Aunus

In meiner Kindheit fiel mir beim Sichten von zahlreichen „Briefmarkentüten“, welche aus Sammlerhand stammten, diese Marken buchstäblich in die Hände. Und als ich den Preis im Katalog las, ging mein Puls hoch. Denn so etwas findet man nicht alle Tage, der Normalsammler (schon gar nicht ein Kind) eigentlich sogar fast nie.

Die Marke (sowie vier weitere kleinere Werte) habe ich 1983 vom inzwischen verstorbenen Briefmarkensachverständigen Georg Bühler in Berlin prüfen lassen. Meine 10 M (Auflage nur 1.100 Stück mit Michel-Hinweis auf viele Fälschungen) war „echt und in feiner Erhaltung„. Katalogpreis damals für ein gestempeltes Exemplar: 3.400 DM!

Mit dem Wert ist das so eine Sache. Es gab einmal eine Zeit, da waren Briefmarken nicht nur als Hobby, sondern auch als Kapitalanlage „in“, aber diese Zeit ist schon lange vorbei. Die Preise für Briefmarken sind mittlerweile im Keller und für ein paar Euro bekommt man heutzutage geprüfte Marken und Briefe unterhalb ihrer früheren Prüfkosten. Ich weiß nicht, wie die Aunus-Marken heute im Michel gepreist sind, gehe aber davon aus, dass für relativ wenig Geld auch die Aunus-Marken für „Jedenmenschen“ kaufbar sind, wer sie denn unbedingt haben möchte. So habe ich in den vergangenen Jahren durchaus einige sehr schöne Aunus-Briefe gesehen, die über ebay angeboten und dann bezahlbar versteigert wurden, auch die 10 M (hier postfrisch für läppische 180 €)!

Der Hintergrund der Marken (Bezugnahme Wikipedia D und E):

Olonez (russisch Олонец; olonetzisch und karelisch Anuksenlinnu oder Anus; finnisch Aunus; schwedisch Olonets) ist eine Kleinstadt mit 9056 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010) im äußersten Süden der zu Russland gehörenden Republik Karelien. Sie liegt am Zusammenfluss der Megrega und des Ladogasee-Zuflusses Olonka und ist Mittelpunkt eines fruchtbaren Agrardistriktes östlich des Ladogasees. Zudem ist sie das Verwaltungszentrum eines gleichnamigen Rajons.

Der Rajon Olonez (3988 km², 26.300 Einwohner) besteht zu 90 Prozent aus dichten Nadelwäldern und Sümpfen, die Forstwirtschaft ist daher der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Gegend ist reich an verschiedenen Bodenschätzen wie Torf, Kies und Umbra. Auch Vieh- und Pelztierzucht sind wichtige Erwerbsquellen.

Mit der Unabhängigkeitserklärung Finnlands im Jahre 1917 kam Westkarelien unter finnische Oberhoheit, Ostkarelien mit Olonez blieb jedoch sowjetrussisch. Finnische Weißgardisten versuchten daraufhin, auch Ostkarelien seinem Territorium anzugliedern. Olonez war während der kurzzeitigen finnischen Besatzung im Jahre 1919 Schauplatz blutiger Kämpfe, letztendlich blieb der sogenannte Aunus-Feldzug Finnlands aber vergebens: Olonezfeldzug 1919.

Durch diesen Fund habe ich natürlich einen kleinen Bezug zu diesen Briefmarken. Hier meine ursprünglichen und noch einige weitere Marken, aufgenommen mit einem Fotoapparat bei einfachem Tageslicht ohne Sonneneinstrahlung und Fokussierung auf „Aunus“:

 

 

Gemeinsam aktiv für den Artenschutz am Gebäude

Vögel und Fledermäuse haben es zunehmend schwer. Durch Sanierungen und Abrissarbeiten gehen immer wieder viele Brutstätten und Quartiere verloren, was häufig auch an der Unkenntnis über das Vorkommen der Arten liegt. Mit Hilfe eines Online-Formulars soll nun Abhilfe geschaffen werden. Hier kann man ab sofort Nester und Lebensstätten an Gebäuden eintragen und somit an das Umwelt- und Naturschutzamt Spandau melden.

