA“, in der Zeit der DDR „Goetheplatz“ und heute wieder „Lindenplatz“.

Im Forster Adressbuch 1939 habe ich folgende Einträge gefunden:

Rechtsanwalt Paul Tonn war vermutlich der Sohn des gleichnamigen Lehrers Paul Tonn, Gründer und langjähriger 1. Vorsitzender des ,,Vereins heimattreuer Posener, Ost– und Westpreußen„, welcher am 02.09.1930 verstarb. Ein Nachruf befindet sich in der Wochenschrift Ostland vom 12.09.1930. Leitspruch der Wochenschrift: „Was wir verloren haben, darf nicht verloren sein!“.

Und Nicaragua?

Wikipedia hat für den Zeitraum, aus dem der Konsulatsstempel stammt, folgendes vermerkt:

1932/33 zogen die USA ihre Truppen ab, nachdem sie eine nicaraguanische Nationalgarde aufgestellt und ausgebildet hatten, deren Oberbefehl bei ihrem Vertrauten, Anastasio Somoza García lag. Diese Nationalgarde, für die formal eine (tatsächlich inaktive) Wehrpflicht existierte, übte gleichzeitig die Armee- und die Polizeifunktion aus. Zum Präsidenten kürte man seinen Onkel, den Liberalen Juan Bautista Sacasa. Er wurde am 1. Januar 1933 in sein Amt eingeführt. Einen Tag später verließen die letzten Einheiten der US-Marines das Land. Nach dem Abzug der USA legten Sandino und seine Truppe die Waffen nieder. Somoza lud Sandino und seine engsten Offiziere zu einem feierlichen Bankett, bei dem sie auf seine Veranlassung am 21. Februar 1934 ermordet wurden (Sandino selbst wurde durch einen Schuss in den Rücken ermordet).

Drei Jahre später putschte Somoza gegen Sacasa und ließ sich zum Präsidenten wählen. Bis 1979 gab die Familie Somoza den Oberbefehl über die Nationalgarde nicht mehr aus der Hand, sondern errichtete eines der größten Wirtschaftsimperien Lateinamerikas. Sie weitete ihren wirtschaftlichen Einfluss in der sich modernisierenden Wirtschaft ständig aus, unterdrückte innere Unruhen und leitete den Wiederaufbau des durch ein Erdbeben 1931 zerstörten Landes so ein, dass sie bei dieser Gelegenheit auch ihren Grundbesitz beträchtlich vermehren konnte. Auch ein Großbrand, der 1936 die Hauptstadt Managua zerstörte, bot dazu weiteren Anlass.

Trotz seinen bisherigen Sympathien für deutsche und italienische Faschisten stellte sich Anastasio Somoza García im Zweiten Weltkrieg 1943 auf die Seite der USA und nutzte die Gelegenheit, um alle Deutschen in Nicaragua zu enteignen und das Gros ihres Vermögens und ihrer Kaffeeplantagen an sich zu reißen.

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Friederike Heiberg

Erworben bei ebay am 24. September 2017 für insgesamt 2,00 € von einem Briefmarkenhändler.

Christaine Eifert schreibt 2011 in ihrem Buch Deutsche Unternehmerinnen im 20. Jahrhundert:

Friederike Heiberg gründete 1910 die Deutsche Kongress-Zentrale in Berlin, die sie bis 1968 leitete.

Das Berliner Adressbuch von 1943 entfällt auf Seite 1031 folgenden Eintrag:

Friede Heiberg – Verlag – Grunewald – Hohenzollerndamm 67a

Das Berliner Adressbuch von 1935 enthält den Eintrag:

Friede Heiberg – Buch(handel?) – Schmargendorf – Salzbrunner Straße 44a

Der Brief ist an „Friedrike“ adressiert, hier wurde offenbar das „e“ vergessen, denn sonst macht der Adressbucheintrag „Friede“ keinen Sinn.

Ich habe die Berliner Adressbücher von 1912 – 1943 nur sporadisch durchsucht, finde aber keinen Eintrag für die Deutsche Kongress-Zentrale (DKZ).