Haussperlinge, Mauersegler, Schwalben und Fledermäuse bauen ihre Lebensstätte meist unbemerkt an Gebäuden – in Nischen, an Fassaden oder versteckt im Dachkasten. Bei Bauvorhaben, wie z.B. Sanierungsmaßnahmen, kann es dann problematisch werden: Durch Unkenntnis kommen immer wieder die Rückzugsräume zu Schaden oder der Zugang zum Nest oder Quartier wird beispielswiese durch Netze an Baugerüsten versperrt.

Dabei genießen, mit Ausnahme der Straßentaube, die an Gebäuden lebenden Fledermaus- und Vogelarten durch das Bundesnaturschutzgesetz einen besonderen Schutz. Alle Beeinträchtigungen der Tiere sind verboten und dies gilt während der Brut- und Aufzuchtzeit oder bei Winterquartieren in besonderem Maße. Aber auch Lebensstätten, die die Tiere wiederholt nutzen, sind sogar dann noch geschützt, wenn sie jahreszeitbedingt nicht anwesend sind.

Damit legt das Gesetz beispielsweise einen besonderen Fokus auf den Schutz von Fledermausquartieren, Schwalbennestern und Hohlräume von Mauersegler, Sperling und Co. Wer diese vermeintlich leeren Nester trotzdem zerstört, für den kann es im Zweifelsfall richtig teuer werden.

Um es nicht so weit kommen zu lassen, braucht das Umwelt- und Naturschutzamt Spandau neben seinem eigenen Engagement in Sachen Artenschutz aufgrund der vielfältigen Bauaktivitäten im Bezirk, auch ehrenamtliche wache Augen. Aufmerksame Bürgerinnen und Bürger können ab sofort Ihre Beobachtungen von Nestern und anderen Lebensstätten an Gebäuden unter

eintragen.

Möglichst vollständige Angaben zu Tierart, Adresse, Beobachtungsdatum oder auch Fotos helfen dabei.

Bei anstehenden Baumaßnahmen finden die Artenschützerinnen und Artenschützer des Umwelt- und Naturschutzamtes unter der hinterlegten Adresse dann im Idealfall früh- und rechtzeitig die passenden Hinweise, um bei Bedarf gemeinsam mit den Bauherrschaften die notwendigen Schutzmaßnahmen ergreifen zu können.

Quelle: Bezirksamt Spandau, Pressemitteilung vom 16.09.2021

Oskar HEINROTH (1871-1945) und Heinrich STROHMEYER (1871-1955)

Der Absender Oskar Heinroth (* 1. März 1871 in Kastel; † 31. Mai 1945 in Berlin) war ein deutscher Zoologe.

Internationale wissenschaftliche Bedeutung erlangte er durch seine grundlegenden Arbeiten zur vergleichenden Verhaltensforschung in der Ornithologie. Er führte den Begriff Ethologie in seiner heute üblichen Bedeutung in die moderne Verhaltensbiologie ein. Von 1911 bis 1913 war er maßgeblich am Aufbau des Berliner Zoo-Aquariums beteiligt, dem er mehr als 30 Jahre lang als Leiter vorstand.

Hier ein Beleg aus dem Jahr 1923. Es handelt sich um die Einladung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft zu einer Sitzung am 01.10.1923, Absender: „Dr. Heinroth, Berlin W62, Auarium„. Leider nur mit Stempel und ohne seine Unterschrift.

Der Empänger ist: Herrn Oberreg.-Rat Dr. O. Strohmeyer in Berlin-Schöneberg, Hohenstaufenstraße 44. Dort kann ich ihn nicht ausfindig machen, dafür aber im Berliner Adressbuch 1923 (Namensverzeichnis, Straßenverzeichnis) folgende Person, von welcher ich vermutre, dass es die Selbige ist:

Heinrich Strohmeyer (* 1871; † 18.3.1955 Marburg/Lahn) war außerdem Forstmeister/Forstwissenschaftler. Nach ihm wurde ein Klettersteig benannt:

  • Strohmeyerpfad / Sentier des Roches.
    „Der Pfad wurde 1910 von einem Oberförster und Vorsitzenden des Club Vosgien namens Heinrich Strohmeyer (1871–1955)[1* mit Foto] aus Münster angelegt. Der Weg war die einzig gut gangbare Möglichkeit durch den Steilabsturz des Vogesenkamms nach Osten ins Vallée de Munster (Münstertal).“
  • Quelle 1* (Google-Übersetzung):
    „Albert Heinrich, Präsident des Club Vosgien de la Vallée de Munster, präsentiert Henri Strohmeyer (1871-1955), einen seiner illustren Vorgänger, Vater des Roches-Trails, dessen hundertjähriges Bestehen am Sonntag gefeiert wird. Im Alter von 3 Monaten, im Jahr 1871, kam der junge Henri oder Heinrich Strohmeyer ins Elsass, genauer gesagt in Saint-Amarin, wo sein Vater zum allgemeinen Waldwächter ernannt wurde. Seine Mutter starb 1876, als er 5 Jahre alt war. Von 1879 bis 1884 besuchte er Schulen in Thann und Haguenau, wohin sein Vater inzwischen versetzt worden war. Er setzte seine Studien in Straßburg und München fort und trat 1896 als Forstlehrling in die Fußstapfen seines Vaters. Er heiratete 1900 und wurde 1907 nach Münster berufen, wo zwei Söhne geboren wurden. … „

Zugabe: Fotografie von Trümmern auf dem Gelände der Heilbronner Straße 1 Ecke Hohenstaufenstraße 43, aufgenommen von Herwarth Staudt am 30. April 1953 im Auftrag des Baulenkungsamtes Schöneberg.

Frankiert ist die Karte mit Michel-Nummer 279 (15.000 Mark). Erworben über ebay am 02.08.2021 für insgesamt 3,49 €.

Schauspieler Albert Krämer

Das Berliner Adressbuch von 1923 enthält folgenden Eintrag:

Im Internet finde ich leider keinen Eintrag zu einem Albert Krämer, welcher in den zwanziger Jahren dvJ. Schauspieler war. Die Grolmanstraße (15) hingegen lag auch damals schon in einem guten Wohnbezirk.

Lediglich in dem Film „Die Stimme aus dem Äther“ aus dem Jahr 1939 spielte in einer Nebenrolle auch ein Albert Krämer mit.

Dann gibt es noch einen Hinweis auf ein ehemaliges Kino:

Börsen-Lichtspiele: …1927 war Arthur Meyer im 170-Plätze-Kino und 1928 wurden Albert Krämer & Helmut Hucke die Kinobesitzer. Der häufige Inhaberwechsel steht wohl für wenig finanziellen Erfolg. Von letzteren werden 190 Plätze eingetragen, 1929/1930 ist Zimmermann als Inhaber eingetragen….

Ob dies der Schauspieler Albert krämer war ist mir nicht bekannt.

Jedenfalls schicke er den nachfolgenden Brief, frankiert mit

am 27. November 1923 von Berlin nach Dresden.

Der Empfänger war vermutlich (!) der Dresdener Kaufmann E. Arthur Naake, Mitinhaber der Firma „Schmoeller & Naake“, Rohbrodukthandlung:

Erworben bei ebay am 01.08.2021 für insgesamt 21,30 €.

Mensch, so quer kann wirklich niemand denken: Freigang in Westend

Sonntag am Mittag, 01. August 2021:

Menschen, die sonst nur in Käfigen gehalten werden, hatten heute ihren ersten Freigangtag in ihrem sonst so tristen Leben. Sie liefen wie Zombies durch Westend und riefen: „Gebt uns unsere Käfige zurück“.

Ausgestattet waren sie mit Einheitskleidung: Hose, Shirt. Nicht im üblichen Käfigblau, sondern zur Feier des Tages mehrfarbig. Dazu obligatorisch Baseballmütze und Rucksack. Einen Mundschutz hatte niemand auf. Alle sahen auch gut ernährt aus. Einige hatten auch eine Orientierungshilfe in Form einer langen technischen Stange dabei, die sie laufend um die eigene Achse drehend hoch in die Luft hielten.

Das OVG Berlin-Brandenburg hatte den Freigang zuvor gemeinerweise in mehreren Entscheidungen (28, 29, 30) verboten. Das hat die Käfighaltungstreibenden aber nicht davon abgehalten, die Menschen für einen Tag doch freizulassen.

Den Freigangtag begleitete der Tagesspiegel live.

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PS. Ach ja, ein paar hatten wohl gerüchteweise auch versucht ins türkische Konsulat zu gelangen. Die wurden dann von außerirdischen in schwarzen Raumanzügen verjagt, einer möglicherweise auch festgehalten und nach Alpha Centauri, das ist ein ganz weit weg entfernter Käfig, teleportiert. Kann aber auch sein, dass es sich bei dieser Aktion um etwas ganz anderes handelte und nichts mit dem Freigangtag der Käfigbewohnenden zu tun hatte. Schließlich leben in der Türkei keine Käfigbewohnende. Das gibt es nur in Deutschland. Wobei es früher natürlich einfacher war, da nannte man diesen Käfig einfach „Zone„.