Die DKZ wurde in Dritten Reich gleichgeschaltet und war ab Ende 1936 dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda untergeordnet. So berichtet eine freikirchliche Quelle:

Zum Abschluss der Tagung befasste sich Dr. Andreas Liese mit der Reise des Vorsitzenden der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Heinrich Wiesemann, 1938 nach Schweden, um darzulegen, wie die Deutsche Kongress Zentrale (DKV), die seit Ende 1936 dem Propagandaministerium untergeordnet war, ganz gezielt kirchliche Vertreter benutzt habe, um die Interessen Deutschlands im Ausland zu vertreten. Jeder, der eine Auslandsreise zu einem Kongress oder einer ähnlichen Veranstaltung beantragen wollte, sei im Zusammenhang mit der Beantragung von Devisen von der DKV unterrichtet worden, in welcher Weise er sich im Ausland zu verhalten, wie er mit ausländischen Pressevertretern umzugehen und in welcher Weise er Deutschland zu repräsentieren habe. Nach der Rückkehr hätte ein Bericht verfassen werden müssen, der dann über die DKV an den Sicherheitsdienst (SD) weitergeleitet worden sei. Wiesemann habe sich nun nicht nur an diese Richtlinien gehalten, sondern im Kontakt mit dem schwedischen Diplomaten Lagerkranz gleichzeitig versucht, politischen Einfluss auf Schweden im Sinne des NS-Staates zu nehmen.

In dem Buch Translation und „Drittes Reich“: Menschen – Entscheidungen – Folgen (Seiten 118/119) von Dörte Andres, Julia Richter und Larissa Schippel aus dem Jahr 2016 wird gleiches berichtet:

Laut Jahresbericht von 1939/40 waren 500 Sprachkräfte von der DKZ erfasst. Die Personalakten der Deutschen Kongress-Zentrale enthalten eine Fülle von Informationen über Einzelschicksale von Dolmetschern und Übersetzern. Diese Personalakten im Detail auszuwerten steht noch an. Doch eines scheint sich abzuzeichnen: Wer als Dolmetscher tätig sein wollte, musste regimtreu sein und diese Treue unter Beweis stellen können. Regelmäßig schickte die Deutsche Kongress-Zentrale Leumundsanfragen an die Geheime Staatspolizei in Berlin bzw. den Chef des Sicherheitsamtes.

Politische Zuverlässigkeit stand für die Deutsche Kongress-Zentrale an erster Stelle, sprachliche Eignung an zweiter. Der Dolmetscher stand im Dienst des Nationalsozialismus und hatte die nationalsozialistische Weltanschauung zu vertreten und auf diese Weise den „Kampf“ der Nationalsozialisten zu unterstützen. Als Mitglied der Deutschen Kongress-Zentrale oder der RfD [Reichsverband der beeidigten Dolmetscher] unterstand der Dolmetscher der Kontrolle der Behörden, der Partei und … der Kollegen.

Als Literatur in Deutscher Sprache ist außerdem zu nennen: Miriam Winter, 2012, Das Dolmetscherwesen im Dritten Reich : Gleichschaltung und Indoktrinierung. Nach dem Inhaltsverzeichnis wird dort auch die DKZ behandelt (Kritik).

Ansonsten ist noch anzumerken, dass zwei Quellen angeben, dass die DKZ erst 1934 entstanden ist, Quelle 1 und Quelle 2, hier unter Bezugname auf Winter 2012, Seite 56:

Moniens politische Gesinnung wird besonders in einer vier Seiten langen Aufzeichnung aus dem Jahr 1941 deutlich, in der er – nicht frei von Hochmut – ausführlich Auskunft über seine Tätigkeit als Leiter der RfD [Reichsverband der beeidigten Dolmetscher] und in der Wehrmacht gibt. Darin berichtet er:

Vor der Machübernahme durch die NSDAP bestand als einzige Organisation der Dolmetscher der Reichsverband der beeidigten Dolmetscher, dem ich als beeidigter Dolmetscher für die russische Sprache angehörte. Im Mai 1933 erzwang ich ohne amtlichen Auftrag die Auflösung dieses völlig verjudeten Verbandes und beantragte und erwirkte seinen Anschluss an die „Deutsche Rechtsfront.“

Weiterhin erklärte Monien, ihm sei als späterer Reichsfachschaftsleiter der RfD unter großem persönlichem Einsatz „die Erfassung der arischen Dolmetscher“ und nach seiner Gründung der Dolmetscherzentrale die dortige „Ausschaltung der immer noch zahlreichen jüdischen Übersetzer und wilden Übersetzungsbüros“ gelungen.