Rückblick:

Übersetzung der Rede von US-Präsident John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg am 26. Juni 1963

Ein Leben in Freiheit ist nicht leicht, und die Demokratie ist nicht vollkommen. Aber wir hatten es nie nötig, eine Mauer aufzubauen, um unsere Leute bei uns zu halten und sie daran zu hindern, woanders hinzugehen.

Merken: „Querdenken ist nicht Querschnittsdenken.

Baumfällungen am Schlachtensee verstoßen gegen das Naturschutzgesetz

Umweltverbände kritisieren Fällpolitik der Berliner Forsten

Der NABU Berlin, der BUND Berlin und die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) kritisieren die jüngst erfolgten Baumfällungen während der Brutzeit als nicht hinnehmbar. Die Berliner Forsten haben am Schlachtensee etwa 100 Bäume gefällt, darunter viele alte Eichen. Grund war angeblich die Verkehrssicherungspflicht, doch hätte sich ein Großteil der Bäume trotz ihrer Schäden noch regenerieren können.

Die Fällpolitik der Berliner Forsten, die sich in diesem Vorgang ausdrückt, bereitet den Verbänden Sorge, da sie auf Dauer Berlins wertvolle Waldsubstanz gefährdet. Lebensräume für holzbewohnende lnsekten sowie Baumhöhlen und Spalten für Vögel und Fledermäuse, die von enormer Bedeutung für den Artenschutz sind, drohen verloren zu gehen. „Gerade alte Eichen sind erwiesenermaßen äußerst wertvolle Habitate, nicht nur für Vögel und andere Wirbeltiere, sondern auch für viele Insekten“, sagt Ansgar Poloczek vom NABU Berlin.

Zahllose Bäume betroffen

Da der Wald verstärkt an Trockenstress leidet, werden an immer mehr Bäumen Schäden sichtbar. Deshalb dringen die Verbände darauf, dass die Berliner Forsten eine Strategie entwickeln, wie mit solchen Bäumen umzugehen ist, zumal sich die Lage durch den Klimawandel weiter zuspitzen wird. „Keine Option ist es, in Panik Bäume zu fällen, die Trockenheitsschäden aufweisen“, sagt Manfred Krauß vom BUND Berlin, „dann müssten wahrscheinlich 80 Prozent der Bäume gefällt werden.“ Statt dessen ließen sich tote Äste und Kronenteile entlang von Straßen und Wegen mittels Seilzugangstechnik oder Hubsteiger entfernen. „Sollte nicht ausreichend Gerät oder Personal zur Verfügung stehen, müssen diese entweder geleast oder Aufträge an Fremdfirmen vergeben werden“, fordert Krauß.Die Verbände haben ihre Kritik und Forderungen in einem Schreiben an Senatorin Regine Günter und Staatssekretär Stefan Tidow der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK) formuliert. Diese müssen die ihnen unterstellten Berliner Forsten unbedingt von der bisherigen Praxis der Verkehrssicherung abbringen. „Wie aus der Forstverwaltung zu erfahren war, beträfe das sonst eine sechs- bis siebenstelligen Anzahl von Waldbäumen“, sagt Manfred Schubert, Geschäftsführer der BLN. „Gerade die Berliner Forsten müssen geltendes Recht, die Schutzgebietsausweisungen und den Artenschutz berücksichtigen“, mahnt Schubert.

Quelle: Nabu Berlin, Pressemitteilung vom 28.07.2021

Hugo Baruch & Cie.

Hugo Baruch & Cie. war eines der größten europäischen Spezialisten für Bühnen- und Festausstattungen, mit Hauptsitz in Berlin und Filialen in London und New York, sowie Königlicher Hoflieferant.

Die Unternehmensgeschichte ist recht ausführlich auf Wikipedia beschrieben. Der Firmengründer Hugo Baruch lebte von 1848 bis 1905.

Nach dem Tod des jüdischen Firmenchefs 1905 sollten die Kinder Richard, Bruno und Erwin Baruch die Firma gemeinsam weiterleiten.

Richard Baruch starb 1927. Zur selben Zeit kam der gigantische Betrieb „Hugo Baruch & Cie.“ in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten. Von der Wirtschaftskrise ebenso betroffen wie seine Kundschaft musste das unternehmen 1927 Konkurs anmelden.

Der jüngste Sohn Erwin führte, nach dem Tod seines Vaters, sowie nach dem Tod des Bruders Richard, das Unternehmen weiter. Alle Geschäftsoperationen wurden ab 1931 immer weniger. Die letzten Eintragungen im Berliner Handelsregistern waren 1927 und 1931. Die Verzeichnisse registrierten „Hugo Baruch & Cie.“ in der Kategorie Inneneinrichtung. Aufgrund der Nürnberger Gesetze und infolge antisemitischer Repressalien, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933, wurden Juden zunehmend aus der deutschen Gesellschaft verdrängt. 1937 wurde das Geschäft von den Nazis liquidiert. Der Verbleib von Erwin Baruch ist unbekannt.

Der älteste Sohn von Hugo Baruch, Bruno Baruch, hatte 1919 das Unternehmen verlassen. Er war finanziell an Theatern und Banken beteiligt und besaß Spielklubs, welche er selber gerne besuchte. Auf Wunsch seiner Eltern hatte er die zur britischen Geldaristokratie gehörende Daisy Marguerite Tuchmann, geboren 1883 in London, geheiratet. Der Sohn aus dieser Ehe, nach dem Großvater Hugo benannt, gab sich später den Namen Jack Bilbo (1907–1967). Bruno Baruch emigrierte 1935 nach Spanien, wo sein Sohn Hugo bereits lebte, und tötete sich in Sitges. Brunos Frau, psychisch krank und zuletzt wohnhaft in Berlin in der Heil- und Pflegeanstalt Wuhlgarten und der Städtischen Heil- und Pflegeanstalt Herzberge, wurde deportiert im Juli 1940 und in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel ermordet.

Dieser Geschäftsbrief lief per Einschreiben am 11. Januar 1922 von Berlin an den Rat der Stadt Leipzig.

Frankiert ist der Umschlag mit einer Briefmarke Germania 4 Mark, Michelnummer 153.

Gekauft über ebay am 23.07.2021 für insgesamt 6,60 €.

STAN

Relikte:

  • Links: Zahnarzt mit Bürste (HNr. 20209 von 1986 – 2000)
  • Rechts: Zahnputzschlumpf (HNr. 20064 von 1980 bis 1991, 1993 bis 2000 und 2004 bis 2006)
  • Dazu: STAN „THE BIC TIC“ MAN (FOSSIL von 2004)

Es fehlt leider: Schlumpf mit Zahn (HNr. 20820, seit 2020)

Falls STAN einmal Ruhe braucht, lebt er in einer wunderbaren, robotergerechten – und in einer im Zweifel biomäßig abbaubaren (Rost) – , Dose:

„Kapitänleutnant Lütjens“

Diese Ersteigerung bzw. diesen Sofortkauf musste ich erst einmal überschlafen, weil es für meine Verhältnisse doch recht teuer war: Insgesamt 80,98 €.

Aber es ist schon ein ungewöhnlicher Beleg.

Absender des am 08. September 1923 postalisch gelaufenen Wertbriefes ist das

Empfänger ist

Das ist niemand anderes als der spätere Admiral Günther Lütjens. Er war der Flottenchef des „Unternehmen Rheinübung“ – bei welcher am 24. Mai 1941 das Schlachtschiff „HMS Hood“ versenkt wurde. Lütjens ging dann am 27. Mai 1941 zusammen mit dem Schlachtschiff „Bismarck“ unter. Insgesamt überlebten von der 2.221 Mann starken Besatzung einschließlich Flottenstab und Prisenkommando den Untergang nur 115 Männer („HMS Dorsetshire“ rettete 86, die „HMS Maori“ 25 und die „Sachsenwald“ später 2 Männer), wobei die Zahlen je nach Quelle etwas schwanken. Gerettet wurde von der Dorsetshire auch der IV. Artillerieoffizier der Bismarck, Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg, welcher die Geschehnisse aus seiner Sicht in seinem Buch „Schlachtschiff Bismarck: Ein Überlebender in seiner Zeit“ überliefert hat.

Mithin also eine der weltweit berühmtesten Seeschlachten.

Von daher „musste“ ich als Hobby-Philatelist diesen Beleg einfach ersteigern. Ich weiß auch gar nicht, ob der gewerbliche Verkäufer wusste, was er da anbietet. Einen Hinweis auf „Lütjens“ enthielt die Angebotsbeschreibung jedenfalls nicht, nur das Briefumschlagfoto mit den Briefmarken und eben den Empfängernamen, den ich mir einfach genauer angeschaut habe. Der ursprüngliche Sammelnde wusste es aber wohl, denn hinter dem Umschlag befindet sich ein s/w Foto von Lütjens. Nun ja.