Es kann daher sein, dass die Deutsche Kongress-Zentrale von Frau Heiberg (Gründung 1910) nicht identisch ist mit der Deutschen Kongress-Zentrale des Nationalsozialismus (Gründung 1934), das vermag ich jetzt jedoch nicht abzuklären!?! Weiterhelfen könnte das Kapitel DKZ im o.g. Buch von Frau Winter.

Insofern möchte ich auch nicht über die Rolle von Frau Heiberg in der Zeit des Nationalsozialismus spekulieren. Aber darum geht es hier ja auch nicht, es geht ja nur darum, einen Briefumschlag historisch etwas einzuordnen und, falls möglich, einen Kontext herzustellen.

Bezüglich des Absenders, des „Bezirksgerichts der Presse“ ist zu nennen: Nora Düwell, 2008, „Die Standesgerichtsbarkeit der Presse im Nationalsozialismus: Das Bezirksgericht der Presse München„.

 

25.03.1955 373 413 405 422 442

Ein Brief, dessen Muster häufiger bei ebay vorkommt und von welchem ich vermute, dass es sich um eine Sammlerpostsendung handelt: Ordentlich beschrieben, sauber beklebt und sauber abgestempelt und sauber geöffnet, dann natürlich, wie bei Sammlern beliebt, per Einschreiben verschickt. Sein Alter: Immerhin 62 Jahre. Ersteigert bei ebay am 10. September 2017 für insgesamt 2,84 €. Verkäufer ist Herr Edwin Hodel, ein Sammler historischer Postkarten aus Langwedel, womit allein schon darin diesem Brief eine kleine Besonderheit inne wohnt. Frankiert ist der Brief mit Deutsche Post der DDR, Briefmarkenjahrgang 1953 und 1954, Dauermarkenserie Fünfjahrplan, Michel-Nummer 373, 413, 405, 422 und 442.

Empfängerin ist Frau Dr. Lotte Hefter in Berlin-Ruhleben, Murellenweg 3, also in der Nähe meiner Heimat. Dies wecke dann auch meine Neugier.

In Bibliotheksarchiven gibt es zu diesem Namen zwei Einträge:

  1. Lotte Hefter-Noeldechen, „Kindergestalten im amerikanischen Roman„,
    Neue deutsche Forschungen, Verlag Junker und Dünnhaupt, Berlin 1936
  2. Ein Brief aus dem Jahr 1938 von einer Frau Charlotte Hefter an Gustav Frenssen, einem deutschen Schriftsteller des völkischen Nationalismus.

Ob es sich hier um die selben Lotte bzw. Charlotte Hefters, oder einfach nur um eine Namensgleichheit handelt, ist mir nicht bekannt.

Laut Berliner Adressbuch von 1957 war Frau Dr. Lotte Hefter von Beruf Dolmetscherin und dort auch unter der Adresse „Charlottenburg 9, Murellenweg 3“ vermerkt. Im zuletzt davor 1943 erschienenden Berliner Adressbuch habe ich sie nicht gefunden.

Das Telefonbuch von 1959 enthält den Eintrag: „Dr. phil. Charlotte Hefter“, Charlottenburg 9, Murellenweg 3, Telefon 943853.“ Und zwar mindestens bis zum Telefonbuch 1965 (Stand Dezember 1963).

Im Telefonbuch von 1966 (Stand Dezember 1965) ist sie nicht mehr eingetragen, dafür jetzt: Dipl.-Ing. Manfred Hefter, 1000 Berlin 19, Murellenweg 3, Telefon 3043853

„Lotte“ ist also die Abkürzung für „Charlotte“.

Absender des Briefes ist ein Herr oder Frau „Uterhardt“, aus Berlin-Weißensee, Lehderstraße 70. Möglicherweise handelte es sich bei dem Absender um Frau Margarete Uterhardt aus Weißensee, welche laut Berliner Zeitung (Wir gratulieren“) vom 21.04.1997 damals 91 Jahre alt wurde.

PS.

Ja, und das es sich tatsächlich um Sammlerpost handelte, ergab sich dann daraus, dass Herr Hodel noch eine Reihe weiterer derartiger Briefe bei ebay angeboten hat, darunter auch diesen (Absender: H. Uterhardt):

Sechs Jahre später, am 13. August 1961, wurde dann die Berliner Mauer gebaut. Dies war 1955 freilich noch nicht absehbar, dies geschah erst später, so am 15. Juni 1961 der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht:

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Die Frage, welche sich aus diesen Sammlerbriefen ergibt, lautet nun: „Was wurde eigentlich aus H. Uterhardt?“

 

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