Als der Brief am 08. September 1923 gelaufen ist, ist über Lütjens bei Wikipedia folgendes vermerkt:

1917 wurde er zum Kapitänleutnant ernannt. In die Reichsmarine übernommen, wurde er zusätzlich zu verschiedenen Marinestäben berufen.

Da für Lütjens in absehbarer Zeit kein Bordkommando in Frage kam, wurde er am 7. Juni 1921 in die Marineleitung berufen. Sein Vorgesetzter war Admiral Paul Behncke. Dort war Lütjens bis Ende September 1923 als Dezernent in der Flottenabteilung (A II) [Organisation und Bereitschaft der Seestreitkräfte] des Marinekommandoamts tätig. In dieser Stellung beschäftigte sich Lütjens mit strategischen und marinepolitischen Fragen. Dazu gehörte die Beobachtung und Analyse der Washingtoner Flottenkonferenz und ihrer Abrüstungsbestimmungen. Im Rahmen seiner strategischen Arbeit verfasste Lütjens einen längeren Aufsatz über die Entwicklung der Seemächte in den Jahren 1918 bis 1922. Seine Abhandlung erschien 1923 in der ersten Nachkriegsausgabe der Zeitschrift Nauticus. Im Oktober 1923 wurde er zum Chef der 3. Torpedoboots-Halbflottille in Wilhelmshaven ernannt, die er bis September 1925 kommandierte.

Frankiert ist der – leider leere – Umschlag mit Deutsches Reich Dienstmarken von 1923:

  • 37x Michel Nummer 80 (400 Mark) und
  • 8x Michel Nummer 90 (20Tausend Mark),
  • insgesamt Porto 174.800 Mark.

1923 Stiebitz & Köpchen – Bauvorhanden Württembergallee Ecke Preußenallee

Württembergallee Ecke Preußenallee in Berlin-Westend. Um welches Grundstück es sich genau handelt, sollte eigentlich einfach sein festzustellen. Ist es aber nicht. Aber das ist ja auch gar nicht so wichtig.

Die Karte wurde am 31. August 1923 verschickt. Über die Maurer- und Zimmermeisterfirma Stiebitz & Köpchen gibt es bei Wikipedia leider keinen Eintrag. Ihren Firmensitz hatte sie laut der Karte in Charlottenburg, Neue Kantstraße 2.

Ich vermute, dass die Firma seinerzeit lange fachlich gut im Geschäft war. Möglicherweise nicht nur mit Bauausführungs-, sondern auch mit Architekturleistungen. So sind in der Berliner Denkmaldatenbank einige Immobilien verzeichnet, an deren Erstellung die Firma mitgewirkt hat:

Es handelt sich hier vermutlich um eine Benachrichtingskarte betreffend des Bauverlaufs. Ich habe leider Schwierigkeiten die Handschrift zu lesen. Aber der Empfänger könnte „Herr Bernhard Kuklinski“ gewesen sein. Laut dem Berliner Adressbuch von 1922 und 1923 gab es damals einen

Bernard Kuklinski, Fassadenputzer, in Berlin NW5, Salzwedeler Straße 14 IV

In dem hier nicht beigefügten Text steht etwas von

kommen (?) am Montag, d. 3. Sept. 23 zu…. Es sollen zuerst die ? in Angriff genommen werden. Die erforderlichen ……. Estrich angefertigt. Hochahchtungsvoll….

Es zeigt, wie hinderlich es gewesen sein muss, wenn man noch kein Handy und Telefon hatte, sondern ein Bauvorhaben noch per Briefpost händeln musste. Und: Wie wichtig damals eine schnell und zuverlässig funktionierende Reichspost war, trotz Hyperinflation, denn nur kurze Zeit später kostete das Porto nicht mehr tausende, sondern Millionen Reichsmark.

Frankiert ist die Baukarte mit der Dauermarkenserie: Ziffern im querliegenden Oval (3x 4.000 Mark, Michel Nummer 255) und der Dauermarkenserie: Ziffern im Kreis (3x 1.000 Mark, Michel Nummer 273), zusammen Porto 15.000 Mark.

Erworben über ebay am 14. Juni 2021 für insgesamt 2,55€.

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